Indonesien 2017

Am 02.08.2017 erreichten wir, von Malaysia kommend, Indonesien. Wir wollten mit einem visafreien Aufenthalt von max. 30 Tagen von Sumatra über Java bis Bali fahren und am 29.08.17 von Bali aus per Flieger nach Perth in Australien fliegen.

Die Strecke belief sich laut Karte auf ca. 3300 km. Und wir wollten spätestens am 25.08.17 schon in Denpasar auf Bali eintreffen, damit genug Zeit für die Vorbereitungen auf den Flug blieb (Kartons besorgen, Fahrräder zerlegen und verpacken, alles Gepäck peinlichst reinigen wegen der scharfen australischen Einfuhr-Vorschriften, usw.). Da war schon klar, dass wir größtenteils trampen müssen, denn per Fahrrad würden wir 3 Monate benötigen für diese Strecke.

Allerdings war uns zu Beginn gar nicht bewusst, welche extremen Anstiege uns hier erwarten sollten. Damit wurde unsere Radreise durch Indonesien ein besonders spannendes Kapitel.

Mittwoch, 02.08.17

Fähre Melaka - DumaiSeit 10 Uhr war die Fähre von Melaka in Malaysia unterwegs Richtung Dumai auf der indonesischen Insel Sumatra. Mittags trafen wir in Dumai ein. Bis wir all unser Gepäck samt der Fahrräder wieder kontrolliert beisammen hatten, verging gut eine Stunde. Dann erfolgten die Einreise-Formalitäten: Gepäck wieder von den Rädern, scannen, wieder aufpacken, Pass abgeben, Fragen beantworten, Deklarationskarte abgeben (die geben sie einem schon während der Fahrt auf dem Schiff), Stempel und fertig. Unser Flugticket für die Ausreise in einem Monat wollten sie dabei nicht sehen.

Überfahrt Melaka – Dumai:    Clip1    Clip2

Die Fähre kreuzt nur einmal täglich und alle anderen Passagiere waren zu Fuß und somit schneller durch den Zoll als wir. Folglich hält sich das Passagier-Aufkommen hier sehr in Grenzen. Und wir hatten dadurch keine Wartezeiten bei der Abfertigung. Da ging alles sehr zügig von statten. So waren wir um 14 Uhr mit allem fertig und wollten gerade auf die Straße rollen.

Da sprach uns ein Einheimischer an, hieß uns herzlich willkommen und stellte sich als Warmshowers-Mitglied vor. Er hatte über einen Warmshowers-Kollegen (der uns vor Tagen eine Absage geschickt hatte) von unserer Anreise erfahren und beschlossen, uns aufzunehmen. Wie nett von ihm, uns weiterzureichen.

So hatten wir völlig unerwartet einen Schlafplatz für die Nacht. Unser Gastgeber lotste uns per Motorrad nach Hause und organisierte uns einen leerstehenden Raum mit Ventilator. Ich lud dort mein Gepäck ab und machte mich auf den Weg zurück in die Stadt, um Geld abzuheben, eine Telefon-SIM-Karte zu kaufen, usw.

Doch schon beim ersten Job lief alles schief. Ich fand den ATM, den mir unser Hausherr beschrieben hatte und versuchte, wie immer, per Kreditkarte Geld zu ziehen. Meine Karte kam zurück, doch es kam kein Geld. Dafür erhielt ich aber wie immer per SMS die Benachrichtigung unserer Bank, dass gerade ein Betrag von 1.000.000 Rupien (ca. 63 €) angefragt wurde in Indonesien. Jetzt musste ich davon ausgehen, dass unsere Bank uns in den nächsten Tagen den entsprechenden Betrag vom Konto abbuchen würde. Das war jetzt dumm gelaufen.

Ich fragte mich durch bis zur Bank, dessen ATM mich jetzt hatte sitzen lassen. Hier versuchte ich nun, mir mit der Unterstützung eines Dolmetschers ein Schreiben der Bank zu organisieren, aus dem hervorging, dass es am ATM nicht zu einer Auszahlung kam. Nach 2 Stunden hatte ich eine brauchbare schriftliche Erklärung und zog wieder ab. Jetzt hatten alle anderen Banken schon zu und ein weiterer Versuch bei einer anderen Bank war mir zu heikel. Vielleicht sind ausländische Kreditkarten ja generell nicht zugelassen, wer weiß.

Ich zog es vor, diesmal aus unserer Dollar-Reserve einen kleinen Betrag umzutauschen in einem Exchange-Büro. So hatten wir wenigstens schon einmal Bargeld.

Dann SIM-Karte kaufen. Auch das ging nicht so einfach, weil die Angestellten für ihre eigenen Produkte keine Tarife nennen konnten für SMS und Telefonie. Sehr merkwürdig.
Wellcome to Indonesia!

Derweil gab unser Gastgeber Englisch-Unterricht im Schulungsraum seines Hauses und Annett durfte dort die vielen Fragen der Schüler beantworten. Dabei lernte sie im Gegenzug auch einige indonesischen Wörter.

Donnerstag, 03.08.17

Auch heute Morgen durften wir noch einmal in einer anderen Englisch-Klasse Fragen beantworten. Dann verabschiedeten wir uns und fuhren aus der Stadt. Vor uns lagen mehrere hundert km Straße durch hügeliges Land mit Palmen-Dschungel. Wir versuchten zu trampen, doch das verlief stundenlang ohne Erfolg. Also radelten wir die ersten 20 – 30 km in Indonesien und durften bestätigen, was andere Reiseradler im Internet berichten: der Verkehr ist gefährlich.

Die Straßen sind oft zu eng für den Schwerlastverkehr. Die Straße von Dumai Richtung Pekanbaru bestand oftmals aus Betonplatten. Und der Asphalt war stellenweise brüchig und sehr buckelig.

Während dieser Strecke durften wir aber direkt die Aufgeschlossenheit und Freundlichkeit der Einheimischen erfahren: alle grüßten uns „Hello Mister“ (Annett galt hier ebenfalls als „Mister“). Das erinnerte uns an den Iran.

Nachmittags klappte es dann doch noch mit dem Trampen. Ein Klein-LKW mit offener Pritsche hielt und nahm uns mit bis nach Pekanbaru. Das waren ca. 200 km Strecke. Da waren wir erleichtert, denn vor allem die Strecke zwischen Duri und Pekanbaru ist sehr hügelig und weist Anstiege im Bereich von 20% auf. Da hätten wir Tage gebraucht mit den Rädern.

Und die Straße ist sehr gefährlich. Nicht nur für Radler: denn ein missglücktes Überholmanöver von der Gegenseite zwang unseren Fahrer bei voller Fahrt in den Graben neben der Straße. Mich schleuderte es dabei mit voller Wucht gegen die Gitterwände auf der Pritsche (ich saß mal wieder zwischen unseren Fahrrädern auf der Ladefläche). Und ich war froh, dass meine Brille dabei nicht zerschlagen wurde.

Kurz vor unserem Ziel begann es zu regnen. Und dummerweise war die Packtasche mit meiner Regenjacke unerreichbar hinter den Fahrrädern deponiert. Doch zum Glück hatte ich einen Schirm, den mir der Fahrer zu Beginn der Fahrt als Schutz gegen die Sonne in die Hand gedrückt hatte. Jetzt war es mein Glück, sonst wäre ich richtig nass geworden und hätte mir durch den kalten Fahrtwind bestimmt noch eine neue Erkältung eingefangen.

Als wir Pekanbaru erreicht hatten, war es schon dunkel. Jetzt mussten wir uns noch einen Platz für die Nacht suchen. Unsere Suche nach WiFi verlief sehr ernüchternd: drei Hotels fuhren wir an, doch alle hatten geschlossen. Warum auch immer. In einem öffentlichen Amt boten sie uns zwar WiFi an, doch das Internet funktionierte gerade nicht. Also sahen wir von einer kurzfristigen Suche über Warmshowers oder Couchsurfing ab und fuhren zu den Tempeln. Die hatte ich auf unserer digitalen Karte in weiser Voraussicht schon vor einigen Tagen in den Städten Sumatras markiert, um sie leichter finden zu können.

Den ersten Tempel gab es gar nicht mehr. Auf dem Weg zum nächsten Tempel fragten wir in einem Bürogebäude der Provinzialregierung, weil dort gerade zwei Personen zugegen waren. Schaden kann es nicht, dachte ich. Und tatsächlich boten sie uns spontan den Gebetsraum zum Übernachten an. Da hatten wir noch mal Glück gehabt. Die weitere Suche hätte auch wieder zu einer Odyssee ausarten können.

Freitag, 04.08.17

5 Uhr aufstehen, 6 Uhr fertig gepackt, so hatten wir es gestern versprochen. Und tatsächlich klappte alles. Wir waren pünktlich mit dem ersten Tageslicht fertig. Um 7 Uhr sollte hier vor dem Verwaltungsgebäude eine Großveranstaltung stattfinden. Ganz schön mutig von unseren Gastgebern, zwei wildfremde Touristen in den Stunden vor einer offiziellen Großveranstaltung in den Räumlichkeiten nächtigen zu lassen, dachten wir bei uns.

Wir verließen die Stadt und versuchten wieder zu trampen. Unser Ziel für heute war Bukittinggi und vor uns lagen somit 214 km Strecke über einen breiten Bergriegel mit steilen Anstiegen und vielen Kurven. Landschaftlich schon ein Highlight, sogar eine richtige Schlucht durchfährt man auf diesem Weg.

Tatsächlich klappte das Trampen heute hervorragend. Wir kamen in 2 Etappen ans Ziel. Diese Berge hätten uns auch wieder locker eine Woche Zeit gekostet. Und vor Bukittinggi überquerten wir den Äquator. Der Ort war relativ unscheinbar gestaltet. Wir hätten ihn fast übersehen. Und dabei gibt es weltweit nicht besonders viele Straßen, auf denen man den Äquator überqueren kann.

Im Einzugsgebiet von Bukittinggi bekommt man sehr viele historische Hauser mit markanten, hochgezogenen Dachenden zu sehen: die Rumah Gadang (große Häuser) der Ethnie Minangkabau.

Unsere Besichtigungstour im Ort viel dann allerdings etwas kurz aus, weil es seit nachmittags regnete. Dabei war es auch ungemütlich kalt, denn wir waren schließlich auf über 900 m Höhe.

Auf der Suche nach einem Platz für die Nacht organisierte uns das Personal in einem Verwaltungsgebäude der Stadt über einen Freund ein privates Zimmer in einem ziemlich herunter gekommenem Haus. Doch wir hatten einen trockenen Raum.

Samstag, 05.08.17

Nach einer kurzen Nacht in dieser sehr grenzwertigen Behausung setzten wir unsere Besichtigungstour fort. Einen netten Canyon gibt es unter Anderem im Südwesten der Stadt zu sehen.

Palmkakadu auf Sumatra:    Clip

Danach verließen wir die Stadt. Nachdem wir vergeblich über eine Stunde lang versucht hatten, zu trampen, fuhren wir auf unseren Fahrrädern weiter. Ab der Stadtgrenze führte der Weg über 10 km kontinuierlich den Berg hinauf. Sehr mühsam bei der Hitze.

Doch dann kam das Highlight des Tages: über 30 km Abfahrt. Es ging hinunter von 1000 m Höhe auf Meeresniveau. Viel bremsen musste man nicht, denn meist ging es mit nur leichtem Gefälle bergab. Das war sehr angenehm und bewog uns dazu, den Rest des Tages aufs Trampen zu verzichten.

Doch da ahnten wir noch nicht, dass uns unser Warmshowers-Kontakt in der Stadt Padang nach der Begrüßung am Treffpunkt noch ganze 25 km durch die Stadt schicken würde bis zu unserer Unterkunft. So kamen wir am heutigen Tag auf insgesamt 105 km gefahrene Strecke.

Seltener KomfortDementsprechend geschafft waren wir dann auch, als wir um 20:30 endlich unserer Bleibe erreichten. Die Sonne und die Strecke hatten uns ganz schön zugesetzt. Und wir waren froh, ein Zimmer zu haben, denn ab 22 Uhr regnete es stundenlang.

Unsere tiefe Entspannung nahm jedoch nach kurzer Zeit ein abruptes Ende, als wir bemerkten, dass es an einer Stelle in unserem Schlafzimmer durch die Decke regnete. Und zufällig stand unser Netbook genau unter dem Wasserstrahl. Ich versuchte sofort, das Schlimmste zu verhindern und legte das Gerät wieder trocken. Glück gehabt. Alles funktionierte noch einwandfrei.

Sonntag, 06.08.17

Es hatte fast die ganze Nacht durchgeregnet. Und auch der Morgen war begleitet von Dauerregen und vollständig bedecktem Himmel. Das war völlig ungewohnt für uns in dieser Region Asiens. Normalerweise gab es 1 – 2 Stunden Starkregen am Abend und dann war wieder Ruhe.

So waren wir erst um 10 Uhr startklar, denn der Regen motivierte uns nicht gerade zum frühzeitigen Aufbruch. Dafür war die Luft heute angenehm kühl. Zumindest bis um 12 Uhr.

Auf unserem Weg aus der Stadt Padang entdeckten wir noch einen kleinen unscheinbaren Markt in den engen Gassen. Doch aus dem „mal eben schauen, was es dort so gibt“ entwickelte sich dann doch ein einstündiges Programm. Tatsächlich war der Markt nämlich alles andere als „klein“.

Küstenstraße auf SumatraAb jetzt führte unsere Straße durch urwüchsige tropische Botanik und mehr oder weniger nah am Meeresufer entlang. Das versprach ebene Strecken mit nur wenigen Höhenmetern. Dachten wir. Doch immer wieder führte die Straße hoch in das hügelige Küsten-Panorama. Und die Anstiege dort waren kernig und das bremste uns dann doch sehr. So bauten wir heute wieder 2 Tramp-Aktionen mit ein und schafften es so bis Painan.

Küstenstraße auf Sumatra:    Clip1    Clip2

Einen Platz für die Nacht fanden wir hier bei der Polizei. Wir wurden allerdings erst über mehrere Personen weitergereicht, bis sich jemand fand, der Englisch sprach. Dann wollten sie noch Fotos mit uns machen. Irgendwann zeigten sie uns dann einen ruhigen Schlafplatz im Nachbargebäude. Gut gelaufen heute, dachten wir.

Montag, 07.08.17

Nach einem Frühstück aus der Polizei-Kantine und vielen Fotos mit den Polizeibeamten fuhren wir weiter. Das Trampen verlief nicht erfolgreich, also fuhren wir nach einer Stunde per Fahrrad weiter.

Nach dem ersten Hügel und einer schweißtreibenden Schiebeaktion hielt dann doch ein Klein-LKW und nahm uns bis Air Haji ca. 100 km mit. Wir hatten heute Wolken-freien Himmel und die Sonne war sehr heiß. Und die Straße führte in ständigem Wechsel steil auf und ab. Auf der 2. Hälfte wurde aus der Straße dann eine sehr miese Piste mit Schlaglöchern, Schotterfeldern und Kratern. Da war stellenweise nur Schritttempo möglich.

Schotterpiste auf Sumatra:    Clip1    Clip2

Holzbrücke auf Sumatra:    Clip

Über 3 Stunden hockten wir so auf der LKW-Pritsche und wurden ordentlich durchgeschüttelt. Dabei holte ich mir dank der kurzen Hose und meiner Leichtsinnigkeit einen mächtigen Sonnenbrand auf Knien, Armen und der Nase.

In Air Haji nachten wir Mittagspause, dann ging es per Fahrrad weiter. Und dann passierte es: der erste Unfall:

Ein LKW überholte mich und schnitt mich beim Wiedereinscheren. Ich versuchte zu bremsen und wollte in den Seitengraben flüchten, doch da riss mir das Heck des LKWs den Lenker auch schon aus der Hand und ich stürzte.

Durch die große Wucht sprangen 3 Packtaschen aus den Halterungen. Ich selber kam mit einem Schrecken davon, hatte glücklicherweise keine Verletzungen.

Wir beschlossen, wieder zu trampen. Ein LKW hielt und 3 Jungs nahmen uns mit, Während der Fahrt hatten wir eine nette Unterhaltung mit Edo, der neben uns auf der Pritsche saß. Wir fragten ihn, ob er eine Idee hätte, wo wir einen Schlafplatz finden könnten. Daraufhin lud er uns ein, in einem seiner Büros zu schlafen. So fuhren wir insgesamt 30 km bis zu seinem Büro in Lunang.

Dort angekommen, lud uns der Chef von Edo dann in sein Haus direkt neben Edo´s Büro ein. So schliefen wir auf einer richtigen Matratze und konnten Wäsche waschen. Nur die Toilette war wie so oft grenzwertig: man betrat sie barfuß, rutschte über glitschigen Boden und hatte vor dem Bad nur eine alte Jeans als Abtreter.

Dienstag, 08.08.17

Der Himmel war heute bedeckt, das war sehr angenehm für meinen Sonnenbrand auf den Knien und den Armen. Die Straße war allerdings weiterhin sehr mühsam: es ging steil rauf und runter mit vielen Kurven. Landschaftlich alles sehr malerisch hier, aber zum Radeln mit Gepäck sehr anstrengend. Bis die Straße für 20 km direkt an der Küste entlang lief. Da gab es dann ausnahmsweise mal keine Höhenmeter.

Aber die Ruhe für eine Badepause hatten wir noch nicht. Zurzeit war unsere Sorge einfach noch zu groß, dass wir es in der verbleibenden Zeit nicht bis Bali schaffen würden. Schließlich hatten wir insgesamt ca. 3300 km Strecke in den 28 Tagen vom 02.08. bis zum 29.08. zu absolvieren.

Als es wieder in die Hügellandschaft hochging, trampten wir. Ein LKW hielt, nahm uns auf der Pritsche mit und kündigte 20 km an. Doch tatsächlich waren es mindestens 30 km. Uns war das recht, denn es ging wieder steil rauf und runter und die Straßendecke wies immer wieder Schotter-Passagen und ruppige Übergänge auf.

In der Regel verlaufen unserer Mitfahrten auf Pickups und LKWs sehr unspektakulär ab. Doch das sollte heute anders werden:

Ganz unerwartet rutschte unser Fahrer plötzlich von der Asphaltbahn in den Straßengraben ab, schleuderte mehrmals hin und her, rutschte wieder hoch auf die Fahrbahn und bekam sein Fahrzeug nach ca. 20 Metern erst wieder unter Kontrolle. Bis dahin schleuderte es unsere Fahrräder auf der Ladefläche so heftig durcheinander, dass ich meine liebe Mühe hatte, sicherzustellen, dass nichts über die Reling ging.

Als das Fahrzeug sich wieder kontrolliert bewegte, dauerte es noch eine ganze Weile, bis wir realisiert hatten, was hier gerade abgelaufen war. Und uns schoss durch den Kopf, wie böse das hätte enden können. Bei einem Überschlag wäre von uns schließlich nicht mehr viel übrig. Wir waren nicht angeschnallt und sowohl die Fahrräder als auch die Packtaschen waren nicht mit Spanngurten gesichert.

Trotz kontrollierter Fahrweise folgten kurze Zeit später weitere Erlebnisse: bei jedem Wechsel von Asphalt zu Schotter gab es eine regelrechte Stufe zu überspringen. Wir hoben bei jedem Sprung ab und hingen für einen kurzen Augenblick in der Luft. Die Landung war dann immer sehr schmerzhaft.

Schotterpiste auf SumatraAuf einem steilen Straßenabschnitt rutschte unser Fahrer dann in dem losen Schotter seitlich aus der Fahrrille und fuhr sich fest. Der Motor ging aus, er rutschte nach hinten und grub sich beim Bremsen tief in den losen Schotter. Wir dachten schon, jetzt hilft nur noch eine Aktion mit Holzbrettern oder Sandblechen, um den Wagen wieder flott zu bekommen, doch der Fahrer schaffte es aus eigener Kraft im 2. Versuch ohne diesen Aufwand. Wieder Glück gehabt. Denn hier gab es weit und breit keine Zivilisation und natürlich auch keine Sandbleche.

Ab da verlief die Fahrt relativ normal und wir hatten genug Zeit und Muße, die starke, dunkle Wolkenbildung am Himmel zu verfolgen, versprach sie uns doch Regen für die nächsten Stunden. Wir hofften natürlich, dass wir noch trocken vom LKW kommen und einen Schlafplatz finden würden, bevor es richtig losregnen sollte. Doch diese Hoffnung zerschlug sich sehr schnell.

Es begann zu regnen. An unsere Regenkleidung kamen wir natürlich wieder nicht heran. Die lag in den Packtaschen hinter den Rädern. Nur gut, dass es nicht dieser übliche Starkregen war, da wären wir in kürzester Zeit bis auf die Knochen durchnässt gewesen.

Kurze Zeit später hielt unser Fahrer an einer Weggabelung vor Ipuh und signalisierte uns, er müsse jetzt hier abfahren. Weit und breit keine Häuser und auch keine Perspektive für einen Schlafplatz. Ich fragte den Fahrer, ob er eine Idee hätte und daraus entwickelte sich nach mehreren Telefonaten ein Schlafplatz in einer Polizei-Baracke im Nationalpark, 2 km weiter.

Unser Fahrer führte uns noch zu dem Gebäude, weil wir es sonst mit Sicherheit nicht gefunden hätten. Denn abseits der Straße führte ein schmaler Schotterweg tief in den Wald. Stellenweise mussten wir da schieben, anders kamen wir nicht weiter mit unseren Fahrrädern. Und wir zweifelten schon an einem erfolgreichen Ausgang dieser Aktion, denn wir konnten uns nicht vorstellen, dass die Polizei hier mitten im Wald Gebäude unterhielt.

Doch dann erreichten wir eine Baracke der Nationalpark-Ranger. Unserer Fahrer schaltete das Licht an und wir schoben unsere Fahrräder aus dem Regen auf die schmale Terrasse. Dann wollte er uns noch den Kocher in der provisorischen Küche erklären. Doch das ging vollständig in die In der Polizei-BarackeHose. Der Druckminderer auf der Gaskartusche ließ sich nicht fixieren, stattdessen strömte ungebremst Gas aus. Wir signalisierten sofort, dass wir auch ohne Gaskocher zurecht kämen. Dann zeigte er uns die Waschräume. Fließendes Wasser gab es nicht. Statt dessen einen Bottich mit altem Brackwasser. Ich dachte schon an das Auffangen des Regenwassers vom Dach der Baracke über unsere Waschschüssel.

Doch die Polizeibeamten, die um 20 Uhr bei uns nach dem Rechten sehen sollten, setzten sofort eine Wasserpumpe in Betrieb und nach 10 min kam Wasser aus der Leitung. Dann tranken wir noch eine Runde Guinness, die uns die Polizisten mitgebracht hatten und um 22 Uhr wünschten sie uns eine gute Nacht und verschwanden. Nette Begegnung.

Mittwoch, 09.08.17

Es hatte den ganzen Abend und die halbe Nacht durchgeregnet. Dementsprechend weich war der Lehmboden vor unserer Hütte. Das sorgte mal wieder für Schlamm-verklebte Laufräder an unseren Fahrrädern, als wir von der Terrasse fuhren.

Die Polizisten luden uns noch zum Frühstück ein und zeigten uns das Krokodil, das sie hinter den Baracken gefangen hielten. Sie hatten es wohl eingefangen, nachdem es Menschen getötet hatte hier im Nationalpark. Gefährliches Gebiet. Gut, dass wir uns gestern nicht einen Zeltplatz gesucht haben in dieser Gegend.

Wir verabschiedeten uns und schoben unsere Räder über den groben Schotterweg zurück zur Straße. Dabei achteten wir sehr sorgfältig darauf, dass wir nicht im weichen, klebrigen Schlamm einsanken. Denn das hätte wieder zu verklebten Bremsen und Schutzblechen geführt und hätte uns viel Arbeit gekostet (hatten wir ja schon zweimal bisher auf unserem Trip).

Auf der Straße zurück, gab es sofort einen kernigen Anstieg, der uns schon den ersten Schweiß aus den Poren trieb. Oben angekommen, grüßte uns eine Verkäuferin aus ihrem Laden und lud uns sofort zu einem Glas Wasser ein. Daraus wurde dann eine einstündige Pause mit Kuchen, Plauderei und einer Portion hausgemachtem Lontong, dem Nationalgericht hier auf Sumatra.

Als wir dann endlich aufbrechen wollten, hielt der LKW von gestern vor dem Laden und unser gestriger Fahrer stieg aus. Die Ladenbesitzerin war zufällig seine Schwester und er wollte nur deren Tochter abholen und nach Bengkulu fahren.

Und weil der Fahrer noch von gestern wusste, dass wir auch auf dem Weg nach Bengkulu waren, bot er uns erneut die Mitnahme auf seinem LKW an. Was für ein glücklicher Zufall. Wir waren begeistert und sagten sofort zu, denn das ersparte uns 200 km übelste Berg- und Tal-Fahrt durch einsamen Dschungel.

200 km Strecke; das hört sich nach ca. 2 Stunden Fahrt an. Doch das läuft hier in Indonesien ganz anders. Es gibt keine Autobahn und auch keine gute Straße. Der Weg schlängelt sich in ständigem Auf und Ab und ununterbrochener Kurvenfahrt durch den hügeligen Dschungel. Man benötigt für 200 km Strecke somit 6! Stunden Fahrzeit. Es gibt nur ganz selten einmal 500 m gerade, ebene Strecke am Stück und alle 2 min hängt man im Stau hinter einem der voll beladenen Schwerlaster, die an den steilen Anstiegen nur noch im Schneckentempo vorwärts kommen.

Dabei wird man regelmäßig von den Dieselruß-Wolken der kämpfenden LKWs eingenebelt, weil man ja auf einer offenen Ladefläche sitzt. Zurzeit ist somit täglich große Wäsche bei uns fällig, denn unsere Kleidung wird beim Trampen immer mächtig eingerußt. Und das Waschwasser ist danach immer schwarz!

Um 18 Uhr, kurz vor Einbruch der Dunkelheit und vor dem ersten Regenschauer erreichten wir Bengkulu. Unser Fahrer fuhr direkt zum Forest Office der Polizei und organisierte dort für uns einen Übernachtungsplatz. War gar kein Problem. Wir waren herzlich willkommen. Es gab sogar WiFi.

Donnerstag, 10.08.17

Die Beamten luden uns noch auf Lontong ein. Dann verabschiedeten wir uns und fuhren weiter. Trampen klappte heute erst nach einer Stunde. Wenn uns der Fahrer auch nur 10 km mitnehmen konnte, aber für uns zählte jeder km.

Allerdings geriet unser Fahrer schon nach zwei min in eine Polizeikontrolle. Motor aus, Papiere zeigen, irgendein Formular ausfüllen und viele Fragen beantworten. Wir wussten nicht, worum es ging, aber es dauerte uns auf jeden Fall viel zu lange. Schließlich kauerten wir auf der offenen Pritsche des LKW und schmorten in der Sonne vor uns hin.

Nach einer halben Stunde ließ die Polizei unseren Fahrer dann wieder gehen und unsere Fahrt ging weiter. Letztendlich lohnte sich die Fahrt für uns doch noch, denn tatsächlich fuhr er uns 20 km weit.

Nach einigen km per Fahrrad klappte es erneut, einen Wagen anzuhalten. Diesmal standen 40 km auf dem Plan und wir saßen dabei wieder wie üblich auf der offenen Pritsche zwischen unserem Gepäck. Und dieses Mal wurde die Fahrt ungewöhnlich anstrengend, weil der Straßenbelag eher einem Trümmerfeld glich und wir dementsprechend häufig in die Luft geschleudert wurden.

Zwischenzeitlich fuhren wir auch noch durch zwei Regenschauer, denen wir fast schutzlos ausgeliefert waren. Aber es ist stets ein warmer Regen hier in Äquator-Nähe. Also halb so schlimm.

Am späten Nachmittag klappte es ein drittes Mal mit einer Mitfahr-Gelegenheit. Doch unser Plan, noch vor dem großen Regen in Manna einen Schlafplatz zu finden, ging nicht auf. Wir fuhren in Manna direkt zur Polizei, doch die dortigen Beamten taten sich äußerst schwer, uns zu verstehen und uns einen Platz für die Nacht anzubieten. Sie holten zwei Dolmetscherinnen hinzu, es gab einige Telefonate, viele interne Diskussionen, unsere Pässe wurden x-mal abgelichtet und letztendlich gab es nach 2 Stunden doch keinen Schlafplatz bei der Polizei. Unterdessen hatte es sich eingeregnet. Starkregen aus vollen Eimern.

Spontan lud uns eine der beiden Dolmetscherinnen kurzerhand zu sich nach Hause ein. Das ersparte uns zunächst einmal eine weitere Suche in Dunkelheit und bei Starkregen. Wir mussten dafür nur ca. 400 m weiter zu ihrem Haus fahren. Wir dachten, das kurze Stück schaffen wir ohne Regenkleidung. Doch wir wurden tatsächlich nass bis auf die Knochen, noch bevor wir das Haus erreichten.

Die Unterkunft war sehr basic, doch wir waren froh, doch noch ohne große Sucherei im Regen etwas gefunden zu haben. Da störte uns auch nicht mehr sonderlich, dass es kein fließendes Wasser gab, dass man auf dem Weg zum Waschraum in cm-tiefen Pfützen auf dem glitschigen Boden fast ausrutschte und dass im Becken mit dem Waschwasser ein Fisch schwamm.

Wir konnten in einem richtigen Bett schlafen, doch bei genauerer Betrachtung wären uns unsere Matten auf dem Fußboden lieber gewesen. Die Matratze war durchgelegen, sandig und ziemlich verkeimt. Und von der brüchigen Holzdecke fielen ab und zu Ameisen auf uns herab.

Freitag, 11.08.17

Die ganze Familie war sehr herzlich und lud uns noch zum Frühstück ein. Wir bedankten uns mit einem kleinen Geschenk und selbe Prozedur wie jeden Morgen: per Fahrrad an den Stadtrand, versuchen zu trampen, doch auch heute mit wenig Erfolg. Zweimal gelang es uns, eine Mitfahrgelegenheit zu finden. In Summe waren es gerade einmal 30 km, die uns erspart blieben. Den Rest, 50 km, fuhren wir per Fahrrad.

Hängebrücken auf Sumatra:    Clip

Und es war wieder ein harter Job: immer wieder Schotter-Passagen, Buckelpiste, steile Anstiege und eben solche Abfahrten, dazu diese unerbittliche Hitze und ein ungewöhnlich harter Gegenwind.

Wir erreichten Bintuhan am späten Nachmittag. Auf einem Schulgelände erlebten wir wohl die Generalprobe für eine Musikaufführung am bevorstehenden Unabhängigkeitstag. Wir blieben bis zum Ende der Probe und wurden dann von den Kindern umlagert, wie schon in den Schulen einiger anderer Reiseländer. Immer wieder faszinierend, mit welcher Begeisterung und Ausstrahlung einem die Kids begegnen.

Umzug zum Independence Day:    Clip

Generalprobe zum Independence Day:    Clip1    Clip2

in Bintuhan500 m weiter fand ein großes Fußballspiel statt. An der Menschenmenge im Publikum zu messen, muss die ganze Stadt auf den Beinen gewesen sein.

Für die Suche nach einem Übernachtungsplatz war es eigentlich noch zu früh. Aber vor uns lag Dschungel und laut unserer Karte weit und breit kein Dorf. Aber wir wagten es trotzdem, weiter zu fahren. Am Stadtrand hielten wir kurz an einer Tankstelle und füllten unsere Wasserflaschen auf. Da sprach uns Oki an und nach 10 min Unterhaltung über unsere Reise waren wir eingeladen auf eine Übernachtung im Haus ihrer Familie. Was für ein Glück.

Neben der Übernachtung wurde dieser Aufenthalt auch zu einem kulinarischen Erlebnis. Oki war eine meisterhafte Köchin. Zum Dinner gab es Satu, eine indonesische Delikatesse.

Samstag, 12.08.17

Gut, dass in der Nacht kein Regen mehr gefallen war. Da hätte es nämlich durch die Löcher im Wellblechdach über uns an vielen Stellen rein getröpfelt. Jetzt bei Tageslicht sah man die Löcher erst.

Nach einem traumhaften Frühstück verabschiedeten wir uns und fuhren weiter Richtung Krui. Dabei verlief das Trampen heute deutlich besser als gestern. Und es ersparte uns wieder extreme Anstiege, stellenweise mit Schotterbelag. Da kamen sogar die LKWs an ihre Grenzen.

Bis Krui hat man sehr oft den freien Blick auf das Meer und die Brandung. Traumhafte Strände, türkisblaues Wasser, malerische Klippen und feinster Sandstrand: traumhafte Bedingungen für einen ausgedehnten Badetag am Strand. Wenn wir nur mehr Zeit gehabt hätten bis zu unserem Flug am 29.08.. So verschoben wir die Badetage auf unsere Ankunft in Bali, wenn wir besser abschätzen können, ob uns noch Zeit zum Baden bleibt.

Maulwurfsgrille:    Clip

In Krui mussten wir uns entscheiden: entweder weiter an der Küste entlang zu fahren oder über das Barisan-Gebirge Richtung Inland. Wir entschieden uns für die Inland-Route in der Hoffnung, dort bessere Chancen zum Trampen zu haben.

Jedenfalls waren wir dankbar für die Mitfahrgelegenheit in einem LKW von Krui bis Liwa. Denn diese Strecke glich einer Passstraße. Es ging über 1500 m steil und kurvenreich hoch in die Berge. Je höher wir kamen, desto kühler wurde es natürlich. Ich saß wieder zwischen unseren Rädern auf der offenen Ladefläche und hatte natürlich meine Jacke wieder nicht griffbereit. Und dann fing es auch schon wieder an zu regnen.

Als ich die ersten Unterkühlungs-Symptome bemerkte, wickelte ich mich aus der Not heraus in unsere Iso-Folie, die wir normalerweise als Unterlage für die Schlafmatten verwenden, wenn wir stacheligen Untergrund vorfinden. So kauerte ich über eine Stunde lang bei Regen und Kälte zwischen dem Gepäck und versuchte, halbwegs entspannt zu sitzen. Was nicht einfach war, denn sehr oft musste unser Fahrer in die Eisen steigen, um die Krater in der Schotterpiste zu umschiffen. Dabei schleuderte es mich immer in alle möglichen Richtungen.

Annett wurde derweil im Fahrerhaus mit Zigarettenqualm zugenebelt. Denn der Fahrer und sein Kumpel rauchten sich während der Fahrt eine Zigarette nach der anderen. Natürlich immer abwechselnd.

Liwa liegt immer noch auf 900 m Höhe. Da war es nicht wirklich wärmer als in den Bergen. Aber der Regen hatte aufgehört. Somit konnten wir ab hier weiter aufs Fahrrad umsteigen. Allerdings klappte das ganze 30 min, dann kam der nächste Schauer herunter. Und diesmal war es ein ausgewachsener Starkregen, der uns zu einer Stunde Pause in einer Schreinerei entlang unserer Straße zwang.

Richtig weit kamen wir danach nicht mehr, denn die Dämmerung setzte ein. So suchten wir nach einem Schlafplatz. Wir fragten in einer Moschee und wurden von einem der jüngeren Muslime nach einer halben Stunde Palawer mit dem Imam ins Haus der Eltern eingeladen. In der Moschee gäbe es auch viel zu viel Publikum, meinte er. So verlebten wir einen sehr netten Abend im Kreis der Familie.

Sonntag, 13.08.17

Der Tag begann unglaublich:

Um 5 Uhr weckte uns der Sohn und lud uns zum Baden unten am Fluss ein. Und daraus wurde eine einstündige Wanderung in die Reisfelder direkt hinter den Häusern an der Straße. Ein Serpentinen-Weg führte den steilen Hang hinunter in einen Talkessel zu einem öffentlichen Waschhaus, wo das klare Bergwasser ohne Unterbrechung aus mehreren Rohren schoss. Genug Wasser zum Duschen und Wäsche waschen. Wir waren auch nicht die einzigen hier; das halbe Dorf traf sich hier wohl jeden Morgen.

Nach einem erfrischenden Bad stiegen wir inmitten der Reisfelder auf einen Hügel und genossen einen sagenhaften Sonnenaufgang mit Frühnebel. Der Aufstieg war dabei sehr abenteuerlich: man rutschte mit seinen Flip-Flops durch den aufgeweichten Lehmhang und suchte dabei Halt über die Pflanzen entlang der Wegschneise. Auf 2 Meter vorwärts kam ein Meter rückwärts. Ich sah mich beim Abstieg schon auf dem Hosenboden den Schlammhang hinunterrutschen, doch es ging nochmal gut.

Auf dem Rückweg machten wir einen Abstecher zu einigen historischen Gebäuden aus der Kolonialzeit. Die Niederländer hatten hier viele reich verzierte Holzbauten errichtet vor 100 Jahren.

Dann ging es zurück ins Haus, wo die Mutter schon mit einem deftigen Frühstück auf uns wartete. Was für ein Auftakt für einen Tag.

Pfeffer-Trocknung auf Sumatra:    Clip

Nach dem Abschied trampten wir so durch den lieben Tag. Dabei lief es zu anfangs recht gut. Ab Liwa gab es viel Verkehr auf der Straße. Dementsprechend wuchs die Chance auf eine Mitfahrgelegenheit.

So schafften wir es bis zum Mittag bis Sekincau. Auf dieser Strecke ging es einmal hoch bis auf 2000 m. Auf dem Fahrrad hätte uns diese Strecke einige Tage gekostet.

Militär-SchwertransportAb Sekincau lief es nicht mehr ganz so rund: zufällig überholte uns ein Militär-Schwertransport mit drei Panzern, während wir gerade unsere Fahrräder auf einen LKW luden. Und fortan standen wir im Rückstau hinter diesem Konvoi, der sich natürlich im Schneckentempo die vielen steilen Hügel emporkämpfte.

Doch unser Fahrer war fleißig und überholte pausenlos die anderen in der km-langen Schlange, bis er direkt hinter dem Konvoi war; bereit zum finalen Überholmanöver.

Tank leerUnd da ging der Motor aus. Der Tank war leer gefahren. Der Beifahrer sprang heraus und signalisierte, dass wir schieben müssten. Also sprangen wir von der Ladefläche und schoben den Wagen an die Seite, damit erst einmal alle, wie wir gerade überholt hatten, wieder an uns vorbei ziehen konnten.

Glücklicherweise gibt es in Indonesien jede Menge Kleinst-Tankstellen, wo man per Trichter und aus kleinen Flaschen Sprit kaufen kann. So brauchten wir bis zu einer dieser Tankstellen nur 50 m schieben. Ausnahmsweise gab es auf diesen 50 Metern auch keinen Anstieg.

Nach dem Tanken begann die Aufholjagd von neuem. Und tatsächlich erreichten wir den Konvoi erst wieder in Kotabumi. Und genau hier fuhr der gesamte Konvoi an einer großen Tankstelle von der Straße. Da hätte man sich den Kampf um jeden Meter Autoschlange sparen können. Ab jetzt hatten wir freie Fahrt. Allerdings nützte uns das nichts mehr, denn nach weiteren 500 Metern erreichte unser Fahrer sein Ziel, eine Baufirma.

Wir waren etwas frustriert, denn für diese letzten 30 km hatten wir ganze drei Stunden gebraucht. Aber es war immer noch einfacher und schneller als per Fahrrad.

Unsere nächste Stadt, Bandar Jaya, lag zwar nur 40 km entfernt, aber ein LKW-Fahrer sprach von 3 Stunden erforderlicher Fahrzeit. Da verschoben wir die Weiterfahrt auf morgen und suchten uns einen Schlafplatz. Dabei wurde Annett dann zufällig von einer Mutter angesprochen, die uns spontan zu sich nach Hause einlud. Was für ein Glück.

Zufällig hatte der Ehemann in den letzten Stunden mit einem Dampfstrahler die Steinböden im halben Haus gereinigt. Dementsprechend gab es so viele Mücken in unserem Zimmer, wie wir noch nicht erlebt hatten bisher. Da half auch die Klimaanlage und die Räucherspirale nicht mehr.

Montag, 14.08.17

Die Mücken hatten uns ordentlich zugesetzt in der Nacht. Und die Klimaanlage hatte immer wieder Aussetzer, sodass es nicht wirklich kühl wurde in der Nacht. Aber wir waren dankbar für den Schlafplatz und waren wieder in einer sehr herzlichen Familie gelandet.

Es gab Londong zum Frühstück und direkt danach eine Einladung zum Lunch. Das passte eigentlich nicht in unseren Zeitplan, aber sie haben die Einladung so oft und eindringlich wiederholt, dass wir kaum nein sagen konnten. Also blieben wir bis zum Mittag. Es gab Daging Sapi (Reis mit Gulasch). Superlecker. Zum Abschied steckten sie uns noch eine Wegzehrung mit ins Gepäck. Unglaublich, diese Gastfreundlichkeit.

Um 12 Uhr verabschiedeten wir uns und setzten unsere Mischung aus Radfahren und Trampen fort. Wenn es gut läuft, könnten wir heute über Bandar Jaya und Bandar Lampung bis zum Fährhafen nach Bakauheni fahren und wären bereit für die Überfahrt zu unserer nächsten Insel: Java.

Nach 10 km hielt ein LKW und nahm uns bis Bandar Jaya mit. Dort setzte uns der Fahrer an der Polizei-Station ab und bat die Beamten, für uns eine Weiterfahrt bis Bandar Lampung zu organisieren. Er selber musste hier abfahren. Also fischten 2 Beamten aus dem vorbeifahrenden Verkehr ein passendes Fahrzeug für uns heraus. In der Zwischenzeit wurden wir in der Polizei-Station mit Kaffee und Gebäck versorgt und durften die vielen Fragen der staunenden Polizisten beantworten. Reiseradler mit Gepäck sieht man hier sehr selten.

Die Polizei- Dein Freund und HelferNach 10 min war ein LKW für uns gefunden. Die Beamten halfen noch beim Verladen unserer Fahrräder und wünschten uns gute Weiterreise. Dann fuhr der LKW los. Nach den ersten 10 km ging bei voller Fahrt plötzlich der Motor aus. Der Tank war leer gefahren. Die gleiche Situation, wie schon gestern. „Wellcome to Indonesia!“ Vermutlich funktioniert die Tankanzeige bei diesen völlig abgenutzten Fahrzeugen nicht mehr richtig, dachten wir bei uns.

Tank leerLeider gab es hier an der Straße diesmal keine Mini-Tankstelle. Folglich machte sich der Fahrer jetzt selber per Trampen auf den Weg zur nächsten Tankstelle und kam von dort nach einer halben Stunde mit einem Kanister voll Benzin zurück. Dann dauerte es nochmals eine halbe Stunde, bis der Motor wieder lief und wir unsere Fahrt fortsetzen konnten. „Ok! Sorry Mister“ rief der Fahrer mir noch zu, dann fuhr er weiter.

In Bandar Lampung fuhren wir zum Busbahnhof. Von hier kann man die letzten 100 km bis zum Fährhafen Bakauheni per Bus fahren. Kostet 23.000 Rupien pro Person und pro Fahrrad. Doch die Tickets wollten wir erst kaufen, wenn wir sicher waren, dass sie unsere sperrigen Fahrräder samt Gepäck auch wirklöich in dm Bus unterbekommen. Und tatsächlich stellte sich heraus, dass unsere Fahrräder zu groß waren. Vielleicht passen sie ja in den Bus, der um 21 Uhr einträfe. Da zogen wir es vor, am Stadtrand wieder per Trampen unsere Fahrt fort zu setzten, denn auf Risiko bis in die Nacht auf dem Busbahnhof warten wollten wir nicht.

Leider klappte die Weiterfahrt aber nicht mehr so, wie gedacht. Wir kamen in die Dunkelheit. Und dann ist der Versuch, zu Trampen, reine Zeitverschwendung. Man wird nicht mehr wahrgenommen am Straßenrand und kann selber nicht mehr geeignete von ungeeigneten Fahrzeugen unterscheiden. Davon abgesehen ist es extrem gefährlich in diesem Verkehr, auch bei eingeschalteter Beleuchtung.

Also suchten wir uns bei der nächsten Polizeistation einen Schlafplatz und verschoben die Weiterfahrt auf morgen. Unterwegs verhalf uns ein Mopedfahrer noch zu einem Warmshowers-Kontakt hier in Lampung, doch von der Polizeistation noch einmal umziehen wollten wir dann doch nicht mehr. Hätte uns 10 km mehr Weg gekostet.

Dienstag, 15.08.17

Nach dem Abschied aus der Polizeistation trampten wir bis zu unserem Fährhafen in Bakauheni. Hierfür benötigten wir drei Fahrzeuge und durften selber trotzdem noch 25 km per Fahrrad fahren. Nachmittags erreichten wir dann die Fähre für die Überfahrt von Sumatra nach Java: 22.000 Rupien pro Person incl. Fahrrad.

Die Fähre war unerwartet lange unterwegs: fast 3 Stunden. Denn wegen Stau am Hafendock dümpelten wir im Hafen lange Zeit in der Warteschlange. 10 min nach unserer Ankunft wurde es auch schon wieder dunkel. Trampen Richtung Jakarta konnten wir bei Dunkelheit vergessen. Das verschoben wir auf morgen. Denn die Straßen hier auf Java sind sehr schmal, es gibt keinen Seitenstreifen. Zu gefährlich bei Nacht.

Wir fragten uns durch bis zur nächsten Polizeistation und durften bleiben. Der dortige Chef spendierte uns sogar noch spontan ein Dinner aus der Polizei-Kantine.

Mittwoch, 16.08.17

Auf meine Anfrage durften wir das WiFi der Polizei nutzen, um unser elektronisches Kartenmaterial zu ergänzen. Währenddessen kamen mindestens 7 weitere Polizeibeamte auf uns zu und befragten uns zu unserer Reise. Nach den obligatorischen Gruppenfotos und einer Einladung zu einem Imbiss verabschiedeten wir uns um 11 Uhr und machten uns auf den Weg nach Jakarta.

Auf der Straße war sehr viel Verkehr. Da dürfte das Trampen ja nicht so schwierig werden, dachten wir. Doch es war so mühsam wie selten zuvor. Keiner wollte anhalten. Wir versuchten es an der Autobahnauffahrt, an Ampel-Kreuzungen, an Tankstellen, bei voller Fahrt, an den Ortsausgängen, … es war frustrierend. Der einzige, der hielt, brachte uns gerade einmal 10 km weit. Dann musste er abfahren.

So radelten wir heute selber 50 km weit, obwohl uns klar war, dass wir Bali in diesem Tempo nicht pünktlich erreichen würden. Der Verkehr war dabei eine einzige Katastrophe. In jedem Dorf gab es mehrere km Stau und auch sonst war die Straße hoffnungslos überlastet. Für uns Radler war die gesamte Fahrt eine Belastung in jeder Hinsicht: Staub, Abgase, Lärm, fehlender Seitenabstand und Gegenwind.

Der Verkehr auf Java:    Clip1    Clip2

In der Dämmerung, wirklich 10 min vor der nächtlichen Finsternis, nahm uns dann doch noch ein LKW mit. Und dieser fuhr uns ca. 40 km weit, bis nach Tangerang. Damit war der Tag zumindest mental dann doch noch gerettet.

Glücklicher Weise befand sich in 200 m Entfernung von unserer Abladestelle wieder eine Polizeistation. Und diese erlaubte uns eine Übernachtung in der internen Moschee. Es dauerte allerdings fast 2 Stunden und benötigte mehrere Befragungen verschiedener Instanzen, bis wir dann endlich grünes Licht hatten.

Tatsächlich gefiel einem religiösen Hardliner dann aber doch nicht, dass Männlein und Weiblein nebeneinander in einer muslimischen Gebetsstätte schlafen. Er forderte mich auf, getrennt von Annett vor der Moschee zu schlafen.

Das wiederum war unseren ersten Gönnern sehr peinlich und so organisierten sie für uns alternativ einen klimatisierten Schulungsraum in einem der anderen Gebäude. Man merkte sehr wohl, dass sich hier nicht alle grün waren. Jedenfalls durften wir wieder packen, alles ans Fahrrad hängen und zu dem neuen Schlafplatz 100 m weiter fahren. Bis wir dann mit Essen, Waschen und dem Wäschewaschen fertig waren, hatten wir 1 Uhr nachts. Eine schwere Geburt heute.

Das passte nun nicht mehr so harmonisch mit der versprochenen Abfahrtszeit zusammen: um 5 Uhr sollten wir den Raum wieder verlassen haben, dann kommen die Offiziere und starten ihr Tagesprogramm.

Und ausgerechnet hier in der Polizeistation hatten wir WiFi und ich hätte die Nacht am liebsten durchgearbeitet: Mails beantworten, Fotos verarbeiten, die neuen Artikel für den Upload vorbereiten, usw. Doch mein Akku war leer und um 2:30 Uhr fielen mir die Augen zu.

Donnerstag, 17.08.17

Eine erholsame Nacht wurde es allerdings nicht. Denn die Mücken setzten uns wieder einmal arg zu. Sie waren sehr aggressiv und ließen sich nur selten fangen. So wachten wir um 5 Uhr mit zerstochenen Gesichtern auf.

Heute feiert Indonesien den Unabhängigkeitstag. Gefeiert wird zwar 2 Wochen lang, doch heute ist der eigentliche Gedenktag: die Befreiung aus der Kolonial-Herrschaft der Niederländer 1945. Abschied von der Polizei-StationUnd das wurde natürlich auch in der Polizeistation gefeiert. Ganze Hundertschaften traten an zum Appell, viel Uniform war zu sehen. Wir wurden zum Essen eingeladen und vor dem Abschied gab es ein sehr ausgedehntes Fotoshooting.

Für heute stand die indonesische Hauptstadt Jakarta auf dem Programm. Nicht im Hinblick auf Besichtigungen, sondern im Hinblick auf ein möglichst zügiges Durchqueren. Der Weg durch die Stadt ist für Radler eine Zwangspassage; der Autobahn-Ring ist für Radler verboten. Folglich ist die Stadt unumgänglich. Den alternativen Weg entlang der Südküste hatten wir wegen unserem engen Zeitfenster verworfen.

Also gaben wir Gas und versuchten aus der Fahrt heraus wieder zu Trampen. Doch das wollte gar nicht klappen. Es gab fast ausschließlich öffentliche Kleinbusse und Motorroller auf den Straßen. Nur selten überholte uns ein geeignetes Fahrzeug und die willigen Fahrer fuhren leider allesamt nach wenigen km ab.

Doch im Nachhinein verlief die Durchfahrt dann doch recht zügig, weil es ausschließlich durch ebenes Gelände ging und weil wir Rückenwind hatten. So schafften wir es mit 55 km Tagesstrecke bis kurz vor Karawang.

Unterwegs erlebten wir einige Veranstaltungen zum Unabhängigkeitstag: Kinderpartys mit Wettkämpfen, Umzüge mit Kostümen, Musik und Tanz, sowie das Panjat Pinang, wo aus luftiger Höhe Gegenstände von einem Areca-Nuss-Stamm erbeutet werden müssen. Der Stamm ist eingeölt und somit sehr schlüpfrig. Nur durch Teamgeist, Ausdauer, Kraft und Beharrlichkeit ist die Erbeutung der Gegenstände zu schaffen. Nach dem Spektakel sind alle Beteiligten durch Öl und Schlamm dann immer reif für eine gründliche Dusche.

Panjat Pinang in Indonesien:    Clip

Oftmals an diesem Tag wurden wir sehr intensiv in die Feierlichkeiten integriert, denn wir waren als Reiseradler für die Feiergemeinde genauso ungewöhnlich wie für uns deren Rituale und Bräuche zum heutigen Feiertag.

Kurz vor der Dunkelheit steuerten wir wieder eine Polizei-Station an der Straße an und fragten nach einem Übernachtungsplatz. Diesmal boten sie uns die Musholla und alternativ einen Bambus-Pavillon mit Strohdach an. Da nahmen wir natürlich den Pavillon, weil wir hier unser Mückennetz aufspannen konnten. Die Beamten zeigten uns noch Waschraum und Toiletten, dann ließen sie uns in Ruhe. Das war sehr angenehm nach der intensiven Betreuung in den Polizei-Stationen der letzten Tage. Und es wurde tatsächlich eine ungestörte Nacht ohne Mücken.

Freitag, 18.08.17

Um 7 Uhr füllte sich die Polizei-Station und einige Offiziere begrüßten uns. Dann folgte eine Einladung zum Frühstück, ein ausgedehntes Fotoshooting und vor dem Abschied noch eine weitere Mahlzeit im Kreis der Polizei-Mannschaft: es wurde Nasi Tumpeng gereicht und die Veranstaltung kam einer großen Feier gleich. Anlass war auch hier wieder der gestrige Unabhängigkeitstag.

Dann ging es auf die Straße zurück. Nur noch 7 Tage blieben uns, um die Fähre von Java nach Bali zu erreichen. Das drohte ganz schön knapp zu werden. Insbesondere der mäßige Erfolg bzgl. Trampen auf Java bereitete uns Sorgen. Vermutlich müssen wir in einigen Tagen per Zug oder öffentlichem Busverkehr weiterreisen.

Es wurde wieder sehr heiß heute und wir kämpften uns durch den ungewöhnlich hektischen, teilweise aggressiven Verkehr. Ich fuhr wie in den letzten Tagen die Hälfte der Zeit mit Blick nach hinten, um bei einem geeigneten Fahrzeug unsere Bitte um Mitnahme zu signalisieren. Doch da ging offensichtlich gar nichts. Es war frustrierend. Die wenigen, die tatsächlich anhielten, fuhren natürlich immer in den nächsten 3 km ab.

Heute hatten wir zudem auch wieder diesen zermürbenden Gegenwind. Da war absehbar, dass wir keine 40 km schaffen würden.

Um 15 Uhr trat dann doch völlig unerwartet der Erfolg ein: ein geschlossener Groß-LKW, bei dem ich mehr aus Spaß heraus die Hand gehoben hatte, hielt an und nahm uns mit. Zufällig fuhr er nicht nur bis Cirebon, unserem heutigen Wunsch-Ziel, sondern noch weiter bis Tegal. Damit würden wir heute 190 km mitgenommen. Und morgen würde er weiter fahren bis nach Semarang. Das waren nochmals 150 km in unsere Richtung. Wir waren begeistert und arrangierten sofort die Fortsetzung unserer Mitfahrt für den morgigen Tag.

Mitfahrt im LKW:    Clip

Der Fahrer ließ uns in Tegal direkt vor der Polizeistation aussteigen und wir verabredeten uns auf 7 Uhr morgen früh an der gleichen Stelle. Auf der Polizei-Station lief ebenfalls alles reibungslos: wir durften in der Musholla schlafen und wurden zum Dinner eingeladen.

Samstag, 19.08.17

Wir waren pünktlich um 7 Uhr an unserem Treffpunkt, doch unser Fahrer kam nicht. Wir warteten bis 9 Uhr, weil man in Indonesien immer mit Unpünktlichkeit rechnen muss. Doch dann gaben wir auf und fuhren per Rad weiter. Schade.

Trotzdem organisierten wir per Anhalter schnell ein anderes Fahrzeug. Und das fuhr uns die 150 km weit bis nach Semarang. Von hier ging es für uns Richtung Süden weiter. Denn wir wollten uns die Tempel-Ruinen rund um Yokyakarta ansehen, bevor es weiter Richtung Bali geht.

Kaffee trinken auf dem LKW:    Clip

Fährt man Richtung Süden aus Semarang, dann muss man einen langen Berghang hinauf. Sehr schweißtreibend bei Hitze und dem extremen Verkehr. Und noch schlimmer, wenn man auf der halben Strecke am Stau vorbei schieben muss. Das ständige Anfahren am Berg erzeugt noch viel mehr Abgase als sonst. Und die atmet man ja als Radler fleißig ein. Da nützt auch unsere Filtermaske aus Stoff nichts mehr.

Oben angekommen, versuchten wir direkt wieder zu trampen. Es dämmerte schon und im Feierabendverkehr wollte natürlich keiner gerne anhalten. Es klappte dann trotzdem, aber wir kamen diesmal nur einige km weiter. Stattdessen bot uns unser Fahrer eine Übernachtung in seinem Haus an. Das lag wohl auf der Strecke. Und morgen nach dem Frühstück würden wir dann weiterfahren bis nach Ambarawa.

Wir nahmen das Angebot an und dachten, das Haus läge direkt um die Ecke. Doch das lief ganz anders. Es begann ein Aufstieg in die Berge. Dabei führte die schmale Straße steil und mit vielen Kurven hoch bis auf 1100 Meter. Je höher wir kamen, desto kühler wurde es.

Und wir waren erstaunt über den dichten Verkehr und das lebhafte Treiben entlang dieser Straße bis hoch in den Berg. Offensichtlich sind die Berge auf Java ziemlich dicht besiedelt. Hier oben bleibt man von der tropischen Hitze halt verschont. Das steigert die Lebensqualität merklich.

Zum Abschluss des Tages gab es einen netten Abend im Kreis der Familie. Auch WiFi bekamen wir angeboten, doch praktisch funktionierte da nichts mehr, weil das Datenvolumen wohl aufgebraucht war.

Sonntag, 20.08.17

Noch 8 Tage verblieben uns für die weitere Fahrt über die Inseln Java und Bali. Das wird ganz schön knapp aus heutiger Sicht. Man benötigt immerhin einen halben Tag, um 200 km mit dem Auto zurückzulegen.

Wir zogen jetzt ernsthaft in Erwägung, die restliche Strecke auf der Insel Java per Zugfahrt zurückzulegen. Doch völlig unerwartet klappte es heute mit dem Trampen wie an der Schnur gezogen:

Trampen in IndodesienUnser Gastgeber brachte uns bis nach Ambarawa. Von dort nahm uns ein LKW bis Magelang mit. Der nächste Laster brachte uns bis nach Mendut, wo wir uns die Ruinen des buddhistischen Mahayana-Tempels Borobudur ansehen wollten. Somit hatten wir innerhalb von 2 Stunden auf drei verschiedenen LKWs in Summe ca. 70 km Berg- und Talfahrt zurückgelegt. Und wir hatten das volle Vertrauen ins Trampen zurückgewonnen. Es funktionierte also doch. Wenn auch in Kleinst-Etappen.

Einer unserer Fahrer fuhr unterwegs noch auf einen Abstecher mit uns zu seiner Familie, wo es dann eine Runde Kaffee, Gebäck und eine indonesische Nudelsuppe zur Stärkung gab. Natürlich auch die obligatorische Fotosession mit der Familie.

Auf eine Besichtigung von Borobudur verzichteten wir, nachdem wir erfahren hatten, dass sie von den Touristen umgerechnet 23 € Eintritt nehmen (Stand 2017). Im Vergleich zu den Eintrittsgeldern an Tempeln in Thailand, Laos und Kambodscha empfanden wir 23 € als überzogen teuer. Im Übrigen ist die beste Zeit zum Fotografieren sowieso der Sonnenaufgang. Und für dieses Zeitfenster liegt der Eintrittspreis bei 33 €. Das ist schon unverschämt.

Pferdekutschen für die Touristen:    Clip

Stattdessen besichtigten wir den Sejarah Candi Mendut, ebenfalls ein buddhistischer Mahayana-Tempel aus dem 9. Jh. 4 km und Mendut Buddhist Monastery östlich von Borobudur.

Auf der Rückfahrt zur Hauptstraße nach Yokyakarta entdeckten wir dann, angelockt durch laute indonesische Livemusik, völlig unerwartet ein indonesisches Fest zum Unabhängigkeitstag. Wir erlebten hier authentische wilde Tänze, Masken, Kostüme und indonesische Musik. Fernab von touristisch motivierter Inszenierung. So lieben wir es. Und so etwas entdeckt man nur, wenn man ein Land per Fahrrad bereist.

Tanz in Indonesien:    Clip1    Clip2

Montag, 21.08.17

Annett hatte sich wohl eine Erkältung zugezogen über die letzten Tage. In Verbindung mit den fortwährenden Schulterschmerzen und der intensiven Mücken-Belästigung an unserem Schlafplatz, der Musholla in einer Polizeistation in Yokyakarta, war das natürlich nicht sehr förderlich für einen erholsamen Schlaf. Da passte es ganz gut, dass für heute eine Besichtigungstour durch Yokyakarta auf dem Plan stand:

Die Masjid Gede Kauman: sie ist von außen eher schlicht gestaltet, doch ihre Trag-Konstruktion besteht aus uralten Teakholz-Stämmen. Das ist gewaltig. Die Moschee wurde 1772 erbaut.

Das Taman Sari Water Castle und die unterirdische Gumuling Well Moschee stehen sehr nah bei einander und sind umgeben von dichter Bebauung. Die gesamte Anlage gleicht einem Labyrinth. Da verliert man leicht den Überblick, wenn man die Anlage besichtigt. Und der Ticketkauf für die unterirdische Moschee befindet sich quasi am hinteren Ende der Anlage, warum auch immer. Unglücklicher hätte man den Ticketschalter nicht platzieren können.

Aber die Besichtigung lohnt sich auf jeden Fall. Interessante Punkte hierbei: das komplexe Treppenhaus im Zentrum der Moschee und die Tatsache, dass es eine unterirdische Verbindung zwischen der Moschee und dem Wasserschloss gab (die Eingänge sind heute zugemauert).

Man kann sich einen Guide mieten, der durch die Anlage führt. Bei uns war ein solcher Guide offensichtlich im Eintrittspreis inbegriffen. Und in der Moschee waren dessen Erläuterungen auch sehr nützlich.

Doch danach leitete er geschickt das Thema auf den exklusiven indonesischen Luwak Kaffee, dessen Fermentierung über den Verdauungstrakt der wenigen noch lebenden Zibetkatzen erfolgt. Er führt einen dann zu dem Kaffeeshop, wo, ähnlich einer Kaffeefahrt, für teures Geld eine Verköstigung mit diesem extrem teuren Kaffee stattfindet. Es werden jährlich lediglich 230 kg dieses Kaffees hergestellt und mit 300 € pro Pfund ist es der teuerste Kaffee der Welt.

Die Zibetkatze:    Clip

Wir verabschiedeten uns dann sehr schnell von unserem „Guide“ und nahmen die weitere Gestaltung des Tages wieder in unsere Hand.

Streetfood in Indonesien:    Clip

Dann besichtigten wir die vielen kleinen Tempelruinen aus dem Frühmittelalter im Osten von Yokyakarta: den hinduistischen Sambisari Temple, den Kalasan Temple, den buddhistischen Candi Banyunibo Temple und den buddhistischen Candi Sojiwan Temple. Die Anlagen sind alle sehr überschaubar und für kleine Eintrittspreise oder sogar umsonst zu besichtigen.

Den Hindu-Tempel Candi Ijo ließen wir bewusst aus, weil uns die Anfahrt zu anstrengend erschien: er befindet sich weit oben auf einem Berghügel. Und den großen Hindu-Tempel Prambanan ließen wir aus, weil uns der Eintrittspreis mit 20 € wieder einmal viel zu überzogen vorkam.

Viel zu schnell war der Tag dann auch schon wieder um und wir mussten uns einen Schlafplatz suchen. Bei der ersten Polizeistation blitzten wir heute ausnahmsweise einmal ab. Und auch in der zweiten Station wiesen uns die Beamten ab. Doch gerade, als wir weiterfahren wollten, traf der Polizeichef ein und fragte, ob er helfen könne. Und er bot uns dann doch sofort einen Raum für die Übernachtung an. Es hängt also manchmal an einzelnen Personen.

Dienstag, 22.08.17

Zum Abschluss unserer Stadtbesichtigung besuchten wir den Candi Plaosan Lor Temple unweit vom Prambanan Tempel. Dabei handelt es sich um eine relativ große Tempelanlage, die sowohl hinduistische als auch buddhistische Elemente aufweist. Die Anlage entstand im 9. Jh. und besteht im Wesentlichen aus 2 rekonstruierten Tempel-Gebäuden (Frauen und Männer beteten getrennt voneinander), einem weitläufigen Ring aus kleineren Gebäuden und einer gigantischen Menge einzelner Steine, die für eine anstehende Rekonstruktion der Außenanlage schon sauber sortiert wurde.

Prambanan ist zwar etwas größer als Candi Plaosan Lor, doch die Architektur der Tempel-Gebäude weist sehr große Ähnlichkeiten auf. Zurzeit (2017) ist eine Besichtigung von Candi Plaosan Lor noch kostenlos. Aber das wird sich bestimmt ändern, wenn die Anlage neu aufgebaut ist.

Nach der Besichtigung fuhren wir zur Bahnstation, um uns über eine Zugfahrt von hier an den Ostrand der Insel zu informieren. Mit umgerechnet 7 € pro Person für die ca. 500 km Strecke war die Fahrt deutlich preiswerter als eine Busfahrt. Wir könnten allerdings nur vom Bahnhof in Surakarta starten. Also trampten wir zügig die ca. 60 km bis Surakarta und wollten dort heute noch unsere Bahntickets kaufen.

Doch daraus wurde nichts, denn unsere Fahrräder waren wieder einmal das große Problem. Klappräder nehmen sie im Zug mit, doch unsere Fahrräder müssten wir in einer anderen Abteilung, der Expedition Section, aufgeben. Kein Mitarbeiter auf der Station sprach Englisch und keiner konnte uns sagen, ob unsere Fahrräder in demselben Zug oder einem anderen Zug getrennt von uns transportiert würden. Wir sollten erst unsere Tickets kaufen. Doch das wollten wir erst, wenn der Fahrrad- und Gepäck-Transport eindeutig geklärt ist. Nach einer Stunde erfolgloser Lauferei gaben wir das Vorhaben Zugfahrt dann wieder auf und setzten unsere Tramp-Tour fort.

Es war mittlerweile schon wieder 15 Uhr. Uns blieben also nur noch 3 Stunden bis zur Dunkelheit. Für ausgedehnte Tramp-Touren nicht wirklich viel Zeit. Also gaben wir Gas und radelten aus der Stadt. Denn erst ab der Stadtgrenze machte Trampen wirklich Sinn. Unterwegs kauften wir uns noch unser „Lunch to Go“ für unterwegs, denn wir hatten seit dem Frühstück noch nichts gegessen.

Ein erster LKW hielt nach nur wenigen Minuten, doch der Fahrer könnte uns nur bis Klaten mitnehmen. Das waren gerade einmal 20 km. Trotzdem fuhren wir mit ihm, denn für uns zählte jeder km. Tatsächlich fuhr er dann doch viel weiter als wir aus der ersten Unterhaltung interpretiert hatten (unsere Sprachkenntnisse in der Landessprache reichten bei Weitem nicht, um alles zu verstehen).

Letztendlich fuhr er uns dann satte 200 km weit, natürlich nicht nur über den großen Highway, sondern auch über abenteuerliche Nebenstrecken. Unsere Tour endete um 23 Uhr in einem kleinen Dorf und mit der Einladung zur Übernachtung im Haus unseres Fahrers. Morgen früh soll es dann weitergehen Richtung Mojokerto. Wir ließen unsere Fahrräder samt Gepäck auf dem LKW über Nacht in dem vollen Vertrauen, dass auf diesem Dorf nichts abhanden kommt.

Lichtermeer zum Independence Day:    Clip

Mittwoch, 23.08.17

Um 10 Uhr ging es weiter per LKW. Unser Fahrer brachte uns noch bis nach Mojokerto. Dann verabschiedeten wir uns.

In drei Schritten schafften wir es heute bis nach Kraksaan und absolvierten somit ca. 130 km Strecke. Zwischen den LKW-Fahrten radelten wir immer wieder einige km, bis sich der nächste LKW fand. Dabei war uns jeder km per Fahrrad zu viel, denn die Straße war meist viel zu schmal für den ganzen Schwerlastverkehr, hatte keinen Seitenstreifen, dafür aber viele Schlaglöcher und Bodenwellen. Es war sehr gefährlich.

Unser letzter Fahrer setzte uns direkt vor der Polizei-Station ab. Somit hatten wir auch ohne große Sucherei nach wenigen Minuten einen Schlafplatz.

Donnerstag, 24.08.17

Jetzt waren es nur noch 150 km bis zur Fähre nach Bali. Wir waren erleichtert, dass das Trampen in den letzten beiden Tagen doch noch relativ gut geklappt hatte. Und landschaftlich hatten wir nicht wirklich viel verpasst: hügelige Dschungellandschaft, Reisfelder und Dörfer an der Straße wechselten sich immer wieder ab. Spektakuläre Highlights lagen nicht auf dem Weg.

Und auch heute setzte sich diese Tramp-Erfolgsserie fort. Nach 10 km Radeln auf dieser mordsgefährlichen Straße hielt ein Pickup und der Fahrer nahm uns die gesamten 140 km bis zur Fähre nach Bali mit. Insbesondere die zweite Hälfte der Strecke war auch wieder sehr hügelig und führte dabei ausnahmsweise durch die schönste Landschaft. Vor allem der Blick auf den Vulkan Ijen im Süden der Straße beeindruckte uns sehr.

Gleichzeitig war unser Fahrer auch sehr forsch beim Überholen. Das verkürzte die sonst übliche Fahrzeit um geschätzte zwei Stunden. Und das freute uns natürlich. Wir waren lediglich in Sorge, dass unsere Fahrräder die heftigen Schläge ohne Schaden überstehen würden. Denn die Straße war nach wie vor extrem miserabel. Doch es blieb bei einigen Lackschäden an den Rädern.

So waren wir um 14 Uhr an der Fähre, kauften die Tickets (0,5 € pro Person mit Fahrrad) und hatten noch genug Reserve, um vor Einbruch der Dunkelheit die erste Stadt auf Bali anzusteuern. Das war für uns wichtig, denn im Dschungel zwischen den Ortschaften wollten wir natürlich nicht Zelten, wegen der Schlagen und der vielen Affen. Und tatsächlich tummelten sich hier schon sehr zahlreich die Affen entlang der Straße.

Überfahrt von Java nach Bali:    Clip

Trampen sollte hier auf Bali schwieriger werden. Und vor allem deutlich teurer: für 20 km Strecke wollten sie hier 100.000 Rupien haben (7 €, Stand 2017).

Auf Bali dominiert der Hinduismus. Das nimmt man auch schon sehr intensiv wahr, sobald man den Fährhafen verlässt. Ein übergroßer Murti der Hindu-Gottheit Shiva in einem Park an der Straße, weitere Hindu-Gottheiten an den Eingangspforten der Wohnhäuser und zahlreiche relativ große Haustempel auf den privaten Grundstücken entlang der Straße verleihen der Insel ihren ganz besonderen Flair. Man schätzt die Anzahl der Tempel auf Bali auf ca. 20.000. Sehr dominant treten bei den meisten Tempeln hohe schlanke Steinsäulen mit Reetdächern in Erscheinung. Es sind die Ahnenschreine.

In Melaya fuhren wir wieder die Polizei-Station an und fragten nach einem Schlafplatz. Es dauerte eine Weile, bis das Ok kam, doch dann boten sie uns schrittweise immer wieder neue Schlafplätze an, wobei sich der Komfort mit jedem Angebot steigerte. Letztendlich landeten wir in einem Zimmer im Nebengebäude.

Als wir dann fertig eingerichtet waren, kam die Nachschicht-Patrouille zu uns und forderte uns auf, das Polizeigelände zu verlassen. Wir versuchten, alles zu erklären, doch das beeindruckte den Chef der Mannschaft überhaupt nicht. Wir sollten packen und weiterfahren. Der Chef der Tagschicht hatte die Nachtschicht wohl nicht über unsere Anwesenheit informiert, so dachten wir uns.

Dann lud uns einer der Polizisten aus der ersten Schicht spontan auf eine Übernachtung zu sich nach Hause ein. Er wohnte zufällig direkt neben der Polizei-Station und hatte mitbekommen, dass wir gerade Unannehmlichkeiten hatten. Und es war ihm sichtlich peinlich, dass wir gerade Opfer einer Fehde zwischen dem Polizei-Chef und einem seiner Mitarbeiter (der Tagschicht) geworden waren. Das war wohl die tatsächliche Ursache für das Palawer.

Freitag, 25.08.17

Wir fuhren weiter auf der Straße Richtung Denpasar. Und entlang dieser Straße befindet sich nahezu auf jedem Grundstück ein großer Haustempel. Manchmal sind die heiligen Stätten derart groß, dass man sie leicht mit den öffentlichen Hindu-Tempeln verwechselt. Diese Tempeldichte ist unglaublich und ganz bestimmt eines der charakteristischen Merkmale dieser Insel.

Zu den großen, öffentlichen Tempelanlagen gehört auf jeden Fall der Hindu-Tempel „Stage Pura Jagatnatha“ in Negara. Er lag auf unserem Weg.

An vielen Tempeln findet man sehr aufwändig arrangierte Opfergaben, die von den Gläubigen zur Besänftigung der Götter abgelegt werden.

Auch die Vegetation ist hier auf Bali noch ein Stück exotischer als auf Sumatra und Java. Insbesondere der Champa-Tree ist hier in einer noch höheren Dichte vertreten, als wir es in Laos erlebt haben. Und es gibt Kokosnüsse ohne Ende auf der Insel. Jeder Garten ist mit viel Liebe gestaltet, doch auch das öffentliche Gelände wirkt sehr gepflegt. Bali ist etwas Besonderes, das ist nicht zu übersehen.

Nur das Trampen ist halt schwieriger. Und aus voller Fahrt mit Blick nach hinten nach geeigneten Fahrzeugen Ausschau zu halten, ist noch nirgendwo so gefährlich gewesen, wie hier auf Bali. So war ich dann auch erleichtert, dass am späten Nachmittag doch noch jemand anhielt und uns bis kurz vor Denpasar mitnahm. Per Fahrrad hätten uns die 50 km durch die vielen Höhenmeter wieder 2 volle Tage gekostet.

Und ein Schlafplatz bei der Polizei war diesmal auch schnell organisiert. Wir durften sogar WiFi nutzen und im Bürogebäude bis tief in die Nacht am eigenen Rechner arbeiten. Und das war bitter nötig, denn wir hatten noch keine Bleibe für die drei anstehenden Tage in Denpasar. Hier mussten wir doch den Flug nach Australien vorbereiten: die gesamte Ausrüstung samt der Fahrräder peinlichst reinigen (wegen der scharfen Quarantäne-Richtlinien für eine Einreise nach Australien), Kartons für die Räder besorgen und die Fahrräder zerlegen. Das alles ist nur machbar, wenn man eine feste Bleibe in der Stadt hat.

Der einzige gelistete Warmshowers-Kontakt hatte uns eine Absage geschickt (er wohnte gar nicht mehr auf Bali und hatte nur vergessen, seinen Account zu aktualisieren). Also setzten wir die Suche über Couchsurfing fort. Drei Kandidaten schrieben wir an. Da sollte sich mindestens einer melden bis morgen, so hofften wir.

Samstag, 26.08.17

Der Dienststellenleiter hieß uns noch herzlich willkommen und lud uns zum kleinen Frühstück ein. Und kurz vor dem Abschied erreichte uns dann eine erste Rückmeldung von einem der Couchsurfing-Kontakte. Wir erhielten eine Zusage und stimmten noch Treffpunkt und Zeit ab. Wir atmeten auf. Das war ja in letzter Minute noch einmal gut gelaufen.

Dann fuhren wir nach Denpasar und trafen uns mit unserem Couchsurfing-Kontakt. Und glücklicherweise könnten wir bis zum 29.08. bleiben. Es war zwar alles ein wenig eng in der Wohnung und auf dem Hof, aber das bekommen wir schon hin, dachten wir bei uns.

Streetfood in Denpasar:    Clip

Als erstes musste ich Kartons für die Fahrräder beschaffen. Und das musste heute Abend noch geschehen, weil viele Bike-Shops am morgigen Sonntag geschlossen haben. Unser Gastgeber half uns bei der telefonischen Suche nach passenden Kartons und fuhr mich per Motorroller zum Bike-Shop. Mit den beiden erworbenen Kartons unten den Armen fuhren wir dann wieder heim. Doch das sollte etwas abenteuerlich werden:

Je höher unsere Geschwindigkeit, desto mehr hoben die Kartons zu beiden Seiten ab wie Flügel im Wind. Daher versuchte ich, die Boxen zwischen dem Fußrücken und den Unterarmen einzuklemmen. Das klappte dann schon etwas besser.

die Fahrrad-KartonsAllerdings war auf einer Seite die Fußraste für den Beifahrer abgebrochen und so rutschte mein Fuß irgendwann ab. Der Karton hob im Fahrtwind ab, entriss sich meiner Hand und segelte in hohem Bogen zwischen dem Gegenverkehr quer über die Fahrbahn. 10 m weiter kamen wir zum Stehen. Ich scannte blitzschnell das gesamte Umfeld nach irgendwelchen Personen oder Objekten ab, die durch den Kartonflug in Mitleidenschaft gezogen sein könnten, doch das war wohl komplett ohne Kollisionen abgelaufen. Puh! Glück gehabt. Das hätte fies ins Auge gehen können. Es blieb bei diesem einen Zwischenfall. Ich hatte nach der Heimfahrt lediglich Schmerzen in den Füßen vom verkrampften Halten der Kartons.

Die Haus-eigene Waschmaschine durften wir benutzen. Das war ebenfalls seltenes Glück. Allerdings folgte der Euphorie schnell Ernüchterung. Denn wirklich einwandfrei funktionierte die Maschine nicht. Das erste Programm dauerte 2,5 Stunden und bei der 2. Wäsche lief zunächst kein Wasser ein. In der Hektik hatte ich versehentlich dann noch meine Windjacke gehimmelt. 40°C waren wohl doch zu heiß. Die Innenbeschichtung war geschmolzen und an den Ärmeln waren jetzt Löcher.

Sonntag, 27.08.17 – Montag, 28.08.17

Am Sonntag folgten wir der Einladung zu einer Übungsstunde traditioneller balinesischer Musik in Denpasar. Das Gamelan Sekaa Gong Waja Swara übte fleißig für einen Auftritt im Oktober. Dazu übten einige Tänzerinnen den Cilinaya Dance. Wir durften filmen und bekamen alle Instrumente erläutert. Sehr dominant klingen vor allem die Gangsa, große Metallophone mit schweren Bronze-Klangplatten und die Röhrentrommel Kendang. Nicht nur die Musik an sich war hierbei für uns ein besonderes Erlebnis, sondern auch diese leidenschaftliche Hingabe der Spieler.

Gamelan:    Clip1    Clip2    Clip3    Clip4    Clip5

Ansonsten kümmerten wir uns um die Vorbereitungen. Dabei hätten die äußeren Bedingungen nicht schlechter sein können:

die Wohnung im ersten Stock hatte lediglich eine Größe von 15 m² und der Boden im Innenhof bestand je zur Hälfte aus Grob-Kies und das brüchigem, sandigen Betonboden. Wir mussten den Zeltboden und das Tarp reinigen, hatten aber keine geeignete Unterlage und auch keine Leine zum Trocknen. Dagegen wehte ausgerechnet heute ein ungewöhnlich starker Wind, der ein Ausbreiten von Zelt oder Tarp dauerhaft unmöglich machte. Auch unsere Fahrradkartons riss der Sturm ständig um.

An Annetts Fahrrad waren noch einige Ersatzteile einzubauen, die wir ja schon seit Bangkok in unseren Packtaschen mitschleppten: ein neuer Mantel, sowie Kassette und Kette waren fällig. Ich fuhr für den Umbau in den Bike-Shop, in der Hoffnung auf gutes, hochwertiges Werkzeug in Fahrrad-Kartonderen Werkstatt. Doch das Werkzeug-Repertoire dort war eher enttäuschend. Da schraubte ich doch lieber mit meinem Werkzeug. Aber ich konnte in deren Werkstatt schrauben. Das war auf jeden Fall angenehmer als draußen bei dem starken Wind.

Das Packen der Fahrrad-Kartons war diesmal etwas aufwändiger, weil zunächst alles akribisch gereinigt werden musste. Die australischen Einreise-Vorschriften fordern es so. Und man muss bei der Deklaration auf der Einreisekarte höllisch aufpassen, dass man nichts vergisst. Denn das gibt mächtig Ärger.

Dienstag, 29.08.17

Unser letzter Tag in Indonesien. Heute sollte es um 7 Uhr per Flieger nach Perth, Australien gehen.

Um 3:30 Uhr klingelte der Wecker, 20 min später holte uns das bestellte Taxi ab. Wir hatten das Gewicht unserer Gepäckstücke zwar mit einer geliehenen Waage im Haus unseres Gastgebers gecheckt, doch wir trauten der Waage nicht. Demnach würden unsere Fahrräder 24 kg wiegen. Das wollten wir nicht glauben.

Flughafen DenpasarDie Waage am Flughafen zeigte dann wohl die Wahrheit an. Allerdings waren wir erstaunt: unsere Fahrräder samt dem Karton lagen leicht über 20 kg. Also hart an der Grenze dessen, was bei unserer Fluglinie als Sportgepäck maximal aufgegeben werden darf.

Beim übrigen Gepäck hatten wir noch Luft nach oben: statt der erlaubten 2 x 30 kg hatten wir gemeinsam unter 51 kg. Hier zahlte sich jetzt der Rückversand einiger Ausrüstungsgegenstände aus, den wir vor einigen Wochen von Malaysia aus organisiert hatten.

Ansonsten lief alles glatt: Check-In, Ausreise-Stempel, usw. Wir waren auf jeden Fall erleichtert, dass es diesmal keinen Gepäckaufschlag zu bezahlen gab (bei der Ausreise aus Indien vor 10 Monaten kostete uns das Übergepäck satte 500 US-$).

Um 7 Uhr hob der Flieger ab und wir waren auf dem Weg nach Australien. Damit endete unser Aufenthalt in Asien: 21 Monate waren wir auf diesem Kontinent unterwegs und hatten dabei 15 Länder bereist: Türkei, Georgien, Armenien, Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgistan, Indien, Nepal, Thailand, Laos, Kambodscha, Malaysia und Indonesien.
Weiter geht es später im Artikel  Australien 2017. (noch in Arbeit)

Resume Indonesien

Indonesien war eines unserer härtesten Reiseländer, schenkte uns aber auch unvergessliche Erlebnisse. In keinem Land standen wir so sehr unter Druck, eine Mammutstrecke von ca. 3300 km in weniger als vier Wochen zurücklegen zu müssen. Hinzu kamen die angeordnete Schonung von Annetts Schultergelenk, die ausgesprochen schlechte Straßenqualität, der extrem gefährliche Verkehr und die steilen Anstiege.

Die Straßen sind sehr schlecht und holprig. Stellenweise gibt es Schotter-Passagen, wenn der Asphalt verwittert und abgenutzt war, oder wenn alte Erdbebenschäden nur provisorisch ausgebessert worden waren.

Der Verkehr ist gefährlich. Extrem gefährlich. Seitenabstand beim Überholen kennt man hier nicht. Hupen bedeutet „Achtung, jetzt komme ich“. Und die Straßen sind oft zu eng für den Schwerlastverkehr. Zudem ist die Verkehrsdichte unglaublich hoch auf vielen Straßen. Ein nicht enden wollender Strom an Motorrollern rollt permanent über die engen Straßen. In vielen Dörfern erlebten wir Staus im Zentrum und an den größeren Kreuzungen. Vor allem auf Java.

Um wegen der gewaltigen Entfernungen und die steilen Anstiege nicht zu spät den Flughafen in Denpasar auf Bali zu erreichen, zogen wir es vor, zu trampen, wann immer es uns möglich war. Und das klappte im Großen und Ganzen problemlos. Es gibt sehr viele Klein-LKWs mit offener Pritsche. Die waren prädestiniert für die Mitnahme unserer Fahrräder. An manchen Tagen mussten wir jedoch über eine Stunde warten. Und nicht selten waren die Mitnahme-Strecken sehr kurz. Auf einigen von uns gewählten Straßen gab es halt nicht so viel Transit-Verkehr. Im Einzugsgebiet der Hauptstadt Jakarta auf der Insel Java hält gar keiner. Und auf Bali verlangen einige Fahrer Wucherpreise.

Generell ist das Fahrradfahren durch das bergige Gelände und die teilweise extrem steilen Anstiege sehr anstrengend und zeitraubend. Unsere Empfehlung: das Gepäck am Fahrrad so weit reduzieren, wie irgendwie möglich.

Auf Sumatra grüßen die Allermeisten auf der Straße: „Hello Mister“. Die Einwohner sind freundliche, aufgeschlossene Menschen. Selbst junge Mädels, in vielen islamischen Ländern sehr zurückhaltend, grüßten spontan, sobald sie uns erblickten. Manchmal kam es uns so vor, als würden die Anwohner schon seit Stunden am Straßenrand stehen und auf uns warten, um uns zuwinken zu können.

Es gibt nur kleinere Supermärkte. Doch neben der gut sortierten Straßenküche und den Straßen-Restaurants waren sie für uns eher uninteressant und auch viel zu teuer. Nasi Goreng, Nasi Padang, Daging Sapi, Nasi Tumpeng, Lontong, Pesang Goreng, Martabak und viele andere Köstlichkeiten ließen uns wieder einmal vergessen, dass wir einen Kocher im Gepäck hatten. Viel zu lecker.

Spiritus für den Trangia-Kocher gibt es in der Apotheke: Alcohol, 300 ml, 95%, zu 13.000 Rupien (0,95 €). Wir hatten uns eine Reserve zugelegt, doch genutzt haben wir sie nicht.

SIM-Telefon-Prepaidkarten von TelcomSel sind mit 15.000 Rupien (hierbei sind 10.000 Rupien als Balance inkludiert) sehr preiswert, bei Gültigkeit von einem Monat.

Es gibt in Indonesien keine einzelne Staatsreligion sondern vielmehr die Verpflichtung zur Angehörigkeit zu einer der großen Weltreligionen. Beschrieben ist das in der Pancasila, einer Art Verfassung. Aber dennoch ist der Islam sehr dominant vertreten auf Sumatra und Java.

Etwas aufdringlich kam der Aufruf zum Gebet aus den vielen, vielen Lautsprechern der Moscheen auf Sumatra daher. Natürlich fünfmal am Tag. Nicht alle Muezzin können einen Ton sauber halten. Klingt dann halt ein wenig gruselig. Und jede Moschee spielt ihre eigene Tonbandaufnahme ab. Das ergibt ein fürchterliches Durcheinander an verschiedenen Melodien und Gesängen, weil die vielen Moscheen meist dicht bei einander stehen. Eine echte Belastungsprobe für gesunde Ohren.

Auf Bali dominiert dagegen der Hinduismus. Und es gibt eine unglaublich hohe Tempel-Dichte auf der Insel (geschätzt 20.000): auf sehr vielen Grundstücken befindet sich ein Haustempel, wo man der Ahnen gedenkt und die Götter durch Opfergaben sanft stimmt. Zusammen mit der balinesischen Musik- und Tanz-Kultur war diese Insel für uns ein einzigartiges Highlight.

Weitere Highlights waren die historischen Häuser (Rumah Gadang) der Ethnie Minangkabau bei Bukittinggi auf Sumatra, die vielen Tempel-Ruinen bei Yokyakarta auf Java und das bunte Treiben zum „Independence Day“, dem höchsten Feiertag im Lande:

es werden unzählige Fahnen in allen Größen und Farben aufgestellt und nachts blinken überall in den Straßen bunte Lichterketten. Es finden Umzüge, Musik- und Tanz-Veranstaltungen, Spiele und traditionelle Wettkämpfe statt. Insbesondere das Panjat Pinang hat uns beeindruckt.

Der Nationalstolz ist sehr ausgeprägt in Indonesien. Dementsprechend wird dieses Fest mit sehr viel Herzblut gefeiert und alle sind irgendwie involviert. Auch die Landesflagge ist so häufig anzutreffen, wie in keinem anderen Land.

Für Übernachtungen haben wir in vielen Städtchen bei der Polizei mit Erfolg angefragt. War auch ein Tipp der Einheimischen. Klappte aber nicht generell. In Großstädten war es schwieriger und manchmal war es auch nur Glück, dass wir direkt den richtigen in der Station gefragt hatten.

Warmshowers-Mitglieder gibt es nicht sehr viele hier auf den Inseln. Aber man erlebt ungewöhnliche Geschichten: in Dumai holte uns ein Warmshowers-Mitglied vom Fährhafen ab, das wir gar nicht kontaktiert hatten. Er war von einem Kollegen zu uns geschickt worden, weil dieser selber verhindert war. Ein anderes Mal organisierte uns ein Warmshowers-Kontakt eine kostenfreie Nacht in einem Gästehaus, weil er selber nicht zu Hause war.

Zweimal wurden wir auch spontan eingeladen. Tempel gibt es keine, und Moscheen lassen keine Übernachtung zu. Aber wenn man an einer Moschee fragt, erhält man in der Regel brauchbare Hilfe für die weitere Suche. Manchmal endet das sogar in eine private Einladung.

Auf das Zelten hatten wir auch hier in Indonesien wegen der Schlangen und der wilden Affen verzichtet.

Mit nur drei Wochen Aufenthalt auf lediglich drei Inseln haben wir natürlich nur einen Bruchteil der Vielfältigkeit dieser riesigen Inselwelt kennengelernt. Doch unsere Erlebnisdichte war dabei schon sehr hoch. Und es ist gut möglich, dass wir wiederkommen werden.

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