Indien 2016

Am 04.09.2016 sind wir, per Flugzeug aus Bishkek, Kirgistan kommend, nach Indien eingereist. In der Hauptstadt von Indien, New Delhi wollten wir uns die Myanmar-Visa beschaffen und die beiden Päckchen aus Deutschland abholen (die aber leider bisher noch nicht eingetroffen waren). Auf unserem Weg von New Delhi nach Myanmar hatten wir noch einen Abstecher nach Nepal geplant. Das Visum für Nepal erhalten wir an der Grenze und die Wiedereinreise nach Indien ist mit unserem Double-entry-Visum für Indien abgedeckt.

Sonntag, 04.09.16

Nach drei Stunden Flug erreichten wir um 8:30 Uhr den Flughafen von New Delhi. Und nach kurzer Suche fanden wir dort auch unsere Fahrradkartons. Etwas ruppig waren die wohl behandelt worden, so, wie die Kartons da neben dem Gepäckband lagen. Da hatten wir schon große Sorge, dass die Räder jetzt beschädigt sind.

Als wir das klimatisierte Flughafengebäude verließen, schlug uns eine feuchte, tropische Hitze entgegen, die sich bis zum Mittag auf 40°C steigerte.  Es war halt noch Monsunzeit. Aber wir hatten Glück: in den letzten Tagen war viel Regen gefallen und für die kommenden Tage sollte es dagegen trocken bleiben.

Wir suchten uns vor dem Flughafengebäude eine ruhige Ecke und bauten unsere Räder wieder zusammen. Nach vier Stunden Schrauben und Packen waren die Räder komplett aufgebaut und alles war wieder an seinem Platz in den Packtaschen. Die Räder hatten den Flug glücklicherweise ohne Schaden überstanden.

Über eine endlose Straße verließen wir das riesige Flughafengelände, fragten uns mehrmals durch die verwirrenden Gabelungen Richtung Zentrum durch und wurden dabei erst einmal auf den falschen Highway geschickt. Durch das extreme Verkehrsaufkommen und die Bauweise dieser Straße (eine lückenlose Betonwand trennte beide Richtungen) kostete uns das ca. 10 km Umweg.

Das war unsere erste Erfahrung hier in Indien: der Verkehr ist nicht einfach. Ununterbrochen rollt die Blechlawine durch die Straßen und jeder sucht sich mit sehr viel Gehupe eine Lücke, um schneller voranzukommen. Den Linksverkehr kannten wir ja schon von unserer Radreise durch Großbritannien. Aber Spurwechsel und Wenden sind hier anstrengende Manöver, für die man starke Nerven benötigt.

Auf der Fahrt Richtung Zentrum wurde uns die enorme Ausdehnung von Delhi bewusst: erst nach über 20 km Fahrt sahen wir Banken für unsere Bargeldbeschaffung in Landeswährung sowie den ersten Bazar-ähnlichen Markt für Lebensmittel.

Wir hatten mächtig Hunger, weil wir seit gestern Abend nichts mehr gegessen hatten. Da kamen uns die vielen mobilen Garküchen mit ihren verlockend leckeren Suppen wie gerufen. Wir kauften uns direkt eine dieser Suppen und prompt war die genau so scharf, wie wir befürchtet hatten. Es trieb uns den Schweiß auf die Stirn und die Augen tränten. Danach holten wir uns erst einmal Bananen. Da konnte nicht viel schiefgehen.

Dann riefen wir unseren Warmshowers-Kontakt für die Unterkunft in den nächsten Tagen an. Er, Aakash, gab uns seine Adresse und wir suchten jemanden, der uns die Adresse auf unserer elektronischen Karte zeigen konnte. Wir mussten demnach quer durch die gesamte Stadt fahren. Da war schon absehbar, dass wir in die Dunkelheit kommen würden.

Je dunkler es wurde, um so dichter wurde der Verkehr. Zusätzlich häuften sich die Staus, je weiter wir ins Zentrum fuhren. Da war selbst für uns Radler kein Durchkommen mehr, denn die motorisierten Zweiräder und die dreirädrigen Taxis nutzen jede kleine Lücke und machten alle Nischen dicht, durch die wir hätten fahren können.

Dann passierte das, wovor wir immer etwas Angst haben: wir verloren uns, kurz vor Mitternacht, mitten im Zentrum dieser 16-Mio-Einwohner-Stadt:

Ich wartete hinter einer großen Kreuzung auf Annett. Sie war wegen roter Ampel vor der Kreuzung stehen geblieben. Dachte ich zumindest. Sehen konnte ich sie nicht im Wirrwarr der Zweiräder. Während ich wartete, hielt hinter mir ein Bus und direkt darauf links neben mir ein zweiter Bus. Damit war mir die Sicht zurück versperrt. Ich fuhr rechts am Bus entlang wieder zurück Richtung Kreuzung, um Annett nicht zu verpassen. In diesem Moment muss Annett wohl links außen an den Bussen vorbei gefahren sein und dachte, ich sei schon weiter vorne. Ich hingegen fuhr nach einigen Minuten zurück um sie zu suchen. Vielleicht hatte sie die Kreuzung ja noch gar nicht erreicht, dachte ich.

Und damit begann eine Suchaktion über mehr als eine Stunde. Annett hatte unterdessen versucht, mich telefonisch zu kontaktieren, doch der Anruf erreichte mich nicht; warum auch immer. Ihre Gedanken in dieser Situation: kein Handy, kein Geld, noch keine Unterkunft sicher und jetzt bei Mitternacht in dieser 16-Millionen-Einwohner-Stadt alleine unterwegs. Mit Hilfe der Hinweise aus der Bevölkerung fanden wir dann einander wieder. Wir waren beide erleichtert.  Das hätte schlimmer enden können.

Der erste Tag in einem neuen Reiseland, insbesondere in einer Großstadt, ist immer kritisch: wenn die SIM-Karte für das zweite Handy noch fehlt, oder das Bargeld in Landeswährung noch nicht auf beide Räder verteilt ist, der Umgang mit Sprache, Schrift, den Menschen und vor allem mit dem Verkehr noch ungewohnt ist, … all das erhöht das Risiko, sich nicht so schnell wiederzufinden, wenn man sich verloren hat. Und Mitternacht ist für ein solches Ereignis ein ganz schlechtes Zeitfenster.

Als wir die Straßenecke erreichten, die man uns als Zieladresse gezeigt hatte, schickten uns die Ortskundigen noch einmal 5 km weiter. Natürlich waren es am Ende mehr als 5 km. Jetzt waren wir einen großen Kreis gefahren. Hätten wir schon beim ersten Mal die korrekte Adresse erhalten, wäre unser Weg 20 km kürzer gewesen. So erreichten wir unseren Gastgeber nach insgesamt 62 km Fahrt durch eine der größten Städte der Welt völlig übermüdet von den letzten Tagen um 1:00 Uhr nachts.

Der Empfang war umso herzlicher und wir nahmen mit tiefer Erleichterung auch die letzte Hürde des Tages: das Hochtragen unseres Gepäcks bis (richtig vermutet:) in die oberste Etage des 4-stöckigen Hauses. Die Fahrräder blieben unten stehen. Das war schon angenehm.

Der krönende Abschluss des Tages war dann der große Komfortsprung von Zentralasien zu unserem Gastgeber hier in Delhi: es gab eine Dusche, ein richtiges Bett und sanitäre Anlagen, wie wir sie aus Europa kennen. Die Wasserhähne funktionierten und waren dicht, die Steckdosen und Schalter wirkten modern und sicher. Schnelles Internet und Wifi stand wie selbstverständlich zur Verfügung und es gab keinen Stromausfall.

Montag, 05.09.16

Aakash, unser Gastgeber, weckte uns um 7:30 Uhr und lud uns ein, mit in seine alte Schule zu kommen. Heute sei „Teacher’s Day“, ein alljährlicher Feiertag für Schüler und Lehrer. Die ehemaligen Schüler treffen ihre Lehrer, bringen kleine Geschenke und würdigen somit auf nette Art die großartige Arbeit ihrer Pauker in der Vergangenheit.

Für uns war es der fünfte Besuch einer Schule seit dem Start unserer Reise. Und auch dieses Mal wurde es ein unvergessliches Erlebnis: wir wurden durch die einzelnen Lehrerzimmer gereicht und von den insgesamt 150 Lehrern der Schule herzlich begrüßt, hatten eine Audienz beim Rektor und nahmen am kulturellen Programm in der Aula teil. Dort wurde Musik und Tanz in unglaublich hoher Qualität von den Schülern präsentiert. Vor unserem Heimgang holten sie uns auf die Bühne und wir durften vor ca. 200 Schülern und Lehrern von unserer Reise und unserem Eindruck von Indien berichten.

Film-Clip zum Teacher’s Day:     Clip

Zum Lunch gab es indische Küche bei Aakashs Mutter. Sie war eine hervorragende Köchin und wollte uns einen ersten Eindruck von der Reichhaltigkeit der indischen Speisekarte geben.

Am Nachmittag zeigte Aakash uns das Regierungsviertel von Delhi. Hier liefen Affen frei herum. Das war neu für uns (wir meinen natürlich richtige Affen).  Im Anschluss besuchten wir das kleine Restaurant eines Freundes von Aakash. Und wieder gab es eine Kostprobe der indischen Küche.

Affen in New Delhi:     Clip

Film-Clip zum Brunnen:    Clip

Dienstag, 06.09.16

Für heute stand das Myanmar-Visum auf dem Programm. Wir waren viel zu früh auf der Botschaft. Die Visa-Section öffnete erst um 10:00 Uhr. Aber wir nutzten die Wartezeit und fragten einen Sachkundigen vor der Botschaft nach den geforderten Unterlagen für den Visa-Antrag. Und dabei stellte sich heraus, dass uns noch einiges fehlte: Flugbuchung, Einzahlung der Gebühr vorab bei der Bank, Letter of Request und eine Kopie vom Indien-Visum. Myanmar gehört nicht zu den Standard-Reiseländern auf dem Weg durch Asien. Dementsprechend waren die Informationen im Internet offensichtlich lückenhaft. So etwas erschwert die Vorbereitung der Antrags-Unterlagen.

Bis ich Papier, Copyshop, Reiseagentur und Bank gefunden und alles erledigt hatte, war es kurz nach 11:00 Uhr. Ich hatte mich sehr beeilt; bin zeitweise gerannt und hatte am Ende sogar ein Taxi genommen, um vor dem Ablauf der Öffnungszeit wieder am Schalter zu stehen. Doch ich kam zu spät. Der Schalter an der Botschaft war gerade einige Minuten geschlossen. Das war etwas bitter: um Haaresbreite hatte ich die Chance verpasst, heute die Unterlagen abgeben zu können. Also stand für morgen früh um 10:00 Uhr ein 2. Anlauf fest.

Wir fuhren zurück und kümmerten uns um die nächsten Jobs: SIM-Karte kaufen und die Suche nach Spiritus für unseren Kocher. Aakash unterstützte uns dabei mit seinen Orts- und Sprach-Kenntnissen. Und er kannte einige Händler aus dem Bike- und Outdoor-Bereich. Das war sehr nützlich, denn wir brauchten einen neuen 15 mm – Konusschlüssel. Den bisherigen hatte ich in Bishkek beim Zerlegen der Räder gehimmelt. Und einer der Händler wollte beim Shimano-Vertreter von Indien noch nach einem passenden Freilauf für uns nachfragen.

Auf der Suche nach Spiritus für unseren Kocher kauften wir eine Probe aus der Apotheke und testeten sie auf Brennbarkeit. Doch das Ergebnis war negativ. Die Flüssigkeit war nicht brennbar. Daraufhin riet man uns, im Farbenhandel zu suchen. Das hoben wir uns für morgen auf.

Mittwoch, 07.09.16

Wir fuhren erneut zur Botschaft. Vor der Abfahrt überreichte mir Aakashs Mutter eine Kette mit dem Bildnis von Lord Mahaveera, dem Propheten der Jain-Community (Aakashs Familie gehört der Glaubensrichtung der Jain an).  Es sollte uns Glück bringen und alles gelingen lassen an der Botschaft. Trägt man diese Kette, dann wird sie auch von allen Mitmenschen wahrgenommen und man erhält Unterstützung und Hilfe, wo auch immer man sie benötigt; nicht nur von den Mitgliedern der Jain-Community. Das ist Indien.

An der Botschaft nahmen sie unsere Unterlagen entgegen und prüften alles. Unser „Letter of request“ war dabei doch nicht erforderlich. Und genau dieses Stück Papier hatte mich gestern die meist Zeit gekostet in den Vorbereitungen. Egal. Die Unterlagen waren komplett. Sie behielten gleich unsere Pässe da und morgen um 16:00 Uhr sei alles fertig. Wir waren baff. So schnell war bisher noch keine Visa-Beschaffung. Damit war der Frust über den zweimaligen Anlauf schon vergessen.

Jetzt hatten wir Zeit für Besichtigungen. Es gibt einige sehenswerte Tempel in Delhi. Doch wir beschränkten uns auf die Besichtigung der schönsten Anlage, dem Swaminarayan Akshardham Tempel. Er wurde zu Ehren des Bhagwan Swaminarayan errichtet und bietet eine unglaubliche Fülle an indischer Kunst. Leider ist jegliche Art fotografischer Dokumentation verboten; am Eingang muss man sämtliche Geräte abgeben und wird abgetastet wie in einer Flughafen-Kontrolle.

Die Anlage beinhaltet das Tempelmonument aus weißem Marmor und rotem Sandstein samt dem 3,3 m hohen, vergoldeten Murti von Bhagwan Swaminarayan, sowie den größten Stufenbrunnen Indiens mit integriertem Musikbrunnen (Yagnapurush Kund), einem Säulengang mit zwei Geschossen aus rotem Sandstein mit 914 m Länge und 1152 Säulen (Parikrama) und einigen weiteren Bauwerken. Der Sockel des Tempels ist mit 148 Elefanten-Skulpturen verziert, zu Ehren der besonderen Bedeutung des Elefanten (Lord Ganesha) in der indischen Kultur (Gajendra Perth). Die Reichhaltigkeit an Skulpturen, Murtis und Verzierungen ist einzigartig.

Wir folgten der Empfehlung, vom späten Nachmittag bis in die Nacht zu bleiben, um die Anlage auch in ihrer stimmungsvollen nächtlichen Beleuchtung genießen zu können. Der Besuch dieser Tempelanlage war eines unserer Reise-Highlights und wird uns auch ohne Fotos in Erinnerung bleiben. Sehr sehenswert.

Donnerstag, 08.09.16

Für einige Besorgungen begleitete mich Aakash durch den Dschungel von Geschäften und Straßen-Händlern. Das ersparte mir viel Sucherei, denn Aakash kannte die Shops und die Händler. Und trotzdem war es auch für ihn harte Recherche-Arbeit. Es brauchte 2 Stunden, bis wir alles bekommen hatte.

Um 15:00 Uhr fuhren wir zur Botschaft und holten unsere Pässe samt Myanmar-Visa ab. 28 Tage Aufenthalt und drei Monate Gültigkeit ab heute. Das Ende der Gültigkeit war mit dem 07.12.16 etwas zu früh. Damit werden wir in Summe 10 Tage nicht nutzen können vom Indien- und/oder Myanmar-Visum. Aber es gab keine sinnvolle Alternative für die Visa-Beschaffung neben Delhi: die Botschaft von Myanmar in Kolkata bedeutete einen zu großen Umweg.

Amüsant war die Tatsache, dass wir mit dem geplanten Rückflug-Datum auf unserem Flugticket schon außerhalb des Gültigkeits-Zeitfensters unserer Visa lagen. Das hatte der Botschafts-Mitarbeiter nicht bemerkt. Sie wollen nur ein Flugticket sehen, die Angaben prüfen sie gar nicht.

Jetzt konnten wir die Flüge, wie geplant,  wieder stornieren. In der betreffenden Reiseagentur saß heute aber ein anderer Mitarbeiter. Und der wollte mich gleich weiterschicken, weil er sich nicht zuständig fühlte. Diese Flüge hätte ich bestimmt in einer anderen Reiseagentur gebucht. Doch ich hatte zum Glück die Visitenkarte des Kollegen mitgenommen, der für uns die Flüge gebucht hatte. Nach 5 min Diskussion versprach mir der Mitarbeiter dann, die Flüge morgen vom betreffenden Kollegen stornieren zu lassen. Das ersparte mir eine erneute Anfahrt (immerhin 15 km Großstadtverkehr) am morgigen Tag.

Den Rest des Tages nutzten wir für die Besichtigung weiterer Sehenswürdigkeiten: dem „Ugrasen Ki Boali“, einem monumental großes Wasser-Ausgleichsbecken mit einer schier endlosen Treppe zum tiefsten Wasserstand sowie einer Moschee aus dem 16. Jh („Khair-ul-Manazil“).

Abends waren wir bei Rahul, einem Freund von Aakash, zum Dinner eingeladen.

Freitag, 09.09.16

Ich fuhr zu dem Hostel, an das wir unsere Sendungen aus der Heimat haben adressieren lassen und wollte nach unseren Päckchen suchen. Fehlanzeige. Ich ließ unsere Kontaktdaten dort und bat um Info, sobald unsere Post eingetroffen ist. Dann muss das Hostel uns die Päckchen eben innerhalb Indiens nachsenden.

Aakash schlug vor, morgen in der Frühe mit uns per Rad zum „India Gate“ zu fahren. Das ist ein Triumpfbogen im Stadtzentrum. Dort träfe sich um 7:00 wohl die Biker-Szene Delhis. Und da wollten wir natürlich nicht fehlen.

Samstag, 10.09.16

Um 6:00 waren wir startklar. Dann fiel Aakash auf, dass sein Bike an einigen Stellen noch etwas Feintuning benötigte. Genauer gesagt: der Umwerfer war verbogen, die Kette verrostet, das Schaltwerk nicht gängig, beide Schaltzüge mussten neu gespannt werden, die Sattelklemme war lose, es fehlte Luft in den Reifen und die Bremsscheiben waren angerostet. “Mehr” war es nicht.

Wir versuchten, zu reparieren, was unser Werkzeug hergab und schraubten eine Stunde am Bike herum. Dann fuhren wir zum „India Gate“. Das große Treffen war zwar schon vorbei, aber es gab trotzdem noch genug Biker und Szenen-Anhänger dort.

Zum Lunch waren wir eingeladen bei einem Freund von Aakash. Und abends erwartete man uns auf einer Party von Aakashs Radler-Community: es gab warmes und kaltes Buffet, 2 Bottiche mit den verschiedensten eisgekühlten Getränken von Wasser bis Wodka, einen Tanzraum und indische Musik.

Seit wir bei Aakash zu Gast sind, haben wir ein volles Tagesprogramm und es gibt Einladungen am laufenden Band. Sobald Aakash in seinem Bekanntenkreis über uns berichtet, wollen sie uns kennen lernen.

Zuckerrohrsaft frisch gepresst:   Clip

Sonntag, 11.09.16

Um 7:30 verabschiedeten wir uns von Aakashs Eltern. Wir riefen ein letztes Mal im Hostel an und fragten nach unseren Päckchen aus Deutschland. Leider war immer noch nichts angekommen. Damit war unser Plan, uns Kartenmaterial, Kleidung und Ersatzteile aus der Heimat schicken zu lassen, erst einmal gehörig schief gegangen. Wir hofften nun, dass die Post später noch eintrifft und dann an eine neue Adresse auf unserem Weg innerhalb Indiens weitergeschickt wird, wenn sie denn eintrifft in Delhi. Das geschätzte Porto gaben wir an Aakash, der den Versand organisieren wollte.

Aakash und Rahul begleiteten uns noch mit ihren Fahrrädern aus der Innenstadt und führten uns auf den richtigen Highway Richtung Agra. Nach einer Herz-zerreißenden Verabschiedung folgten wir nur noch dem Straßenverlauf.

Ein 10 m breiter Müllstreifen säumte die Straße, lediglich unterbrochen durch Ortschaften oder Slums-Siedlungen. Im Müll stöberten Hunde, Hausschweine und heilige Kühe nach Essbarem. In Kombination mit dem Verkehr und dem permanenten Gehupe wirkte das Ganze wie eine Szene aus einem schlechten Endzeitfilm.

Straßenszene in Indien:   Clip

Es war mit 40°C und schwül-feuchter Luft eigentlich viel zu heiß zum Radeln. Nach 40 km hielten wir an einem Bottich mit Trinkwasser an und wurden zu einer Pause eingeladen. Im Nu waren 15 Männer und Jugendliche um uns versammelt, die uns und unsere Reise sehr interessant fanden. Was dann passierte, lässt sich besser berichten, wenn man die Haupt-Darsteller durchnummeriert:

Person 1 lud uns für die kommende Nacht in sein Haus ein. Er war ein sonderbarer Kauz und wir waren nicht sicher, ob die Einladung ernst gemeint war. Der Bruder von Person 1, Person 2, hatte kurze Zeit später meine Frage, ob man generell auch im Tempel übernachten könne, missverstanden und schickte uns für die Übernachtung zum Tempel. Dort begrüßte uns Person 3 und gab uns Instruktionen für die Nacht. Währenddessen erschien Person 1 im Tempel und störte gehörig den Dialog zwischen Person 3 und uns. Person 4 wollte uns aus diesem Spannungsfeld retten und nahm uns zur Übernachtung mit zum Haus seiner Familie.

Dort erschien nach 30 min Person 3 und wollte uns mitnehmen zu seinem Haus und uns kurz seiner Familie vorstellen. Dort angekommen, erschien nach kurzer Zeit wieder Person 1 und nervte erneut. Als Person 3 es endlich geschafft hatte, Person 1 zum Gehen zu bewegen, lud uns Person 3 zum Essen ein. Nach einer Stunde erschien der Sohn von Person 2 und machte deutlich, dass Person 4 unsere Rückkehr erwartete (unsere Fahrräder standen ja noch dort im Hof). Person 3 vermittelte nun dem Sohn, dass wir bei ihm bleiben würden heute Nacht. Wir gingen zum Haus von Person 4, um unsere Räder zu holen. Person 3 begleitete uns und diskutierte die Sache mit der Familie von Person 4 aus. Nach 21:00 Uhr war dann eindeutig klar, dass wir bei Person 3 nächtigen würden.

Nach dem Dinner, kurz nach 23:00 Uhr, erschien Person 2 im Hof und wollte uns nun in sein Haus einladen zur Übernachtung. Das kam für Person 3 und uns aber nicht mehr in Frage. Daraufhin überredete Person 2 uns und Person 3, zumindest für 10 min auf einen Tee sein Haus zu beehren. Um Mitternacht gingen wir dann zurück und das Hü-Hot-Spiel war endlich zu Ende.

Selten waren wir so unsicher im Umgang mit doppelten Einladungen und unseren Bemühungen, nicht ins Fettnäpfchen zu treten. Uns war der gesamte Ablauf sehr unangenehm, doch für die meisten Beteiligten war zum Schluss offensichtlich alles ok.

Montag, 12.09.16

Die Tage werden wieder merklich kürzer: um 6:00 Uhr wird es erst hell und um 18:30 Uhr ist es schon dunkel. Dabei fällt die Dämmerungs-Phase wesentlich kürzer aus, als wir es aus Deutschland kennen, weil wir uns näher am Äquator befinden. Das ist bei der Suche nach einem Platz für die Nacht besonders tückisch. Und dieses schwül-heiße Klima schlaucht uns so sehr, dass wir unsere Mittagspause deutlich ausdehnen und wir uns mindestens eine Stunde schlafen legen. Da bleibt nicht mehr viel Zeit für das eigentliche Tagesprogramm.

Umso schmerzvoller ist dann auch noch ein Plattfuß. Denn die Reparatur frisst wiederum eine Stunde und ist bei diesem Klima kein Vergnügen.

Doch da musste ich heute durch: nach unserer Pause bemerkte ich bei mir wieder einen Plattfuß am Hinterrad. Das waren wohl die vielen Glasscherben auf der Fahrbahn seit Delhi.

Als wir am Nachmittag im Schatten einer Restaurant-Terrasse Pause machen wollten, wurde Annett von einem Hund angegriffen und gebissen. Ich rannte zu ihr und versuchte, den Hund zu verjagen. Dabei biss er mich ins Schienbein und riss mir eine „Fünf“ ins Hosenbein. Dann kam die Restaurant-Mannschaft und wollte helfen. Aber das kam natürlich zu spät. Sie erzählten uns noch zur Entschuldigung, dass der Hund einen Dachschaden hat, seitdem er bei einem Verkehrsunfall angefahren wurde. Auf eine Pause war uns jedenfalls die Lust vergangen.

In Hodal fragten wir im Tempel  nach einem Platz für die Nacht. Und dann lief ein ähnliches Spiel ab wie gestern: kaum hatten wir die Schlafmatten ausgebreitet, lud uns der Nachbar in sein Haus ein. Dort gäbe es kein Getier und wir hätten Licht und Deckenventilator. Wir ließen uns überreden und zogen um, nachdem wir im Tempel noch an einer Hindu-Zeremonie teilgenommen hatten. Und tatsächlich wimmelte es im Tempel nur so vor Tieren: Affen und Hunde streunten vor dem Tempel frei herum und zankten sich in regelmäßigen Abständen und im Gebäude gab es zig Ameisenstraßen. Natürlich auch im Bereich unserer Schlafmatten. Da war uns der Umzug schon recht.

Dienstag, 13.09.16

Um 5:00 Uhr standen wir auf. Und damit waren wir die letzten Aufsteher am Hof. Es war noch dunkel, aber jeder will hier die morgentlichen, kühlen Stunden des Tages nutzen. Wir fühlten dich wie gerädert, denn die Mücken hatten uns arg zugesetzt in der Nacht. Der dünne Hüttenschlafsack hätte das Schlimmste verhindert, doch der war uns schon viel zu warm.

Als wir uns vor einer Schule ein Eis kauften, lud uns der Rektor der Schule zu einer Pause in seine Schule ein. Dort gab es dann Tee für uns und später  das Angebot zur  Übernachtung im Schulgebäude. Leider noch zu früh für uns. Um 14:00 war dann Schulschluss. Und sofort waren wir umlagert von 200 Schülern. Und wir durften wieder viele Fragen beantworten.

Am Nachmittag zogen dann dunkle Wolken auf und kurze Zeit später regnete es. Wir dachten, jetzt schüttet es bestimmt wie aus Eimern, doch es war nur eine kurze Gewitterschauer. Danach schien wieder die Sonne und es hatte sich um einige Grad abgekühlt.

In Chhatikara suchten wir vergebens nach einem Schlafplatz im Tempel. Denn hier begann schon der touristische Rummel um die Tempel des Lord Krishna im 5 km entfernten Vrindavan. Ein Mönch lotste uns dann zu einem Tempel in einem 3 km entfernten, ruhigeren Ort. Und die hatten tatsächlich einen Raum für uns.

In der ersten Stunde herrschte Hochbetrieb im Tempel. Wir erlebten das „Kashi Vishvanath“ mit, eine täglich um 18:30 Uhr stattfindende Zeremonie der Hindus. Ca. 100 Gläubige waren anwesend. Danach wurde es deutlich ruhiger. Wir nutzten die Kochnische im Tempel unter Anleitung eines Mönchs zur Zubereitung unseres Abendessens. Der Mönch kochte derweil für die Tempel-Mannschaft und sorgte in regelmäßigen Abständen für eine genussvolle Bereicherung unserer Mahlzeit, indem wir immer eine Kostprobe seiner Kreationen zugeschoben bekamen. Verhungern werden wir in diesem Land nicht; soviel steht fest.

Mittwoch, 14.09.16

Im Tempel war ab 3:30 Uhr Hochbetrieb: Gebete, Kühe melken, Tee kochen, Affen verjagen, usw. Als 5:00 Uhr-Aufsteher waren wir mal wieder die Letzten. Zu unserem Frühstück gab es wieder Beilagen aus der Tempel-Küche, wie schon am gestrigen Abend.

Heute fuhren wir zu den Tempel-Anlagen bei Vrindavan. Hier soll die hinduistische Gottheit Lord Krishna seine Kindheit verbracht haben. Und daher gilt Vrindavan als heilige Stadt und ist Pilgerort für viele Hindus. Die Stadt beherbergt einige Duzend hinduistische Tempel und heilige Stätten.

Wir haben uns Krishna Balaram Mandir und Prem Mandir angesehen und waren begeistert. Nicht zuletzt deshalb, weil wir im Krishna Balaram Mandir zufällig die Zeremonien der Hindus miterleben durften. Musik, Tanz, Meditation, Opfergaben, Räucherstäbchenduft, Kerzen, Blütenschmuck, … Da wurde die Tempel-Besichtigung zu einem besonderen Ereignis, weil man mit allen Sinnen das religiöse Leben der Hindus wahrnehmen konnte.

Szene aus dem Tempel:   Clip

Wir wollten uns auch den „Chandrodaya Mandir“ ansehen, nachdem wir auf Infotafeln die imposanten Ausmaße gesehen hatten (Höhe: 230 m). Doch dieser Tempel muss erst noch gebaut werden. Nicht schlimm. Im Gegenteil. Auf uns wirken die alten Tempelanlagen viel authentischer als die auf den Tourismus ausgerichteten Neubauten.

Am Abend erreichten wir Mathura. Wir suchten nach einem Tempel für die Übernachtung und landeten zufällig in den Händen von Gopu, der uns spontan zu der Wohnsiedlung seines Großvaters fuhr. Wir wurden herzlich aufgenommen und verbrachten die Nacht in einem Zimmer mit richtigen Betten. Welch ein Luxus.

Gopu will in Zukunft ebenfalls Radreisen unternehmen. Da tauschten wir direkt unsere Adressen aus und luden ihn nach Deutschland ein.

Donnerstag, 15.09.16

Wir besichtigten noch den „Nam Yoga Sadhanna Mandir“, den Tempel, in dem der viel verehrte Jai Gurudev gewirkt hatte. Er wird vergöttert hier in dieser Gegend. Im Zimmer von Gopus Großvater hingen alleine 17! Abbildungen von ihm.

Dann fuhren wir weiter Richtung Agra. Später am Tage zogen plötzlich viele LKWs mit lauter, musikalischer Beschallung an uns vorbei. Auf jedem LKW befanden sich 10-20 Personen, die ausgelassen tanzten. Immer wieder warfen sie Farbpuder in den schillerndsten Farben unter die Passanten. Es erinnerte an den deutschen Karneval. Heute ging die jährliche, 11-tägige Feier zu Ehren des Lord Ganesha zu Ende. Und das wird laut und ausgelassen gefeiert.

Film-Clip zum Festival:   Clip

Am Nachmittag wurden wir in Rumkara von einem der Straßenhändler nach Hause eingeladen. Er, Michael, lotste uns per Mofa nach Hause und zeigte uns stolz das gesamte Anwesen. Nach und nach kamen immer mehr Familienmitglieder zur Tür hinein. Alle wollten uns kennen lernen. Als wir dann auf der Terrasse saßen, kamen noch 20 neugierige Kinder aus der Nachbarschaft zum Tor herein. Somit saßen wir dann im Kreis von 30 Personen.

Igendwann hörten wir einen dieser Musikwagen näherkommen. Michael sprang auf, öffnete das Tor und winkte uns herbei. Der Musikwagen fuhr am Haus vorbei und plötzlich waren wir mitten drin, in der Feier zu Ehren des Lord Ganesha: Livemusik, Tanz und Pulver in den unterschiedlichsten Farben, das uns über den Kopf und den gesamten Körper geworfen wurde. Wir wurden in den Kreis gezogen und dann wurde getanzt. Nach einigen Minuten zog der  Wagen weiter und wir gingen ins Haus zurück. In halbstündigen Intervallen wiederholte sich alles.

Film-Clip zum Geschehen:   Clip

Als es dämmerte, fragten wir nach dem Zimmer für die Übernachtung. Entsetzte Augen schauten uns an. Michael hatte uns nur für das Dinner eingeladen. Und wir hatten seine Einladung missverstanden.  Jetzt hatten wir ein Problem: es war dunkel, unsere Kleidung war bunt eingestaubt und musste heute noch gewaschen werden und wir hatten keinen Platz für die Nacht.

Wir verabschiedeten uns und klapperten alle Tempel auf unsererm Weg ab. Entweder war der Platz zu klein oder es gab keinen Moskitoschutz. Wir fuhren durch bis Agra und fanden dann doch noch einen Schlafplatz in einem Gurudwara, der Gebetsstätte der Sikhs.

Wir bekamen ein Zimmer mit Betten zugewiesen, konnten Wäsche waschen und hatten eine richtige Dusche. So nahm der Tag doch noch ein gutes Ende.

Freitag, 16.09.16

Wir frühstückten in der Kantine neben dem Gurudwara und besichtigten alle Gebäude samt dem Park. Danach verabschiedeten wir uns mit einer kleinen Spende und fuhren zum Taj Mahal, dem wohl bekanntesten Tempelkomplex in Indien. Zum einen ist es eine islamische Moschee, zum anderen ein Hindu-Tempel. Für eine Besichtigung hatten wir uns allerdings den falschen Tag ausgesucht: Freitags ist der Taj Mahal geschlossen. So begnügten wir uns heute mit der Besichtigung von außen.

Film-Clip zum Gurudwara:   Clip

Die Suche nach dem richtigen Zugang war dabei etwas aufwändig: man gelangt über kleine unscheinbare Wege zum Besichtigungsgelände. An zwei Besucher-Schleusen wollten sie erst nur unsere Fahrräder zulassen, nicht aber unser Gepäck. Nach 5 min sahen die Beamten aber dann ein, dass ihre Entscheidung unsinnig war und ließen uns passieren.

Der Eintrittspreis schockte uns dann: Inder lassen sie für 40 Rupien rein,Touristen zahlen dagegen 1000 Rupien pro Person (= 14 €). Das ist viel Geld für dieses eine heißbegehrte Foto „wir vor dem Taj Mahal“. Denn die äußere Erscheinung ist das einzig Besondere an dieser Moschee. Im Innenraum gleicht sie anderen Moscheen sehr. Und davon hatten wir im Iran und in Usbekistan unzählig viele gesehen. Im Übrigen war ein Minarett und Teile der Moschee zur Zeit eingerüstet. Das stört auf Fotos natürlich.

Danach gingen wir auf die Suche nach einer Indien-Karte. Und daraus wurde ein Nachmittag-füllendes Programm. Mehrere Wegbeschreibungen zu den Bookshops, der Kampf durch den extrem dichten Verkehr, die für uns unlesbare indische Schrift und immer wieder das enttäuschende Ergebnis: entweder die Karte war zu grob (eher ein kleines Poster für die Wand) oder in indischer Schrift. Wir wünschten uns, das Paket aus Deutschland möge endlich eintreffen. Denn da waren unsere guten, detaillierten Karten vom Verlag „Reise-Know-how“ drin. Bessere Karten gibt es kaum.

Film-Clip zum Verkehr in Agra:   Clip

Genau so schwierig war der Lebensmittel-Einkauf. Für Haferflocken sucht man sich durch die halbe Stadt. Reis, Linsen und Mehl bekommt man an jeder Ecke. Aber das eignet sich für unsere Camping-Küche nicht.

Mit unserer Sucherei nach den gewünschten Dingen kamen wir natürlich wieder in die Dunkelheit. Die Tage sind leider schon zu kurz. Jetzt begann die Suche nach einem Schlafplatz. Zelten war zu gefährlich hier in der Stadt; also suchten wir nach einem Tempel. Doch das sollte eine Odyssee durch die engsten Basarstraßen werden. Durch eine ca. 700 m lange Geschäftsstraße wurden wir insgesamt 5 mal geschickt; immer wieder neuen Empfehlungen der Anwohner folgend. Der Höhepunkt dieses Suchspiels war dann ein Gleis-Übergang mit Schranke:

Die Schranke schloss vor unseren Augen und der Zug ließ 10 min auf sich warten. Als der Zug durch war, blieb die Schranke unten. Für einen weiteren Zug. In 10 min. Das war uns zu lange, denn um 21:00 Uhr schließen alle Tempel ihre Türen. Und da hatten wir nicht mehr viel Zeit. Ich ließ mein Rad bei Annett stehen und lief zu Fuß unter der Schranke her auf die andere Seite (wie alle Fußgänger es machten). Ich lief ca. 300 m die Straße hinauf und fragte 3 Anwohner: keiner kannte den gesuchten Tempel. Also mussten wir in einem anderen Stadtteil weiter suchen.

Ich lief zurück bis zu unseren Rädern am Bahnübergang. Doch da stand nur noch Annetts Rad. Während ich in der Dunkelheit Annett und mein Fahrrad suchte, schloss die Schranke hinter mir wieder. Und dann sah ich Annett: auf der anderen Seite der Gleise. Sie hatte in der Zwischenzeit mein Rad über die Gleise geschoben und wollte nun ihr Rad nachholen. Sie wusste natürlich noch nicht, dass wir wieder zurückfahren mussten. Und jetzt trennte uns erst einmal die Schranke und wir durften wieder 10 min warten, bis der Zug kam. Und auch diesmal blieb die Schranke für einen weiteren Zug geschlossen.

Ich suchte neben der Schranke nach dem Personal, dass die Schranke bediente und bat darum, die Schranke für eine einzige Minute zu öffnen, damit wir nicht noch mehr Zeit verlieren. Das lehnten sie strickt ab und dann gab es wilde Diskussionen unten den Kollegen. Und dann öffneten sie tatsächlich die Schranke für uns. Somit konnten wir direkt weiterfahren.

Gebracht hat es uns letztendlich doch nichts, denn es gab offenbar keinen Tempel weit und breit. Nach 3 Stunden Sucherei fuhren wir dann wieder zum Gurudwada und man gewährte uns eine zweite Übernachtung.

Samstag, 17.09.16

Wir fuhren noch einmal zum Taj Mahal und besichtigten den Gebäudekomplex, dem heißen Tipp eines Anwohners folgend, vom gegenüberliegenden Flussufer aus. Und tatsächlich genießt man von dort den gleichen Anblick. Der Taj Mahal ist symmetrisch aufgebaut und bietet von allen vier Seiten dasselbe Erscheinungsbild. Danach verließen wir Agra und fuhren weiter Richtung Lucknow, der Hauptstadt des Staates Uttar Pradesh.

Und immer wieder liefen uns die Affen über den Weg:   Clip

Wir hofften wieder darauf, am Abend einen Tempel zu finden, bevor es dunkel ist. Es ist aus der Karte leider nicht abzuschätzen, ob sich in einem Dorf ein Tempel oder ein anderer Schlafplatz-tauglicher Platz findet. Da halfen uns auch die Ortsangaben der Einheimischen nur selten bisher. Heute ging es jedenfalls wieder schief. Wir fuhren in die Nacht bei unserer Suche.

Nach einer Stunde Fahrt durch die Dunkelheit fanden wir dann aber doch noch einen kleinen Tempel an der Straße. Wir schliefen draußen auf einer Holzpritsche, wie die vier Mönche und Tempeldiener auch, und setzten erstmalig unser Moskitonetz ein. Nur gut, dass wir das schon von Deutschland aus mitgenommen haben; hier wäre die Beschaffung wieder eine endlose Sucherei geworden.

Sonntag, 18.09.16

Bei meinem Hinterrad war schon wieder Luft entwichen. In dieser Schwüle nach wenigen Tagen schon wieder den Schlauch flicken zu müssen, das war schon nervig genug. Aber wenn man dann kein Loch findet, selbst wenn man den Schlauch eine halbe Stunde lang in allen Positionen unter Wasser hält, das ist frustrierend. Ich baute wieder alles zusammen und hoffte, dass nur Dreck im Ventil die Ursache war.

Wir verabschiedeten uns mit einer Spende an die Tempeldiener und fuhren weiter. Um das laute Gehupe auf diesem belebten Highway besser ertragen zu können, fuhr ich seit gestern nur noch mit Gehörschutz. Das war deutlich angenehmer.

Auch heute war es, wie schon in den letzten Tagen, sehr heiß und tropisch schwül. Annett verträgt dieses Klima nicht gut. Sie fühlt sich den ganzen Tag schlapp und wir machen deshalb oft Pause.

In eine dieser Pausen integrierten wir die Besichtigung des relativ jungen Tempels „Vestmo dham“. Er ist dem Gott „Jai Mata Di“, dem Lord Druga, gewidmet. Sehr sehenswert. Und, wie üblich, hatten wir die ganze Zeit über eine Menge Besucher und Neugierige um unsere Räder herumstehen. Sie erklärten uns die Geschichte des Tempels, spendierten einen Tee und organisierten uns eine Süßspeise, die wir bisher noch nicht kannten. Sehr lecker. Als wir dann signalisierten, dass wir gerne etwas schlafen wollten, machten sie sich tatsächlich alle vom Acker und ließen uns alleine. Nach insgesamt 3 Stunden fuhren wir dann weiter.

In der Abenddämmerung fragten wir wieder in einem Tempel nach einem Schlafplatz. Es gab leider keinen Schlafplatz, doch ein Mönch führte uns 200 m weiter zu einem Restaurant-Neubau, sprach mit dem Eigentümer und organisierte uns somit einen Schlafplatz im Saal. Uns war die Luft im Saal viel zu heiß, sodass wir vorzogen, draußen auf der Terrasse zu schlafen. Wir legten unsere Matten auf den Boden unter 2 Tische und stülpten das Moskitonetz über die beiden Tische.

Ein Mitarbeiter des künftigen Restaurants war dabei die ganze Zeit um unser Wohlbefinden bemüht und organisierte uns aus der Küche noch etwas zu essen. Somit waren wir quasi die ersten Gäste in diesem neuen Restaurant.

Montag, 19.09.16

Der laute Verkehr, diese ständige Belagerung, die tropische Hitze, … all das hatte Spuren hinterlassen in unserer Reiselaune. Wir beschlossen, ab heute nur noch Nebenstraßen zu befahren und  unseren geplanten Abstecher durch Nepal deutlich zu erweitern.

Also verließen wir in Shikohabad den Highway und fuhren Richtung Mainpuri. In Ghiror erlebten wir zufällig die alljährliche Feier zu Ehren des Lord Mahavira, dem Propheten der Jain Community. Mich zogen sie gleich mit in ihren Umzug. Dann folgte eine Selfie-Orgie: alle wollten sich mit mir ablichten. Als sie dann bemerkten, dass ich Lord Mahavira in Verbindung zur Jain-Community kannte, luden sie uns zum Essen in ihr Gemeindehaus ein. Und dort saßen wir dann unter ca. 200 Indern und aßen Chapatee und andere Köstlichkeiten.

Danach lud uns ein Anwohner auf eine Flasche kaltes Wasser zu sich ein. Das tat gut, denn uns lief der Schweiß den ganzen Tag am Körper herunter. Wir wollten nicht zu lange bleiben, um noch genug Zeit für die Schlafplatzsuche zu haben, bevor es dunkel wird. Daraufhin bot er uns die Übernachtung im Haus an und zeigte auf das Doppelbett im Schlafzimmer.  Also blieben wir und freuten uns. Nach und nach kamen alle Familienmitglieder vorbei und belagerten uns. Jeder Gegenstand unserer Ausrüstung wurde erkundet und bestaunt.

Später kam dann Satish Madhup vorbei und wollte ein Interview mit uns für die indische Zeitung „Amar Ujala“ durchführen. Er ist Dichter, Poet und Journalist und ist im indischen Staat Uttar Pradesh sehr bekannt. Das war schon etwas besonderes.

Zum Finale kamen dann noch die Eltern vorbei. Bis alle unser Schlafzimmer verließen, war es 22:00 Uhr. Bis dahin hatten wir keine freie Minute und hatten permanent Gesellschaft. Doch statt der ersehnten Schlafruhe fand jetzt ein Umzug statt: unser Gastgeber forderte uns zum Packen auf und machte deutlich, dass wir im Tempel, 300 m weiter die Straße hinauf, übernachten würden. Damit hatten wir jetzt gar nicht gerechnet. Und verstanden haben wir es bis heute nicht.

Der Schlafplatz im Tempel war soweit ok. Offenbar war das Bett nur der Köder, um ein Interview mit uns zu bekommen. Wir beschlossen, in Zukunft vorsichtiger zu sein im Umgang mit Einladungen.

Dienstag, 20.09.16

Die Mücken hatten uns stark zugesetzt über die gesamte Nacht. Wir mussten uns den Hüttenschlafsack bis über den Kopf ziehen. Und nachts um 3:00 Uhr lieferten sich 2 Affen im Bereich unserer Fahrräder einen ziemlich lauten Streit. Da war unsere Sorge groß, dass sie sich an unserem Gepäck zu schaffen machten. Doch es blieb beim nächtlichen Schreck.

Ein prüfender Blick auf mein Hinterrad zeigte mir, dass ich tatsächlich keine Luft mehr verlor. Dann war es möglicherweise doch nur Dreck im Ventil. Glück gehabt.

Um 7:00 waren wir heute schon auf der Straße. So wollten wir die kühleren Morgenstunden zum Radeln nutzen. Doch schon eine Stunde später stoppte uns der nächste Plattfuß. Diesmal hatte es Annett erwischt. Ein Nagel steckte im Mantel.

Dumm war dabei nur, dass ich durch den Gehörschutz Annetts Rufen überhört hatte und nichtsahnend einige km weitergefahren war. Und sie schickte mir einen SMS, die bei mir aber nicht ankam, warum auch immer. So verloren wir ca. einen Stunde mit gegenseitiger Warterei. Die Reparatur ging dann, wie üblich, recht schnell von statten.

In Mainpuri besichtigten wir die größte der insgesamt 24 islamischen Moscheen, die „Badi Khangah“. Das Kellergeschoss beherbergt die Schreine zweier bedeutender Persönlichkeiten. Und eine kleine Schule ist im Hinterhof in das Gelände integriert.

Dann wollte man wieder ein Interview mit uns organisieren. Nach den gestrigen Ereignissen um das Interview lehnten wir heute dankend ab.

Während unserer Pause schielte ich kurz auf meinen Hinterrad-Reifen und musste mit Entsetzen feststellen, dass ich tatsächlich wieder Luft verlor. Ich verschob die Reparaturarbeiten in den Abend und half mir vorerst mit Aufpumpen.

Nach der Mittagspause verließen wir Mainpuri und fanden in einer Schule einen ruhigen Schlafplatz in einem leerstehenden Gebäude. Hier ließ man uns die ganze Zeit über in Ruhe. Das war sehr entspannend nach den letzten drei Übernachtungsplätzen.

Ich nutzte das letzte Tageslicht noch für die Reparatur meines Hinterrades und wurde dabei gerade so vor der Dunkelheit fertig. Diesmal war das Loch im Schlauch schnell gefunden: an der Überlappung zweier Flicken trat Luft aus. Vor zwei Tagen waren dort keine Blasen sichtbar unter Wasser. Warum auch immer.

Mittwoch, 21.09.16

Wir waren um 7:00 Uhr fahrbereit und es war schon wieder extrem heiß und schwül. Das Radeln durch die Windstille brachte auch keine Abkühlung. So schwitzten wir dahin auf der Straße Richtung Lucknow.

Straßen-Szene mit Musik:   Clip

Unterwegs besichtigten wir einen Park mit Skulpturen aus der Hindu-Kultur und probierten wieder neue regionale Leckereien aus den Straßenküchen der Dörfer. Das allermeiste dabei ist scharf gewürzt oder süß. Leider hat Annett mit beidem ein Problem. Sie sucht immer etwas länger, bis sie fündig wird.

Im Laufe des Tages braute sich dann ein Gewitter zusammen, was mit einem kräftigen Sturm daher kam. Vor dem Regen wirbelte der Wind so viel Sand auf, dass die Luft zeitweise smogartig diesig wurde. Wir stellten uns samt Räder in einem halboffenen Restaurant unter und warteten die Schauer geduldig ab. Das ersparte uns die viel zu warme Regenkleidung.

Für die Nacht fanden wir in einem Innenhof einen Platz für unsere Schlafmatten auf dem Steinboden unter freiem Himmel. Und auch heute bauten wir wieder unser Mückennetz auf. Und wir hofften auf eine Regen-freie Nacht.

Donnerstag, 22.09.16

Es hatte nicht geregnet in der Nacht. Da hatten wir Glück gehabt. Zumal der Himmel am Morgen komplett bedeckt war; ein seltenes Bild auf unserer bisherigen Reise.

Annett kam langsam an ihre Grenzen. Sie fühlte sich schlapp und hatte Magenkrämpfe. Und ihr war plötzlich alles zuviel hier in Indien: Hitze, Luftfeuchtigkeit, Staub, Lärm, die scharfe indische Küche, die indiskrete Aufdringlichkeit der Inder und andere uns fremde Angewohnheiten der indischen Bevölkerung. Das alles hatte sie über die letzten Tage zermürbt. Nach meiner  Vermutung war es aber nicht eine wachsende Abneigung gegen Indien, sondern irgendeine Tropenkrankheit. Seit Usbekistan hatte sie nun Probleme mit der Verdauung. Wir beschlossen, in Lucknow einen Arzt aufzusuchen.

Kurz vor Bilhaur suchten wir uns ein Nachtquartier. Und das verlief heute etwas mühsam. Wir fragten zunächst in einer Schule: der Kantinenchef sagte ja, aber der Rektor sagte dann doch nein. Also suchten wir weiter. Der nächste Versuch war ein Tempel. Doch der Tempeldiener verstand nicht, was wir wollten und lud uns stattdessen zur abendlichen Zeremonie ein. Dann fragten wir an einer Farm. Und endlich hatten wir unseren Platz für die Nacht.

Wir legten unsere Matten unter eine allseitig offene Dachkonstruktion zwischen zwei Bäumen. An den tragenden Rohren des Daches hängten wir das Mückennetz auf. Als wir alles aufgebaut hatten, bemerkten wir ein Gewitter, das offensichtlich auf uns zuzog. Bei einem heftigen Wolkenbruch würden wir wegschwimmen, soviel stand fest. Doch das Gewitter zog an uns vorbei. Was blieb, war die Sorge, dass es nicht das letzte Gewitter für diese Nacht war.

Freitag, 23.09.16

Wir hatten wieder Glück gehabt: es gab keinen Regen in der Nacht. Dafür war es am frühen Morgen schon bewölkt und gewittrig schwül. Aus der Ferne hörte man Donnergrollen. Wir gewannen den Eindruck, der Monsun wollte auf seine letzten Tage noch einmal zeigen, was er kann.

Annett fühlte sich weiterhin kraftlos. So legten wir schon früh am Morgen eine Pause ein. Sie legte sich auf eine Pritsche, während ich kalte Limo kaufte. Als ich zurückkam, war sie schon in den besten Händen: jemand hatte ihr kaltes Wasser gereicht, drei andere bauten einen mit einer Autobatterie betriebenen Ventilator auf, dann wurde eine Decke organisiert. Wir fühlten uns so gut aufgehoben wie in einem Lazarett. Und immer wieder wurden die ca. 30 Schaulustigen fortgeschickt. Zur Stärkung wurden wir dann noch zum Essen ins Haus eingeladen. So nervig sie manchmal auch waren, so liebenswürdig und fürsorglich können sie sein, die Inder.

Seit Tagen quälen wir uns bei 35 bis 40°C und extrem hoher Luftfeuchtigkeit durch die Ebene Nordindiens. Es weht kaum ein Lüftchen und es trocknet nichts. Die Wäsche, die wir abends waschen, ist morgens noch nass. Und auf der schwitzenden Haut haftet der allgegenwärtige Staub und bildet im Laufe des Tages eine klebrige Kruste. Sehr unangenehm.

Um 17:30 starteten wir, wie in den letzten Tagen, unsere Suche nach einem Schlafplatz. Und auch heute lief es etwas verhext: es war kein Tempel in der Nähe und die Dörfer waren klein und nicht sehr vertrauenserweckend. Die Dämmerung hatte längst eingesetzt.

Vor Asiwan erspähten wir dann zufällig einen Gebäude-Komplex, der wie ein Gurudwara aussah. Wir suchten uns auf eigene Faust einen Weg dorthin durch die engen Dorfpfade, nachdem wir mehrfach vergeblich nach dem Weg gefragt hatten. Mittlerweile war es fast dunkel. Nach mehreren Versuchen gaben wir auf. Dann erfuhren wir, dass es sich um eine islamische Moschee handelt. Die erlaubten uns bisher noch nie eine Nacht in ihren Hallen. Also hätte es uns sowieso nicht weitergeholfen.

Den Beschreibungen der Anwohner folgend, fuhren wir zur Hauptstraße zurück, in der Erwartung, jetzt noch 5 km durch stockfinstere Nacht bis zum nächsten Tempel fahren zu müssen. Vermutlich werden wir den Tempel bei Dunkelheit gar nicht als solchen wahrnehmen und fahren daran vorbei. Dann könnte die heutige Nacht noch sehr anstrengend werden.

10 m vor der Hauptstraße fragten wir dann spontan an einer Polizeistation einen Polizisten nach einem Schlafplatz. Schaden kann es ja nicht, wenn man fragt. Natürlich könnten wir übernachten hier. Er ließ einen Tisch und drei Stühle vor das Polizeigebäude tragen und bat uns, dort ihm gegenüber Platz zu nehmen. Wir dachten, er hätte uns nicht verstanden und wollten wieder gehen, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Doch er zog uns zurück und rief seinen Sohn an. Der war nämlich der englischen Sprache mächtig und sollte nun dolmetschen. Mittlerweile hatten sich 10 weitere Polizisten und genau so viele Passanten um uns herum versammelt und verfolgten das Schauspiel.

Dann folgte eine Verhör-ähnliche Unterhaltung im Dreieck mit dem Sohn und eine halbe Stunde später bekamen wir eine Pritsche zum Schlafen, Tee mit Gebäck, einen Waschraum und zum Finale eine warme Mahlzeit. Wir waren sehr erleichtert über diese unerwartete Wendung. Das ging gerade nochmal gut.

Samstag, 24.09.16

Der Schlafplatz vor dem Gebäude war angenehm kühl. Nur die Mücken hatten uns ordentlich zerstochen. Aber das war immer noch besser als in der nächtlichen Dunkelheit weiter suchen zu müssen. Auf den folgenden 10 km war nämlich kein Tempel zu sehen. Hätte uns die Polizei gestern abgewiesen, wäre die Suche nach dem Schlafplatz ein Desaster geworden. Natürlich bliebe das Zelt als letzte Alternative, doch man weiß nie, wieviel Publikum man dann bis tief in die Nacht am Zelt hat.

Im ersten größeren Dorf erblickte ich in einer kleinen Werkstatt zufällig einen Schraubstock. Den suchte ich nun schon seit einigen Wochen für das Basteln an meinem Werkzeug für die Freilauf-Demontage an unseren Rädern. Ich hielt an und fragte noch nach Säge und Feile. Sie holten daraufhin eine Schleifhexe, zeigten mir die Bedienung und ich konnte starten. Kaum zwei Sekunden war die Maschine eingeschaltet, da fiel der Strom aus. Das war’s! Enttäuscht und unverrichteter Dinge fuhren wir weiter.

Töpfer bei der Arbeit:    Clip

Im späten Nachmittag erreichten wir Lucknow, die Hauptstadt vom Staat Uttar Pradesh. Wir suchten sofort nach Wifi, um über Warmshowers eine Bleibe zu finden. In den letzten Tagen gab es nirgendwo Wifi oder Internet-Cafes, sodass wir diesmal unvorbereitet waren.

Es begann wieder einmal ein aufwändiges Suchspiel durch die Vorort-Straßen und das dichte Verkehrs-Chaos, dass nach vielen irreführenden Empfehlungen und 2 Stunden Fahrerei in einem kleinen Büro dann doch noch erfolgreich endete: ich durfte den Computer samt Internet nutzen.

Drei Einträge gab es unter Warmshowers für Lucknow. Alle waren telefonisch erreichbar (gut so, denn damit ist die Kontaktaufnahme erfolgreicher als per Mail). Der Erste war wohl nicht mehr bei Warmshowers, der Zweite war zur Zeit nicht in der Stadt und der Dritte, Aman, wohnte leider 20 km außerhalb der Stadt. Aber Aman wollte uns auf jeden Fall aufnehmen und wir verabredeten uns. Er kam uns abholen per Scooter und wir fuhren durch dichtesten Verkehr und stockfinstere Nacht ganze 32 km, bis wir Amans Wohnung erreichten. Das war Rekord! Soviel fahren wir an manchen Tagen nicht auf unserer Reise. Und heute war das alleine die Heimfahrt zur Unterkunft.

Aber wir waren in guten Händen, das spürten wir sofort. Aman war Profi im Radsport und der schnellste Sprinter hier in Uttar Pradesh. Und er hatte Zeit, um uns bei Besichtigungen und unseren Jobs zu begleiten.

Sonntag, 25.09.16

Nach dem anstrengenden Tag gestern schliefen wir heute etwas länger. Dann stand Wäsche waschen an. Wir nutzten die Leine auf dem Hausdach  zum Trocknen der Wäsche in der Sonne. Wir sollten nur aufpassen, dass wir den Hochspannungsleitungen nicht zu nahe kommen. Die führten nämlich zum Greifen nahe direkt hinter der Wäscheleine entlang und transportierten Strom mit 30.000 Volt. Sehr ungesund bei Kontakt.

Den anstehenden Besuch von Annett beim Arzt mussten wir auf morgen verschieben. Sonntags ist leider nur die Notaufnahme besetzt. Annett hatte jetzt seit drei Monaten Probleme mit Magen und Darm, seit zwei Wochen stetig schlimmer werdend: sie fühlte sich schlapp und kraftlos, hatte keinen Appetit und seit Juni 8 kg abgenommen.

Montag, 26.09.16

Aman fuhr uns mit dem Auto zum nächsten Hospital, wo sich Annett behandeln lassen wollte. Dank Amans Begleitung wurden wir direkt an zwei langen Warteschlangen vorbeigeschleust und waren nach 15 min fertig mit der Anamnese. Morgen würden Blutabnahme, Speichelprobe und Urinprobe entnommen und 4 Tage später lägen die Ergebnisse vor.

Am Nachmittag nahm mich Aman per Moped mit in die Stadt und half mir bei der Suche nach Kartenmaterial von Nordindien und Nepal. Das Warten auf unser Karten-Paket aus Deutschland war ich leid. Aber wir brauchten jetzt detaillierte Karten für die weitere Streckenplanung. Wir wurden fündig und ich kaufte die ersehnten Karten. Eine Karte von Nepal suchten wir uns im Internet als Foto und ließen es im Copyshop ausdrucken. Das war besser als gar nichts.

Nach einigen weiteren Besorgungen fuhren wir wieder nach Hause. Die Fahrt mit dem Moped durch den abendlichen Verkehr von Lucknow war atemberaubend. Aman fuhr wie der Teufel; er nutzte jede Nische und gab Gas wie kein anderer. Er war tatsächlich der Schnellste im Verkehr.

Am Abend stellte ich unter Berücksichtigung von Amanns Empfehlungen unsere Route durch Indien und Nepal bis zur Grenze von Myanmar zusammen. Ich errechnete ca. 2600 km Strecke von Lucknow bis zur Grenze nach Myanmar. Uns blieben aber nur ca. anderthalb Monate Visa-Gültigkeit für Indien. Da hatten wir jetzt ein strammes Programm vor uns.

Dienstag, 27.09.16

Um 8:00 Uhr wollte Aman uns zum Krankenhaus fahren für die anstehenden Untersuchungen. Wir waren um 8:00 Uhr startklar und warteten. Doch schrittweise änderte Aman den Plan und wir fuhren tatsächlich erst um 11:00 Uhr los. Viel zu spät. Auf dem Weg standen wir erst einmal eine Stunde im Stau.

Dann kam die Parkplatzsuche vor dem Krankenhaus. Das Krankenhaus war zur Mittagszeit so dicht bevölkert wie eine Flughafen-Halle. An jedem Schalter und vor jeder Türe stand eine Warteschlange. Alle drängelten und die Stimmung war sehr gereizt. Aman benötigte eine halbe Stunde, bis er den für uns zuständigen Schalter gefunden hatte. Wie lange hätten wir ohne ihn wohl gesucht?!

Wir erhielten einen Zettel und weiter ging die Suche nach dem richtigen Behandlungszimmer. Nach einer weiteren halben Stunde in der Warteschlange war absehbar, dass wir noch mit weiteren 2 Stunden Wartezeit rechnen mussten. Da beschlossen wir, morgen früh um 6:00 Uhr wiederzukommen und fuhren wieder heim.

Am Abend übernahmen wir dann fürs Dinner das Zepter in der Küche und bekochten unsere Gastgeber: Bratkartoffel mit Ei und Tomate, nach deutscher Art gewürzt. Kam sehr gut an.

Danach fuhr Aman mit uns in die Stadt und zeigte uns einige Sehenswürdigkeiten von Lucknow in abendlicher Beleuchtung.

Seltsame Tiere in Lucknow:    Clip

 

Zu allerletzt änderte Aman dann noch die Planung für morgen: wir würden erst um 8:00 Uhr starten und in ein halb-öffentliches Charité-Krankenhaus fahren. Dort sei nicht soviel Betrieb. Und seine Freundin (sie ist Krankenschwester) käme mit.

Mittwoch, 28.09.16

Um 8:00 Uhr waren wir wieder abfahrbereit. Aman holte jetzt aber zuerst die Freundin von der Nachtschicht ab. Danach würden wir dann aufbrechen zum erwähnten Charité-Krankenhaus. Und statt seiner Freundin würde nun sein Bruder mitfahren.

Langsam wurde uns klar, warum deutsche Firmen so große Probleme haben mit Niederlassungen in Indien: Planungen und Absprachen werden ständig geändert, Termine aufgeweicht. Die Kontrolle gleitet einem durch die Finger. Man bekommt nichts erledigt. Am Ende des Tages ist man frustriert über die geringe Effizienz bei der Abarbeitung von Aufgaben. Das irritiert einen, wenn man die Disziplin in der deutschen Arbeitsweise gewöhnt ist.

Wir fuhren jedenfalls um 9:00 Uhr los. Aber der Bruder kam nun doch nicht mit. Das Prozedere in diesem Krankenhaus war ähnlich wie gestern: Schalter suchen, Nummer besorgen, betreffenden Arzt suchen und dann warten, bis man dran ist. Nach einer Stunde wurde Annett behandelt. Ergebnis der Anamnese diesmal: Verschreibung von 5! verschiedenen Medikamenten und ein neuer Termin am Freitag. Keine Blut-, Urin- und Stuhl-Analyse vorerst.

Chemischer CocktailWir waren in Sorge, dass dieser chemische Cocktail möglicherweise mehr kaputt macht als dass er hilft. Aber großen Spielraum für Diskussionen mit dem Arzt gab es nicht. Die nächsten Patienten rannten schon die Türe ein. Ganze 4 min nahm sich der Arzt Zeit für uns. Aman half wieder bei der Übersetzung und bei der Beschaffung der Medikamente in der Krankenhaus-internen Apotheke. Interessant war für uns die Konfektionierung der Tabletten: man erhält keine vollen Packungen, sondern abgezählte Mengen. Aus den Blisterfolien wird die exakt benötigte Menge mit der Schere zugeschnitten.

Somit war nach 4 Tagen Aufenthalt in der Stadt endlich die Behandlung eingeleitet. Und es war absehbar, dass wir noch mindestens bis Samstag hier bleiben werden.

Die Zeit bis Freitag wollte ich für die Arbeit an unserem Blog nutzen. Aman bot mir zwar seinen Computer an, doch der PC stand im Schlafzimmer der beiden. Da konnte ich natürlich nur dran, wenn gerade keiner schlief. Aman schlief nachts, seine Freundin hatte Nachtschicht und schlief halt tagsüber. Das Zeitfenster war also sehr klein bisher. War das Schlafzimmer mal frei, war meist keiner der beiden verfügbar, um den Computer hoch zufahren. Heute Nacht hatte die Freundin dienstfrei. Also hatte ich für morgen früh gute Chancen.

Donnerstag, 29.09.16

Der Tag beginnt hier in unserer Bleibe deutlich später als wir es in den Tempeln erlebt haben. Vor 8:00 Uhr bewegt sich in der Wohnung nichts. Zwischen 10 und 11 Uhr gibt es Frühstück, um 15 Uhr Lunch und nachts um 22 Uhr Dinner. Ab 23 Uhr sind alle in ihren Gemächern verschwunden.

Amans Freundin hatte Fieber und Kopfschmerzen heute morgen. Sie blieb im Bett. Damit fiel die erhoffte PC-Session natürlich aus. Jetzt reichte mir das Bitten und Betteln um den PC. Ich fragte Aman nach Internetcafés in der Nähe und er bot mir an, mich mit dem Scooter dorthin zu fahren. Direkt nach dem Frühstück.

“ Nach dem Frühstück“ war heute um 12 Uhr. Somit war der halbe Tag schon vertrödelt, bevor ich mit den geplanten Arbeiten beginnen konnte. Verbindliche Absprachen oder klare Termine sind hier nicht möglich. Diese indische Mentalität ist sehr gewöhnungsbedürftig. Damit muss man erst einmal klar kommen.

Im Internetcafé konnte ich dann einige Stunden ungestört am Blog arbeiten. Ab und zu schauten neugierige Inder mir dabei zu. Daran muss man sich gewöhnen. Andere Kunden lassen den Chef des Cafés ihre Online-Banking-Überweisungen ausführen; samt Herausgabe ihrer Passwörter. Das ist alles normal hier.

Freitag, 30.09.16

Um 10 Uhr hatte Annett ihren Termin im Krankenhaus. Große Veränderungen hatten die vergangenen anderthalb Tage Behandlung nicht erzeugt. Aber es ging ihr etwas besser. Die Verabreichung der Medikamente wurden um drei Tage verlängert. Und es gab keinen Termin; wir können also morgen weiterfahren.

Ich nutzte den letzten Tag für einen zweiten Besuch im Internetcafé. Recherchen zu Unterkünften in Nepal und Myanmar sowie die Einreise-Bestimmungen für Nepal, PDF-Files von den Myanmar-Visa anfertigen für die MTT-Permits, Fotos verschieben von den SD-Karten auf unsere externe Festplatte, usw.

Ich hatte alle Geräte mit dem PC verkabelt und wollte gerade Dateien von der Kamera auf unsere Festplatte verschieben, da fiel der Strom aus. So etwas kann böse enden. Aber ich hatte noch einmal Glück gehabt. Es war nichts verloren gegangen. Im weiteren Verlauf konnte ich dann doch noch ungestört arbeiten.

Abends packten wir schon unsere Taschen für die frühzeitige Abfahrt morgen früh. Aman war gar nicht begeistert. Er wollte uns noch ein paar Tage länger als Gäste behalten. Doch uns lief die Zeit davon. Bis zur Grenze von Myanmar waren es noch 2600 km Strecke. Und wir hatten nur noch 40 Tage Zeit. Sehr knapp.

Kurz vor der Nachtruhe gab es tatsächlich doch noch den Zugang zu Amans PC. Doch ausgerechnet jetzt stand Internet wohl nicht zur Verfügung. Die Leitung war tot. So ist das in Indien: die Verfügbarkeit von Wasser, Strom und Internet gleicht einem Glücksspiel. Nach einer halben Stunde gab ich das Warten auf.

Samstag, 01.10.16

Um 8 Uhr waren wir fahrbereit. Aman lotste uns noch auf den richtigen Weg. Dann gab es wieder einmal eine herzliche Verabschiedung. Ohne ihn hätten wir viele Stunden mit Suchen verbracht und die medizinische Behandlung von Annett wäre noch lange nicht zu Ende hier in Lucknow. Wir waren ihm sehr dankbar.

Wir fuhren aus der Stadt Richtung Faizabad. Hinter Bara-Banki nervten uns 2 Inder mit Motorrad. Sie fuhren ständig hinter, neben oder vor uns her und ließen sich nicht abwimmeln. Plötzlich gaben sie Gas, stellten sich 100 m vor uns quer und zwangen uns zum Anhalten. Ich war etwas angespannt und rechnete jetzt mit allem, …

… nur nicht mit einem Polizisten. Genau dieser traf aber nach einer Minute bei uns ein. Und dann begann ein Verhör. Sie alle sprachen kein Englisch, wir kein Hindi. Dann diktieren sie uns auf die Gegenspur und ließen uns in Eskorte zurück fahren Richtung Lucknow. Wir sahen uns schon auf der Polizeistation viele Fragen beantworten.

Doch dann kam nach einigen km ein zweiter Polizist hinzu. Der Dolmetscher. Sie wollten alles über uns und den Grund unserer Anwesenheit in Indien wissen. Nur unsere Pässe samt Visa wollten sie nicht sehen. Nützt ihnen wahrscheinlich nichts, weil sie unsere Schrift nicht lesen können. Jedenfalls klang unsere Geschichte plausibel und wir durften wieder weiterfahren.

Auf der Suche nach einem Schlafplatz fanden wir zum Glück rechtzeitig einen Tempel in einer kleinen Siedlung, die eigentlich nur aus einfachsten Verkaufsständen an einer T-Kreuzung bestand. Bei Nacht hätten wir die Pagode des Tempels im Hinterland von der Straße aus nicht gesehen. Und bis Faizabad gibt es kaum Zivilisation. Das hätte heute leicht schief gehen können.

Sonntag, 02.10.16

Am frühen Morgen wimmelte es nur so vor Affen auf dem Tempel-Gelände. Der Pujari gab uns gleich einen Stock in die Hand. Damit sollten wir die Affen verjagen, sobald sie uns und unseren Sachen zu nahe kämen. Doch sie ließen uns in Ruhe beim Packen.

Zur Frühstückspause hielten wir dicht an der Straße. Als ich gerade an meiner Packtasche beschäftigt war, rauschte plötzlich ein Fahrzeug mit Höllenlärm und geschätzten 80 km/h an mir vorbei. Den Lärm verursachte ein Blechteil aus der Karosserie des Fahrzeugs, das seitlich wie ein Ausleger um ca. 70 cm aus dem Fahrzeug heraus stand und wie eine scharfe Sense über den Boden schliff. Es waren keine 5 cm Abstand zwischen diesem Blechteil und meinen Knochen. Und dem Fahrer des Wagens war offensichtlich gar nicht bekannt, dass seine Karosserie einen Schaden hatte.

Ich stand danach nur noch wie erstarrt in einer Staubwolke, schaute dem Wagen und dem Blechteil nach und wurde mir langsam darüber bewusst, wie nahe ich gerade dem Ende meiner Gesundheit und möglicherweise auch unserer Reise war.

In der selben Pause lief uns 5 min später eine kleine Schlange über den Weg. Sie sah harmlos aus. Doch als ich die Anwohner auf die Schlange hinwies, war schnell klar: das ist eine Giftschlange. Alle hielten respektvoll Abstand und starrten angespannt auf das Reptil. Ein Anwohner suchte einen langen Stock, wartete auf den richtigen Moment und schlug die Schlange tot. Dann lief das Leben wieder wie gewohnt weiter hier.

Film-Clip zur Schlange:   Clip

In Ayodhya, der Geburtsstadt vom Hindu-Gott Lord Ram Chandra besichtigten wir einige der vielen Tempel (unter anderem Choti Chawani) und die Ghats am Ufer des Ghaghara. Dieser Ort zählt zu den sieben heiligen Orten des Hinduismus. Allerdings durften wir unsere Räder keinen Augenblick aus dem Augen lassen. Es wimmelte vor freilaufenden Affen, die erpicht darauf waren, alles Gepäck an unseren Rädern auf Essbares zu durchsuchen. Einmal hatte ich nicht aufgepasst, da hatten sie schon alle Plastiktüten an meinem Rad aufgerissen und um das Rad herum ein Feld der Verwüstung hinterlassen. Zum Glück hatte ich keine wertvollen Dinge in den Tüten.

Die Ghats von Ayodhya:   Clip

Zum Abend hin wurden wir etwas nervös. Kein Tempel in dieser Stadt kam als Schlafplatz in Frage. Zu touristisch ist hier alles ausgerichtet. Dann lief mir zufällig ein Sikh über den Weg. Ich fragte ihn nach einem Gurudwara hier in der Stadt, obgleich ich dem wenig Chancen einräumte. Doch tatsächlich gab es sogar zwei hier. Wir erhielten die Wegbeschreibung, suchten den Gurudwara Nazarbag im Zentrum auf und erhielten auf Anfrage einen Schlafplatz. Das war wieder einmal knapp.

Abend-Szene in Ayodhya:   Clip

Montag, 03.10.16

Mit den Tempeln Dashrath Mohal und Kanak Bhawan setzten wir heute unsere Besichtigungstour von gestern fort. Dann folgte Sri Ram Janam Bhumi.

Diese heilige Staette ist etwas Besonderes, weil es hierzu eine ungewöhnliche Historie gibt. Sri Ram Janam Bhumi war ein bedeutender Hindu-Tempel, der zerstört wurde. Auf seinen Ruinen wurde im 16. Jh die islamische Bari-Moschee errichtet, die den Hindus natürlich ein Dorn im Auge war. In den 80er und 90er Jahren eskalierte der Konflikt dann. 1992 wurde die Bari-Moschee zerstört und daraufhin gab es Ausschreitungen im ganzen Land. Heute gleichen die Ruinen der Moschee und der provisorisch darauf errichtete Hindu-Tempel einem militärischen Sperrgebiet. Das Gelände ist eingezäunt und wird schwer bewacht. Die jüngsten Auseinandersetzungen mit mehreren Toten gab es noch in 2005.

Man kann die Anlage besichtigen, doch Fotografieren und Filmen ist nicht erlaubt und man wird 5 mal hintereinander auf verbotene Gegenstände abgetastet. Alle 50 m passiert man einen schwer bewaffneten Polizeiposten und auf dem ersten km läuft man durch einen rundum geschlossenen Stahlgitter-Kanal, der sicherstellt, dass man nicht den Weg verlässt. Nicht die religiösen Stätten sind hier für Nicht-Hindus das sehenswerte Objekt, sondern die Sicherheitsmaßnahmen.

Szene aus einem Tempel in Ayodhya:   Clip

Ayodhya war ein Erlebnis. Diese Dichte an Tempeln und historischen Bauwerken ist einmalig in Indien. Es war eines unserer Reise-Highlights.

Wir verließen die Stadt und fuhren Richtung Basti. Die letzten 20 km bis Basti nahm uns ein Kleinlaster mit. Als wir in Basti ankamen, war es schon dunkel. Wir fragten nach Tempel und Gurudwara und ließen uns den Weg dorthin erklären. Mit mehrfacher Hilfe der Anwohner fanden wir sie dann auch. Doch sowohl in den beiden Gurudwaras als auch im Tempel war keine Übernachtung möglich.

Wir beschlossen, außerhalb der Stadt nach einem Schlafplatz zu suchen. Direkt am Stadtrand fanden wir dann eine überdachte Pritsche neben einem Truck-Parkplatz. Und erstmalig hatten wir hier keine Menschentraube um uns herum. Dafür warf der Sicherheitsposten vom Truck-Parkplatz jetzt auch über die Nacht ein Auge auf uns und unsere Räder. Um 23 Uhr lagen wir endlich in unserem Hüttenschlafsack.

Dienstag, 04.10.16

Das wir gestern Nacht das Mückennetz nicht aufgebaut hatten, bezahlten wir mit einem Haufen Mückenstiche und einer schlaflosen Nacht. Wir fühlten uns wie gerädert.

Um Zeit zu gewinnen, fuhren wir die letzten 60 km bis Gorakhpur mit einem der vielen Klein-Transporter, die sie hier zur Personenbeförderung einsetzen. Man steht als Fahrgast auf der Ladefläche und hält sich am Geländer fest.

In Gorakhpur nutzten wir die Pause für einige Stunden im Internet-Cafe: Die Rechnung für unsere MTT-Permits war eingetroffen. Doch beim Lesen traf mich der Schlag: statt der erwarteten 160 US-$ standen jetzt 320 $ zuzüglich 25 $ Gebühren auf der Rechnung. Begründung: die Regierung fordert zwingend die Ausreise über den selben Grenzübergang und somit sind 2 Permits pro Person zu kaufen. Das roch wieder nach Touristen-Nepp. Bis 2015 gab es das Permit noch für 50 $. Seit 2015 bezahlte man 80 $. Das fanden wir schon happig, aber mit in Summe 345 $ kaum das Permit für uns jetzt nicht mehr in Frage.

Ich suchte sofort nach preiswerteren Alternativen für unsere Route. Per Flug von Kolkata nach Yangon: das wurde uns die Permits ersparen. Oder per Flug von Kolkata direkt nach Bangkok. Damit würden wir Myanmar aus unterer Route streichen. Ich schrieb auch noch eine zweite Reiseagentur in Myanmar an bzgl. MTT-Permit, doch sie antworteten nicht einmal.

Annett hatte langsam wieder Appetit. Die verabreichte Medizin war offensichtlich erfolgreich. Da waren wir erst einmal erleichtert. Alle paar km kam ihr Hunger zum Ausdruck. Das war wahrscheinlich der Nachholbedarf. Sie hatte schließlich 8 kg abgenommen über die letzten Wochen.

Um nicht wieder in eine nächtliche, desaströse Schlafplatzsuche zu geraten, fragten wir rechtzeitig in einem Tempel am Stadtrand von Gorakhpur. Wir konnten bleiben. Allerdings lag die Tempelanlage in einer Gabelung zwischen zwei Straßen mit viel Großstadt-Verkehr. Damit war uns ordentlich Geräuschkulisse sicher. Dazu kamen die vielen Tempel-Besucher. Wir wurden verfolgt, jeder Handgriff wurde beobachtet. Erst um 21 Uhr wurde es etwas ruhiger im Tempel.

Mittwoch, 05.10.16

Der Schlaf war sehr erholsam; dank Mückennetz und Gehörschutz. Doch ab 4 Uhr dröhnte die übliche indische Musik aus den Lautsprechern der Tempelanlage. Das war unser Wecker. Die Geräuschkulisse auf der Straße stieg sehr schnell wieder auf den Pegel von gestern Abend an. Wir packten zügig und waren um 6:30 Uhr auf der Straße.

Es war schön kühl heute morgen. Die Sonne kam durch die dicken Wolken nicht hindurch. Plötzlich verdunkelte sich der Himmel vor uns extrem schnell und es begann zu regnen. Unser erster Regen seit Wochen.

Wir stellten uns an einem Haus unter und nutzten die Zeit fürs Frühstück. Und wir konnten dabei einem professionellen Fahrrad-Service auf dem Nachbargrundstück bei der Arbeit zuschauen: Hammer und Zange ersetzten Schraubenzieher und 10er Maulschlüssel, die neuen Bremsklötze werden mit dem Hammer so lange in die Fassung geschlagen, bis sie nicht mehr herausrutschen. Alles scheint sehr basic. Gutes Werkzeug sieht man selten. Und „Ordnung und Sauberkeit“ am Arbeitsplatz sind dem Inder völlig fremd.

Es war nur eine kurze Gewitterschauer. Danach ging es weiter Richtung Nepal. Es waren noch 80 km bis zur Grenze. Für 20 km half uns ein Kleinlaster, der so nett war, uns mitzunehmen auf seiner leeren Ladefläche. Wir blieben bei den Rädern stehen und genossen derweil den frischen Fahrtwind.

Hinter Pharenda wurde die Straße deutlich schlechter und schmaler. Wir wollten vor der Einreise nach Nepal noch Kapilavastu besichtigen. Hier stehen die Ruinen eines buddhistischen Stupas. Doch die Suche nach der richtigen Straße glich einer Odyssee. Des öfteren hatten wir den Eindruck, uns verfahren zu haben. Bei der Befragung der „Ortskundigen“ zeigten uns 50% die eine und 50% die andere Richtung. Und in unserer Offline-Map im Smartphone gab es diese Straße gar nicht. Nach 2 Stunden gaben wir die Suche auf und fuhren zurück zur Hauptstraße Richtung Grenze.

Straßen-Szene mit Musik:   Clip

Buffalos baden im Schlamm:   Clip

In einer der vielen Kurzpausen entdeckten wir eine neue Spezialität der indischen Küche: frittierte Banane. Wir holten uns gleich noch einen Nachschlag; so gut schmeckten sie uns. Das bekamen natürlich auch die vielen Einheimischen mit, die uns wie immer sehr aufmerksam beobachten. Und dann brachte uns jemand aus der Menge noch eine weitere Portion dieses Gebäcks. Danach spendierten uns jemand eine Runde indischen Tee, 2 Tüten Knabbergebäck und noch einige Bananen. Wir wollten das Knabbergebäck sofort unter den vielen Kindern in der ersten Reihe verteilen. Doch die wichen alle zurück und lehnten strickt ab. So ist halt die indische Kultur. Also mussten wir die Chips vor den Augen der Kinder essen. Etwas bedrückend.

Auf jeden Fall war diese Pause ein besonderes Ereignis für beide Seiten. Geschätzte 80 Menschen hatten sich nach und nach um uns versammelt. So nervig es manchmal auch ist, so faszinierend ist das Interesse und die Freundlichkeit der Menschen auf der anderen Seite.

Am Abend fanden wir 25 km vor der Grenze an einem Tempel wieder einen Schlafplatz. Hinter dem Tempel war eine Wiese und genug Ruhe und Sichtschutz. Doch der Pujari wies uns direkt einen anderen Platz zu, wegen der vielen Cobras im Wiesengelände. Da hofften wir mal, dass wir nicht doch noch unerwünschten Besuch bekommen würden in der Nacht.

Der Pujari wohnte neben dem Tempel. Und er lud uns später noch zum Dinner ein. Dabei erlebten wir auch wieder gewöhnungsbedürftige indische Kultur: zuerst essen die Gäste, danach die Gastgeber. Und während dem Essen schauen sie einem permanent zu.

Donnerstag, 06.10.16

Nachts um 2:30 Uhr wurde ich wach vom Wetterleuchten. Es waren extrem viele Blitze. Ich machte mir Sorgen, ob wir die Nacht trocken überstehen würden. Wir lagen ja unter freiem Himmel.

Ich schlief nicht wieder ein. Stattdessen ging ich in Gedanken den Umzug durch, wenn es plötzlich doch regnet. Neben dem Tempel stand ein zweites Gebäude. Halboffen und mit Lehmboden, aber voll überdacht. Dahin würden wir flüchten.

Um 4:00 hörte man das erste Donnergrollen, gar nicht weit entfernt. Es war so weit: ich weckte Annett und wir bauten das Mückennetz ab und zogen um in das erwähnte Gebäude. Kaum hatten wir die Matten liegen, begann es zu stürmen und kurz darauf fiel der Regnen. Es gewitterte bis um 8:00 Uhr bei heftigem Regen. Das war ganz schön knapp.

Pünktlich zu unserer Abfahrt um 10 Uhr hörte der Regen auf. Doch vor uns lagen nun einige km Lehmpiste. Und die hatte der Regen so aufgeweicht, dass wir mehrmals tief im Schlamm versanken. Aber nach einer Stunde war auch das überstanden.

Der Regen und die späte Abfahrt hatten uns in der Zeit natürlich zurückgeworfen. So erreichten wir die Grenze zu Nepal erst am späten Nachmittag. Dafür ging die Grenzabwicklung schnell und einfach über die Bühne:

Der „Grenzübergang“ ist tatsächlich eine offene Durchgangsstraße. Die kleinen Büros für die Grenzformalitäten muss man sich selber suchen. Aber die Behandlung ist auf beiden Seiten sehr freundlich, fast kumpelhaft. Und schnell. So waren wir um 17 Uhr in Nepal angekommen.

Weiter geht es im Artikel  Nepal 2016.

Resume Indien

Insgesamt waren wir  bisher vier Wochen in Indien unterwegs. Und nach unserem Aufenthalt in Nepal werden wir erneut nach Indien einreisen. Bisher sind wir ausschließlich durch New Delhi und den Staat Uttar Pradesh geradelt. Indien besteht aber aus 29 Staaten und 7 freien Städten. Also haben hier höchstens einen ersten Eindruck von Indien gewonnen. Dieser war jedoch schon sehr intensiv.

Die extrem hohe Luftfeuchtigkeit und die tropischen Temperaturen haben uns in den ersten Wochen sehr zugesetzt. September ist halt noch Monsun-Zeit. Man schwitzt pausenlos und in der feuchten Luft trocknet alles nur sehr langsam. Die Nächte sind unerträglich heiß, selbst der Deckenventilator ändert daran nicht viel. Aber der große Regen war schon durch, als wir Indien erreichten. Davor blieben wir verschont.

Wir hatten nur selten ein ruhiges Fleckchen für eine Pause oder das Schreiben am Blog. Und nachts waren wir zu müde oder die Insekten machten uns das Schreiben unerträglich, weil das helle Display des Handys wie ein Magnet wirkte.

Wifi findet man nur sehr selten. In großen Hotels geht im Hinblick auf Wifi ohne Zimmerbuchung gar nichts. Und bei der Nutzung von Internet im Internet-Cafe sind Up- und Downloads nur in geringem Umfang oder gar nicht erlaubt. Auch in privaten Haushalten ist das Datenvolumen begrenzt und muss nach Verbrauch nachgekauft werden. Besser ist tatsächlich die Nutzung einer indische SIM-Karte mit Datenvolumen für das Handy. Dann ist man auch gegen die täglichen Stromausfälle immun.

Nach der sehr eintönigen Küche in Zentralasien (Tee, Brot und Plov) war die reichhaltige indische Küche ein unglaubliches Erlebnis. Die Vielfalt an Speisen und Geschmacksrichtungen ist unerschöpflich. Bei den Getränken ist es ähnlich: es gibt frisch gepressten Zuckerrohrsaft, Kokosmilch, Lemonensaft, süße Milchgetränke und vieles mehr.

Es wird viel Tee und wenig Kaffee getrunken. Beide Getränke schmecken eigentlich gleich, weil Milch und Zucker dominieren. Schmecken beide aber sehr gut. Gutes, gefiltertes Trinkwasser oder trinkbares Grundwasser aus einem Brunnen ist fast überall verfügbar. Das traf zumindest auf Uttar Pradesh zu.

So vielseitig wie die Küche, so bunt und schillernd ist auch das Leben überall. Die Farbenpracht überlagert oftmals sogar die Armut und das ewige Chaos in den Straßen. Selbst die endlosen Müllberge schimmern in allen Farben. Aber der Begriff „Müll“ ist hier in Indien schwierig zu definieren: oftmals ist es kein Müll, sondern ein Wertstoffdepot für die unteren Kasten oder eine Futterquelle für Kühe und Schweine.

Unseren Müll wollten wir stets in einer Mülltonne entsorgen. Doch das sind „Perlen vor die Säue“. Denn allmorgentlich kehren die Inder den Müll vor ihren Läden und Häusern zusammen, schütten den Inhalt der Mülleimer hinzu und verbrennen alles. Natürlich auch unseren Müll.

Geschlafen haben wir nie im Zelt. Vielmehr folgten wir der Empfehlung der Einheimischen, Hindu-Tempel, Kirchen, Gurudwaras (die Gebetstempel der Sikhs) oder Schulen aufzusuchen. Die erlauben meist kostenlos oder gegen eine kleine Spende eine Übernachtung und sind sicherer als ein Zeltplatz. An manchen Tagen wurden wir auch eingeladen, doch meist war das zu früh am Tag und wir wollten noch einige km fahren. Enttäuscht waren wir  dagegen von unserer katholischen Kirche: in einem katholischen Priester-Seminar hatten sie uns direkt abgewiesen mit der Begründung: „Übernachtungen seien nicht üblich“.

Ameisen und Fliegen muss man mögen, dann erträgt man den Aufenthalt im Land leichter. Die Ameisen sind zwar bis zu 2 cm groß, aber harmlos. Die Fliegen sind dagegen sehr dreist und nervig. Und von Beidem gibt es Unmengen überall.

Um uns vor Malaria zu schützen, nahmen wir täglich eine flüssige Tinktur aus der Pflanze Tinospora cordifolia von Patanjali: „Giloy Juice“. Das ist ein Naturprodukt, wie alles von Patanjali, und schützt wohl auch gegen Denguefieber und Chikungunya. Zusätzlich hatten wir die Salbe „Odomos Natursls Moskito Repellent“ in Delhi gekauft.

Indien ist staubig. Täglich legt sich eine dünne, klebrige Sandschicht auf die Packtaschen. Ist ja weiter nicht schlimm, aber jeder Griff zu den Packtaschen erzeugte sandige, klebrige Finger. Den Staub schluckt man natürlich auch auf der Straße: ständig knirscht es zwischen den Zähnen. Annett fuhr nur noch mit einem Tuch als Atemschutz.

An die Indiskretion in Indien muss man sich erst gewöhnen. Jeder Handgriff wird neugierig beobachtet, es gibt keine Tabuzone. Will man ungestört sein, muss man entweder lange nach einem geeigneten Ort suchen oder beherzt alle Zuschauer fort schicken. Manchmal erhält man dann auch Unterstützung von einem Inder, der kapiert hat, dass man Ruhe haben möchte.

Und an die Mentalität der Inder muss man sich gewöhnen: Vereinbarungen, Termine und Planungen sind nie verbindlich und werden meist mehrfach abgeändert oder ganz aufgelöst. Mit deutsch geprägter Erwartungshaltung ist das überhaupt nicht vereinbar und kann einen zum Wahnsinn treiben.

Indien ist in vieler Hinsicht besonders: unglaubliche Menschenmassen auf der Straße, extrem dichter und chaotischer Verkehr, pausenlos ungehemmtes Hupen und Gedränge, scharfe Speisen an jeder Straßenecke, der deutlich sichtbare Unterschied zwischen den Kasten. Es wird an jeder Stelle hemmungslos uriniert, die Männer packen sich ständig an die Genitalien und sie spucken ihren Kautabak auf die Straße. Einmal trafen sie sogar unsere Packtaschen. Ist schon etwas eklig.

Die Obdachlosen (und das ist keine Randgruppe, sondern eine Gesellschaftsschicht) schlafen direkt neben den belebten Highways auf dem Bürgersteig. Man bekommt eine Kuh mit 5! Beinen zu Gesicht; sie wird mit der Bitte um Spenden durch die Stadt gefahren. Überall im Land laufen Affen frei herum, sogar im Regierungsviertel in Delhi. Man erreicht schnell die Reizüberflutung in diesem Land, so hoch ist die Erlebnisdichte.

Wer kein Auto oder Motorrad hat, lässt sein Fuhrwerk von Esel, Kuh oder Kamel ziehen. Oder fährt eines dieser vielen, vielen Fahrräder „Made in India“, technisch auf dem Stand der 50er Jahre: keine Lichtanlage, keine Gangschaltung aber Stahlfelge.

Fahrräder mit Lichtanlage und Gangschaltung sind völlig unbekannt in Indien. Daher wurden unsere Fahrräder und unsere Ausrüstung stets begutachtet wie Objekte vom anderen Stern.

Der Verkehr ist richtig gefährlich: wenn LKWs oder Busse aus dem Gegenverkehr überholen, fordern sie obligatorisch per Dauerhupe, dass man als Zweiradfahrer in den Graben flüchtet. Tut man das nicht, wird man über den Haufen gefahren. Apropos Hupen: sie sind extrem laut und werden ständig betätigt; meist um sich die Vorfahrt zu sichern. Und das auch, wenn schon absehbar ist, dass es wirkungslos ist. Geisterfahrer gibt es so viele wie in Deutschland Ampeln. Es gibt zwar Verkehrsregeln, aber die werden eher als Empfehlung betrachtet.

Im Schwerlast-Verkehr wird die Hupe eher als Musikinstrument betrachtet: die verschiedensten Melodien oder Rhythmen zeigen die Kreativität der Ausrüster und die Liebe der Inder zur Musik. Würde uns auch sehr gefallen, wenn es nur nicht so extrem laut wäre. Ich bin ab dem dritten Tag nur noch mit Gehörschutz gefahren. Sonst hätte sich mein Tinnitus bestimmt verschlimmert (und das ist ernst gemeint!). Manche LKWs sind fahrende Musiktruhen: Lautsprecher am Fahrerhaus übertragen die abgespielte indische Musik in Konzert-Lautstärke für die Nachbarschaft.

Nachts fahren viele in der Stadt mit Fernlicht. Man sieht halt mehr. Dann wird das Überqueren der Straßen zu Fuß oder per Fahrrad zum Spiel mit dem Feuer: man ist derart geblendet, dass man Entfernungen und Geschwindigkeit nicht mehr abschätzen kann.

In der ersten Reihe an der Ampel stehen, ist besonders spannend: schaltet die Ampel auf grün, gleichen die ersten 5 Sekunden einem Formel 1 – Start: die ca. 20 – 50 Motorradfahrer geben Gas wie auf der Rennstrecke.

Viele Inder sprechen fließend englisch, doch der indische Akzent und die hohe Sprechgeschwindigkeit machen dieses gesprochene Englisch fast zu einer neuen Fremdsprache. Sehr schwer zu verstehen. Und sie sind felsenfest davon überzeugt, dass „ihre“ Aussprache die richtige ist.

Wenn wir eingeladen wurden, war nie klar, ob das nur für Dinner oder auch für eine Übernachtung galt. Mehrmals schickten sie uns spät in der Nacht dann wieder auf die Straße und beschrieben uns nur noch grob den Weg zum nächsten Tempel.

Indien spaltet die Gemüter. Die einen lieben es, die anderen hassen es. Das muss jeder fuer sich selbst herausfinden. Aber eine Reise ist das Land mit Sicherheit wert.

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