Griechenland 2015

Am 22.9.15 reisten wir, von Albanien kommend, nach Griechenland ein. Wir hatten uns vorgenommen, mehr oder weniger entlang der Küste zu fahren und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten mitzunehmen.

Dienstag, 22.9.15.

Nachmittags erreichten wir bei Konispol die Grenze Albanien-Griechenland. Dieser Grenzübergang ist wenig befahren. Da verlief die Bearbeitung zügig. Unser Vorteil. Hinter der Grenze führte die Straße mit leichtem Gefälle durch eine wunderschöne, steinige Hügellandschaft Richtung Küste und so dicht am Strand vorbei, das wir eine Badepause einbauten. Unweit von unserer Badestelle fanden wir dann später auch unseren Zeltplatz mit Blick aufs Meer und erlebten wieder einmal einen unbeschreiblichen Sonnenuntergang. Direkt danach kam dann ein aggressiver, hungriger Mückenschwarm und zwang uns leider ins Zelt.

Mittwoch, 23.9.15.

IgoumenitsaWas weckt einen früh morgens effektiver und früher als der eigene Wecker? Natürlich das immer lauter werdende Geläut von Kuh-Glocken; kündigen sie doch an, das gleich eine Herde Rinder neugierig um unser Zelt herumtraben wird. Und das kann bekanntlich böse fürs Zelt enden. Also schnell raus aus den Federn und … erstmal erleichtert aufatmen, denn glücklicherweise war es nur eine Herde Ziegen. Die sind harmlos. Nur die Hirtenhunde machten uns da etwas Stress. Aber nach einer freundlichen Begrüßung des Hirten akzeptierten uns auch die Hunde. Noch mal Glück gehabt.

Unser erster Eindruck von den Straßen in Griechenland: breite Straßen, Seitenstreifen für Radler, wenig Verkehr, mäßige Steigungen und guter Asphalt. Eine Wohltat nach den letzten Wochen. Unsere erste größere Stadt: Igoumenitsa: Badepause, Bummel und Staunen über die vielen Fährgesellschaften bzgl. Korfu.

Donnerstag, 24.9.15.

Hinter Igoumenitsa ging es dann stetig den Berg hoch. Aber die Steigung war problemlos ohne Schieben zu bewältigen. Da macht sogar bergauf fahren wieder Spaß.

IMG-20151212-WA0047AmmoudiaIn Margariti machten wir Pause. Ein sehenswertes, verschlafenes Dorf. Unsere gemütliche Salatpause wurde jäh unterbrochen durch ein rasant sich näherndes Gewitter. So schnell konnten wir nicht umziehen mit unserem Gerödel aus dem Park in eine nahe liegende, überdachte Bushaltestelle, da prasselte der Platzregen auch schon auf uns nieder. Annett war pitschnass bis auf die Unterwäsche. Es hörte zwar schnell wieder auf, aber es blieb wechselhaft.

Südlich von Margariti gab es einen fast komplett mit Seerosen bedeckten See zu bestaunen. Und während der folgenden, langen Abfahrt hatten wir einen Panorama-Blick aus der Vogelperspektive auf Ammoudia und die vorgelagerte sumpfige Tiefebene. Der Zeltaufbau fand bei Regen statt und es sollte die halbe Nacht durchregnen und gewittern.

Freitag, 25.9.15.

RegentagDer Regen blieb uns leider auch heute treu, allerdings in der Mittagszeit so derart heftig, das wir froh waren, einen Unterstand in einer Werkhalle zu finden. Es schüttete über eine Stunde lang. Am Nachmittag gab es dann immer wieder regenfreie Minuten. Landschaftlich hatten wir heute wohl nicht so viel verpasst bei den tiefhängenden Wolken. Es war also ein idealer Tag zum „Strecke-machen“. Kurz vor Prevaza suchten wir uns dann einen Zeltplatz.

Samstag, 26.9.15.

Seit 5 Uhr regnete es wieder. Und es gab nur eine halbstündige regenfreie Zeit so gegen 9 Uhr. Die nutzen wir dann zum Zeltabbau. Dann ging es nach Preveza. Einkauf, Pause und Stadtbesichtigung per Durchfahrt (im Regen war uns nicht nach ausgedehnten Wanderungen durch die Gassen).

Will man weiter an der Küste entlang fahren, muss man durch einen Tunnel unter der Meerenge hindurch. Die Befahrung des Tunnels per Fahrrad ist verboten. Also warteten wir auf das Shuttle-Fahrzeug, einen Pickup, der uns dann samt Räder und Gepäck auf die andere Seite fuhr. Die Überfahrt ist mit Reiserädern etwas abenteuerlich, weil die Räder nicht fest gezurrt werden können auf der Ladefläche. Man keilt sie mit den Packtaschen und Packsäcken irgendwie so ein, dass sie die Fahrt heile überstehen. Ging auch alles gut soweit.

Ziemlich durchnässt fragten wir im nächsten Dorf nach Wasser und waren plötzlich eingeladen in die Stube. Alle drei Generationen der Familie kamen zusammen und hießen uns willkommen in Griechenland. Die Mutter hatte 5 Jahre in Deutschland gearbeitet, sprach deutsch und übersetzte. Endlich hatten wir mal wieder trockene Hände und ein trockenes Hemd; ein gutes Gefühl nach 2 Tagen Dauernässe. Es gab noch Tipps zur weiteten Route und dann ging es wieder auf die Straße zurück.

Spät nachmittags kam endlich mal wieder die Sonne durch. Auf einer ruhigen Nebenstrecke gab es dann gleich mehrfach wieder sehr aggressive Hunde, die nichts lieber täten, als uns in die Beine zu beißen. Hochsaison für meinen Stock, den ich nur drohend in die Luft halten musste, um die Hunde dann auf Distanz zu halten.

Wir genossen noch das Felsen-Panorama linksseits der Straße im Abendrot und suchten in der Dämmerung dann einen Zeltplatz. Ein Platz war schnell gefunden, aber die letzten 50 Meter über den lehmigen Boden wurde zu einem schlammigen Desaster: der aufgeweichte, klebrige Lehmboden haftete an unseren Reifen und nach 2 Umdrehungen ging nichts mehr. Zwischen Schutzblech und Reifen war verdichtete Lehmerde so festgepresst, das beide Laufräder blockierten. Dasselbe passierte mit den Schuhen während der Schlepperei des Gepäcks von den festgefahrenen Rädern bis zum Zeltplatz.

Damit stand für morgen früh schon eine große Räder-Reinigungs-Aktion auf dem Programm. In unbeschreiblicher Vorfreude darauf krochen wir zähneknirschend sehr zügig in den Schlafsack und versuchten, an etwas anderes zu denken, um uns nicht noch die Nacht zu versauen.

Sonntag, 27.9.15.

klebriger Schlammklebriger SchlammGlücklicherweise schien heute endlich wieder die Sonne. Und die trocknete den Schlamm zwischen Reifen und Schutzblech zumindest teilweise und erleichterte die Reinigung der Räder etwas. Trotzdem waren wir 2 Stunden beschäftigt: Felgen, Reifen, Bremsen, Rahmen und Kette waren eingesaut. Vor allem bei der neuen Kette von Annetts Rad tat das weh, denn Sand und Schlamm sind bekanntlich der Feind jedes ölgeschmieten Systems und erzeugen rasanten Verschleiß bei der Kette.

Dann ging es weiter die Küste Richtung Süden entlang. Landeinwärts hatten wir stets die Bergzüge (Serėkas) vor Augen und rechts der Straße wechselten Felsenklippen und kleine auf der Küstenstraße in GriechenlandKiesbuchten einander ab. Durch den Regen der letzten Tage war die Luft heute sehr klar und gab den Blick frei auf die griechische Inselwelt und einige Segelboote.

Das Auf und Ab der Straße war schweißtreibend und es gab kein schattiges Plätzchen. Erst kurz vor Mitikas fanden wir dann endlich einen geeigneten Platz mit Schatten und machten Pause. Leider zogen gerade jetzt erste Wolken auf. Und in Verbindung mit dem recht kühlen Wind war uns plötzlich gar nicht mehr nach Baden. Schade, schade. Hinter Mitikas fanden wir dann einen Zeltplatz.

Montag, 28.9.15.

Und weiter ging es auf dieser netten Küstenstraße bis Astakós. Um einer Enttäuschung wie gestern vorzubeugen, wurde am nächstbesten Badestrand eine Badepause eingelegt. Hier sprach uns eine deutsche, seit 30 Jahren in Griechenland lebende Mutter an und daraus wurde dann ein gemeinsamer Tag mit Einkauf, Einladung zur hausgemachten Linsensuppe und dem Austausch von Tipps und Rezepten.

Am späten Nachmittag verabschiedeten wir uns und fuhren über einen kleinen, moderaten Pass. Auf halber Abfahrt wechselte der Asphalt in eine unfertige, staubige Schotter-Wellblechpiste. Da suchten wir uns doch schnell einen Zeltplatz beim Bauern und verschoben die staubige Weiterfahrt auf den nächsten Tag.

Dienstag, 29.9.15.

Einen sandigen Platz hatten wir uns da fürs Zelt ausgesucht. Dieser klebrige, sandige Boden pappt an den Schuhsohlen und wird mit jedem Schritt ins Zelt verschleppt. Da ist vor dem Einpacken immer eine akribische Reinigung des Zeltbodens notwendig, sonst rieselt der Sand in der kommenden Nacht von der Zeltdecke. Somit dauerte das Zelt-packen heute etwas länger.

Dann ging es weiter durch die Ebene bis Katochi, wo wir die Mittagshitze mit einer langen Pause überbrückten. Für den Nachmittag stand die kleine Insel-Stadt Etolikó auf dem Plan. Doch die Besichtigung viel buchstäblich ins Wasser, weil die dunkle Wolkenfront über dem Bergkamm im Nordwesten der Stadt ganz plötzlich zu einem Gewitter mutierte und mit Tempo auf uns zuzog. Da war uns natürlich ein trockener Unterstand wichtiger als das nette Städtchen.

Wir flüchteten in eine nahe gelegene Tankstelle und 5 min später schüttete es wie aus Eimern. Wir hockten derweil trocken unter einem Wellblechdach und teilten unsere Honigmelone mit dem Tankwart. Als der Regen durch war, dämmerte es schon und wir suchten flux einen Zeltplatz beim nächsten Schafhirten, der uns dann stolz seine Blechhütte zeigte und eine Runde Ouzo spendierte.

Mittwoch, 30.9.15.

Mesolóngi stand heute auf dem Programm. Eine Hafenstadt mit größerem, gut sortiertem Bikeshop. Da fand Annett dann die passende Rad-Unterwäsche, nach der sie schon lange suchte. Dann Hafenbesichtigung, Pause, Einkauf und raus Richtung Pátra.

Die Straße war ab Mesolóngi gefährlich schmal und mit dem zunehmenden Verkehr und dem oftmals schlechten Asphalt erinnerte sie uns direkt an unsere Verkehrserlebnisse in Kroatien. Wir näherten uns wieder den Bergen (Nafpaktias) und prompt ging es mit Steigung auf der Straße weiter.

Was uns aber viel mehr zu schaffen machte, war heute der heftige Gegenwind. Die Böen kamen so plötzlich und ruckartig, dass es einem fast den Lenker aus der Hand riss. Da verschoben wir die Weiterfahrt, in der Hoffnung auf weniger Wind, auf den morgigen Tag und suchten uns vor Antirio beim Hirten einen Zeltplatz.

Die Wiese sah von Weitem ganz passabel aus, doch beim Betreten versank man bis zu 5 cm tief im Erdreich. Gut, dass es heute nicht geregnet hatte, sonst hätte sich das Desaster von vor 2 Tagen (durch anhaftenden Schlamm blockierte Räder) wiederholt.

Also mussten wir weiter suchen, bis wir eine Fläche mit festem Erdreich fanden. Und zufällig landeten wir dabei endlich einmal wieder auf Boden mit dichtem Gras. Das ersparte uns das zeitraubende Reinigen des Zeltbodens vor dem Verpacken am nächsten Morgen. In den letzten Tagen mussten wir nämlich ausschließlich mit mager bewachsenem Sandboden für unser Zelt vorlieb nehmen.

Donnerstag, 1.10.15.

Küste bei PatraDer Gegenwind blieb uns treu, leider. Noch heftiger als gestern zwang er uns heute zeitweise sogar zum Schieben, auch wenn es auf der Küstenstraße bergab ging; so gefährlich waren die Böen in Verbindung mit dem starken Verkehr. Auf der Brücke über das Meer nördlich von Pátra nahm dieser Wind dann seinen Höhepunkt, besonders im Einzugsgebiet der Pilone. Da hatten wir schon Sorge um unsere Brillen (bei Randlos-Brillen fliegen dann schon mal schnell die Gläser aus der Fassung bei ruckartigen Böen).

Am anderen Ende der Brücke nach ca. einer Stunde Schieberei gegen den Wind angekommen, traf uns der Schlag: der seitliche Rad- und Fußweg, auf den man uns an der Mautstation zu Beginn der Brücke schickte, endete mit dem Übergang in ein Treppenhaus mit 5 Absätzen. Kein Aufzug, keine Anbindung an die Straße. Wer plant so was nur?

Mit der Fahrt über diese Brücke waren wir nun auf Peloponnes, der riesigen Halbinsel im Süden von Griechenland, angekommen.

Pátras ist eine Großstadt mit dem typischen Flair von Griechenland: viele Cafés, die schmalen Straßen voller Läden und Verkaufsstände, reges Treiben in allen Gassen, … Wir ließen die Stadt per Durchfahrt auf uns wirken. Das kam einer Stadt-Besichtigung gleich und reichte uns in Anbetracht der Stadtgröße aus, denn das dauerte auch schon 2 Stunden. Highlight war die Besichtigung der griechisch-orthodoxen Kathedrale St. Andreas im Süden der Stadt.

Unweit von Pátras fanden wir dann wieder unter Olivenbäumen einen Zeltplatz. Der einzige Fleck mit festem, zeltfähigem Boden war voll Gestrüpp, das sich aber leicht samt Wurzel entfernen ließ. Ich bemerkte allerdings zu spät, das die Samenkörner von diesem Gestrüpp wie Kletten an allem heften blieben: an T-Shirt, Radlerhose, Socken und sogar an den nackten Armen und Beinen. Ich sah lecker aus. Weil es schon zu dunkel war, übersah ich beim Entfernen dieser Kletten wohl doch einige und verschleppte sie ins Innenzelt und dann hatte ich sie ruck-zuck auch am Schlafanzug und im Schlafsack. Immer wieder erlebt man etwas Neues.

Freitag, 2.10.15.

Mittlerweile stehen wir um 5 Uhr in der Dunkelheit auf, um die hellen Stunden am Morgen besser zu nutzen. Abends wird es immer früher dunkel und wir müssen um 18:00 Uhr schon einen Zeltplatz ansteuern. Auch mit dem Stromverbrauch unserer Batterie-Leuchten stoßen wir immer häufiger an unsere Grenzen: kurze Tage, geringe Tagesstrecken und hoher Stromverbrauch sind halt eine unglückliche Kombination für unsere Nabendynamo-Energie-Versorgung.

Heute war wieder Haare schneiden bei Annett fällig. Das kombinierten wir mit einer Pause am Meer. Danach ging es auf der relativ neuen Schnellstraße Richtung Süden weiter: keine Steigung, guter Asphalt, breiter Seitenstreifen, wenig Verkehr und dazu Rückenwind; wie haben wir das genossen nach den vielen mühsamen Bergen in den letzten Wochen. Wir schafften einen Schnitt von über 13 km/h. Da störte uns ausnahmsweise auch mal nicht das öde Landschaftsbild um uns herum.

Nur der Anblick der vielen tot gefahrenen Hunde am Straßenrand und der damit verbundene intensive Verwesungsgestank trübte da unsere Stimmung in fast regelmäßigen Abständen. Hier wird nichts weggeräumt; alles bleibt liegen, bis es verrottet ist, ganz gleich, ob Müll, Wracks oder Tier-Kadaver. Südlich von Várda fanden wir dann zwischen den Feldern einen ruhigen, aber wieder sehr sandigen Zeltplatz.

Samstag, 3.10.15.

Ungewöhnlich kalt war es heute Morgen, bis dann um 7 Uhr die Sonne aufs Zelt schien und die gewohnte/erwartete Wärme wieder zur Entfaltung brachte. Doch das Zelt mussten wir so nass verpacken, wie sonst nach einer verregneten Nacht. Und natürlich kam auch der klebrige Sand mit in die Zelthülle. Wenn schon schlecht, dann richtig. Der Herbst kündigt sich also so langsam an. Aber wir wollen uns nicht beklagen: mit einer Hand voll Regentagen sind wir bisher sehr gut gefahren in den mittlerweile 3 Monaten Radreise. Übrigens haben wir heute die 4000 km erreicht.

GastouniWeiter ging es auf der Schnellstraße Richtung Süden. In dem sehenswerten Städtchen Gastouni machten wir Pause. Noch nie sind uns so viele bettelnde Zigeuner-Kinder hinterher gelaufen wie heute in dieser Stadt. Das war lästig und bedrückend zugleich.

Im Einzugsgebiet von Pyrgos häuften sich dann die wilden Müllkippen am Straßenrand und wir erinnerten uns an Albanien. Auch in Pyrgos gab es viele bettelnde Kinder; vor allem an den Supermärkten und Sehenswürdigkeiten. Armut ist ein großes Problem hier in Griechenland.

Sonntag, 4.10.15.

Erstaunlich, was ein Zeltplatz unter Bäumen ausmacht: heute Morgen waren Schlafsäcke und Zelt komplett trocken. Das motivierte zum frühen Packen und so waren wir vor 8 Uhr abfahrbereit.

Strand bei EleaDinner am StrandHeute hofften wir auf eine Badepause, weil die Straße ab Zaháro wieder nah am Meer entlang geht. Und wir wurden nicht enttäuscht: nach 42 km Tagesstrecke, die wir durch die gut ausgebaute Straße und das flache Land recht zügig hinter uns gebracht hatten, bot sich bei Elėa ein Abstecher zum Strand an. Hier wurde aus der ersehnten Badepause ein entspannter Tagesausklang mit vorgezogenem Dinner aus der eigenen Camping-Küche und dem anschließenden Zeltaufbau bei einbrechender Dunkelheit am Strand. Ein Urlaubstag wie aus dem Bilderbuch.

Brille mit ProtheseDoch als ich dann aus Versehen unter den Pinien an einem tief hängenden Aststumpf hängen blieb und mir dabei ein Brillenbügel abriss, dämpfte das die Hochstimmung empfindlich. Somit stand für die nächste Stadt ein Besuch beim Optiker an. Und bis dahin musste eine Prothese aus Kupferkabel herhalten. Sah nicht schön aus, funktionierte aber.

Montag, 5.10.15.

Vom Strand aus konnten wir gestern in der Dämmerung sehen, dass es landeinwärts und südlich von uns an der Küste regnete. Wir hatten Glück. Kein Regen, trockenes Zelt, 5 Uhr aufstehen, 8 Uhr abfahrbereit.

KiparissiaKiparissiaIn Kaló Neró gab es die erste Pause im Schatten mit ofenfrischem Brot vom Bäcker und einer Runde Kaffee. Dann ging es durch ebene Lanschaft mit Blick auf die landeinwärts liegende Bergkulisse weiter nach Kiparissia, einer sehenswerten Hafenstadt mit Badestrand und Bergdorf-Charakter. Die Suche nach einem Optiker konnten wir gleich einstellen: Montags hat dieser ab 14 Uhr geschlossen. Da waren wir schon eine halbe Stunde zu spät.

Neben dem Hafen gibt es einen großen Sandstrand mit Duschen und einigen Felsenklippen. Wasser- und Luft-Temperatur sind immer noch sehr angenehm zum Baden. Aber die Strände sind leer. Nur einige Senioren sind mit dem Wohnmobil unterwegs. Auch in den Bars und Cafés tummeln sich nur noch die Einheimischen und in manchem Supermarkt sind mehr Angestellte als Kunden anzutreffen. Dabei ist das Klima zur Zeit viel erträglicher als in Juli und August.

Und je weiter wir nach Süden fahren, um so mehr Orangen-, Mandarinen- und Zitronenbäume säumen mittlerweile unseren Weg. Und so manche herabgefallene, reife Frucht bereichert unsere Mahlzeiten. Ähnlich wie die Feigen bis vor wenigen Tagen. Das tröstet etwas über die bittere Tatsache hinweg, dass Haferflocken, unsere erste Wahl fürs Frühstück, hier unten viermal so teuer sind wie in den anderen EU-Ländern.

Nach dem Schwimmen gab es wieder einen Tomatensalat mit Oliven und Schafskäse am Ufer mit Blick auf die Brandung in den Klippen und die Bergkulisse im abendlichen Sonnenlicht. Einen schöneren Platz für ein Dinner gibt es kaum. Südlich der Stadt fanden wir zwischen Olivenbäumen einen Zeltplatz. Den Hinweis des Eigentümers, auf Schlangen aufzupassen, nahmen wir sehr ernst, nachdem er rings um unser Zelt mit einem gelben Pulver per Schaufel eine Art chemische Schutzmauer ausstreute.

Dienstag, 6.10.15.

Wir hatten keine Schlangen gesehen oder gehört. Aber beim Zeltabbau sahen wir einige Erdlöcher innerhalb der chemischen Schutzmauer unweit von unserem Zelt. Die hatten wir in der Dämmerung gestern Abend gar nicht wahrgenommen. Glück gehabt.

Unser Zeltplatz lag nur 4 km südlich von Kiparissia. Da fuhren wir heute morgen erstmal wieder zurück in die Stadt und suchten erneut den Optiker auf. Und diesmal hatten wir mehr Glück: der Optiker hatte die passenden Ersatzteile. Der neue Bügel war schnell montiert, zwar in einer anderen Farbe, aber das war mir egal. Kostenloser Service. In einer halben Stunde erledigt. Ich war begeistert.

AgrilosWir fuhren weiter die Küste entlang und machten einen Abstecher nach Agrilos. Netter, ruhiger Ort am Meer. Badepause am Hafen, zweites Frühstück, Schuhe reparieren (die Nähte waren aufgegangen; da spielen wir selbst den Schuster) und dann ging es weiter Richtung Pilos auf einer ruhigen Nebenstrecke an der Küste entlang. Zweite Badepause und toller Sonnenuntergang. Und dann in Windeseile den Zeltplatz suchen. Jetzt im Oktober haben wir nach dem Sonnenuntergang noch eine halbe Stunde Zeit; dann setzt die Dämmerung ein und kurz darauf ist es stockfinster. Da wird der Spielraum für die Zeltplatzsuche immer kleiner.

Mittwoch, 7.10.15.

Das sonnige, warme Klima bleibt uns weiterhin treu. Und das Aufstehen um 5 Uhr ist zur Routine geworden. Die Straße führt mittlerweile durch unzählige, kleine Olivenbaum-Plantagen. Viele davon werden von Hunden bewacht. Und die kläffen uns heftigst an, wenn wir vorbeifahren. Überhaupt begleitet einen das Bellen irgendwelcher Hunde zu jeder Tageszeit und an jedem Ort des Landes. Das ist auf Dauer etwas nervig. Vor allem nachts.

In Gialova machten wir Badepause unterm Sonnenschirm und genossen den Blick auf Pilos, ein nettes Küstenstädtchen am anderen Ende der Bucht, das bis hoch in den Berg gebaut wurde. Annett nutzte die Pause für die Montage eines gefundenen Seitenspiegel an ihren Lenker. Sie war glücklich: endlich volle Sicht nach hinten.

Pilos war dann unser nächstes Ziel. Eine einzigartige, enge Serpentinenstraße windet sich in mehreren Schleifen vom Berg herab durch die städtische Bebauung bis herunter zum Stadtkern samt Hafen. Es gibt einen netten Dorfplatz mit Brunnen, Denkmal, einer 135 Jahre alten Platane und dem Blick aufs Meer.

Dann ging es weiter über einen kurzen, steilen Anstieg und eine lange Abfahrt nach Methóni. Dort gibt es das Castle zu besichtigen, eine große wehrhafte Anlage aus byzanthischer Zeit. Erfreulicher Weise fanden wir dann auch einen Zeltplatz mit Blick auf die nachts beleuchtete Ruine.

Donnerstag, 8.10.15.

Methoni Heute morgen zeigten sich erstmals seit Tagen nennenswerte Wolken und es fielen ein paar Tropfen Regen. Ab 9 Uhr wurde es tropisch schwül bei Sonnenschein. Ideales Klima für eine ausgiebige Schwitztortur beim bevorstehenden Aufstieg bis auf 650 m Höhe auf unserem Weg von Methoni im Westen nach Koroni im Osten. Steil war der Aufstieg und 6 km lang die Abfahrt. Und immer gab es den Blick auf die sehenswerte Bergwelt zu beiden Seiten der Straße.

Vor Koroni nutzten wir die ersehnte Badepause auch als Waschtag für die Radlerkluft: Faltschüssel, Waschpulver und Wäscheleine haben wir immer griffbereit im Gepäck. Wir benötigen nur einige Liter Wasser und die Mittagssonne zum Trocknen der Wäsche. Das meiste ist zum Ende der Pause dann schon trocken. Das klappt natürlich nur bei diesem traumhaften Klima hier unten.

KoroniIn dem Hafenstädtchen Koroni bestaunten wir das riesige Fort auf der Felsenspitze mit seiner über 2000 Jahre alten Geschichte. Auch das Städtchen ist sehenswert: steile, verwinkelte Gassen, unzählige Läden, Uferpromenade mit Marktständen. Der Weg aus der Stadt zurück auf die Küstenstraße kostete wieder viel Schiebe-Kraft und nach in Summe 700 Höhenmetern waren wir danach richtig reif für die Federn. Wie schön wäre da ein Zeltplatz auf ebenem Grund gewesen. Aber das wäre zu einfach. Stattdessen rutschten wir mit Gefälle und einem Erdbuckel direkt auf Rückenhöhe durch die Nacht.

Freitag, 9.10.15.

5 Uhr in der Frühe: sternenklarer Himmel, kühl, Rasen und Zelt klitschnass. Da konnte auch die Sonne bis zum Einpacken um 8 Uhr nicht viel trocknen. Also wurde das Zelt nass verpackt.

In der angenehm warmen Morgen-Sonne fuhren wir die Küste entlang Richtung Norden und hatten den Blick auf die Berg-Kulisse des Taigetos-Gebirges am gegenüber liegenden Ufer. Die bis zu 2400 m hohen Berge erinnerten uns an die Alpen und wir hofften, dass die Küstenstraße dort nicht allzu hoch in diese Berge hinaufführt. In 2 Tagen würden wir es erfahren, denn hinter Kalamata geht es hoch, soviel gab die Karte schon her.

In Petalidi genossen wir einen Markt-Bummel auf der Uferpromenade und das obligatorische Schwimmen im warmen Meer. Der weitere Verlauf der Straße Richtung Kalamata war ohne größere Anstiege. So genossen wir gemütlich radelnd den Duft der reifen Kakteenfeigen und den Blick auf die vielen Orangen- und Zitronenbäume. Die allermeisten Plantagen oder Grundstücke sind eingezäunt und durch Hunde schwer bewacht. Und die schlagen schon Alarm, wenn man auch nur auf der Straße vorbeifährt. Gut, dass es da die Zäune gibt.

Im Einzugsgebiet der Großstadt Kalamata war es dann nicht ganz einfach, einen ruhigen Zeltplatz zu finden. Die Stadt Messini, der Flughafen, ein großes Roma-Camp, ein Autobahnzubringer und pausenlos dichter Verkehr sorgten für eine enorme Geräuschkulisse. Da hatten es selbst die Hunde schwer, mit ihrem Gebell noch Eindruck zu erwecken.

Samstag, 10.10.15.

Um 5 Uhr war noch sternenklarer Himmel, ab 7 Uhr zog es sich zu und es sah nach Regentag aus. In Kalamata begann es dann zu regnen. Und irgendwie schafften wir es bei jeder Schauer, uns in der Stadt unterzustellen und während dessen unsere Einkäufe zu erledigen. Zusätzlich war es heute sehr stürmisch. Bei einer starken Böe flogen uns da in der Stadt die Aschenbecher und Sonnenschirme der Cafés um die Ohren und die Gläser gingen zu Bruch.

Annett probierte in einer Pause die Kakteenfeigen, die sie gestern auf unserem Weg gepflückt hatte und bereute das sehr schnell: die kleinen Stacheln blieben in der Haut stecken und ließen sich nur mit Pinzette entfernen. Sogar aus der Lippe musste ich einen Stachel entfernen. Sehr undankbare Frucht, aber lecker.

Taigetos-GebirgeNachmittags hörte es dann auf zu regnen. Wir verließen die Stadt und begaben uns in den wieder mal mühsamen Aufstieg ins Taigetos-Gebirge. Auf ca. 500 m Höhe wand sich die Straße in Serpentinen und ständigem Wechsel zwischen auf und ab zwischen den Bergen hindurch. Das Panorama war spektakulär. Die Abfahrt bis herunter nach Kardamili hoben wir uns für morgen auf.

Sonntag, 11.10.15.

KardamiliSeit dem späten Abend hatte es geregnet, gestürmt und gewittert. Bis morgens um 5 Uhr. Dann reduzierte sich der Regen auf kurze Schauer. Die Wolken hingen tief und es wollte gar nicht richtig hell werden heute. Ebenso war der Blick in die tolle Bergwelt um uns herum sehr bescheiden. Aber es war warm: T-Shirt-Wetter. Auf dem Scheitelpunkt unserer Passstraße berührten wir gerade so die tief hängenden Wolken. Die Abfahrt war dann wieder eine kleine Entschädigung.

Im Küstenbereich gab es einige malerische Bergdörfer von der Straße aus zu bestaunen. Und im Küstenort Kardamili genossen wir dann mal „richtige“ Brandung: 2 m hohe Brecher erzeugten eine wuchtige Geräuschkulisse. Ab Mittag kam die Sonne zum Vorschein und schlagartig war es wieder tropisch heiß.

KardamiliAb Kardamili verlief die Straße ohne nennenswerte Steigungen an einer reizvollen, zerklüfteten Felsenküste mit kleinen Badebuchten entlang. Viele Häuser und kleinere Dörfer sind hier mehr oder weniger hoch und steil in den Berghang gebaut. Dazwischen immer wieder schroffe Felsenkulisse oder Felshöhlen. Sehr viel Fläche ist kultiviert: Olivenbäume, soweit das Auge reicht.

Als sich der nächste Pass ankündigte, suchten wir schnell einen Zeltplatz, denn in die Dunkelheit schieben wollten wir auf keinen Fall. Nur das Wasser-holen war etwas mühsam, weil es hier im Tal nirgendwo trinkbares Leitungswasser gab. Da mussten wir unsere Flaschen kennzeichnen, um trinkbares Wasser nicht mit dem Waschwasser zu vertauschen.

Montag, 12.10.15.

Mit Schieben begann der Tag. Und es sollten wieder 430 Höhenmeter werden. Ab 14 Uhr saßen wir dann das erste Mal für heute auf dem Sattel und dann ging es auf dieser Höhe durch einige malerische Dörfer mit kleinen, alten Kapellen und verwinkelten Gassen.

Der Baustil in dieser Region von Peloponnes unterscheidet sich deutlich von dem an der Westküste: hier typisch mediterran, Türmchen, Rundbögen, verschachtelte Gebäudeteile, bedrohliche WolkenNatursteinfassade, nett anzusehen und harmonisch in die umgebende Landschaft eingebettet. Im Westen glich der Baustil eher dem albanischen: funktionaler, quadratischer Bau mit 2 Ebenen, die obere Ebene ausgebaut, die untere Ebene im Beton-Rohbau belassen für zukünftige Nutzungen, egal welcher Art.

Eindeutig ist diese Gegend (Messini) in unseren Augen interessanter als die Westküste. Die Landschaft und die Vielzahl der sehenswerten Bebauungen bieten Programm für einen mehrwöchigen Urlaub. So mühsam die vielen Anstiege auch sind per Rad, es lohnt jeder Meter.

Dienstag, 13.10.15.

Nach der rasanten Abfahrt gestern Abend bis nach Nėo Itilo am Meer ging es heute in der kühlen Morgensonne wieder 400 m hoch bis nach Areopoli. Blickten wir zurück, konnten wir während dem Aufstieg im gegenüberliegenden Berghang den Verlauf der Straße der letzten Abfahrt erkennen. Da waren wir schon ein wenig stolz.

Areopoli hat einen gemütlichen Dorfplatz und viele verwinkelte Gassen zwischen den Natursteinhäusern. Hier wurde im großen Stil restauriert. Manchmal wirkt alles zu neu und nicht mehr authentisch. Darunter leidet der Charakter des Dorfes etwas. Wir kauften noch ausreichend Lebensmittel für die nächsten Tage, denn bis Skala soll es nur noch kleine Läden geben in den Dörfern.

Hinter Areopoli ging es mit leichtem Gefälle hinunter bis nach Gerolimėnas. Sogar eine Badepause war noch drin heute.

Mittwoch, 14.10.15.

Lakonikós Kólposbei AlisaHinter Alisa ging es hoch in den Berg. Wir wollen an der östlichen Küste wieder Richtung Norden radeln. Und es war ein harter, kräftezehrender Aufstieg auf einer alten Straße mit schlechtem Asphalt. Dazu hatten wir kräftigen Gegenwind, der mit zunehmender Höhe immer frostiger wurde. Zusätzlich zogen auch Wolken auf und da fehlte uns die wärmende Sonne. Die Bergkulisse um uns herum mit den wenigen Häusern oder Bergdörfern entschädigte uns aber ordentlich für die Strapazen.

Oben angekommen, gab es wieder einige sehenswerte Orte im Berg zu erkunden: enge Gassen, ineinander verschachtelte Gebäude, geschwungene Treppen, Bögen, … und alles aus Naturstein. Hinter Lagia hatten wir dann einen tollen Blick auf die Bucht „Lakonikós Kólpos“ und die Stadt Kótronas. Der Weg bis Kótronas war aber nur selten eine genussvolle Abfahrt, sondern eher ein Auf und Ab, meist sehr steil.

gleich 2 LöcherZur Krönung dieses mit 830 Höhenmetern sehr anstrengenden Tages gab es dann noch einen Plattfuß bei Annett zu flicken. Gleich 2 Löcher: ein Riss und ein Loch durch Dornen. Danach suchten wir uns, völlig geschafft, einen Zeltplatz und hofften, dass die dunklen Wolken, die im Laufe des Tages aufgezogen waren, nicht Regen bringen würden.

Donnerstag, 15.10.15.

Die Sonne blieb uns treu. Das motivierte aufs Neue. Das brauchten wir auch; denn es ging sofort weiter steil auf und ab. Bis Kótronas hatten wir dann schon wieder 200 Höhenmeter und eine steile Abfahrt hinter uns. Und immer wieder konnten wir die kleinen Dörfer bewundern, die in den Berghang oder auf die Bergkuppe gebaut waren. Was die Menschen wohl dazu bewegt hat, in dieser unwegsamen Landschaft zu siedeln?!

In Skoutari wollten wir eine kleinere Straße nah am Meer nehmen; in der Hoffnung auf Badestrand. Doch nachdem wir uns zweimal verfahren hatten und das extrem steile Auf und Ab auf den brüchigen Buckelpisten leid waren, kehrten wir um und nahmen doch die Hauptstraße. Unerwartet schnell lagen die Berge dann hinter uns und es ging durchs Tal ohne große Steigungen Richtung Githio. Vor Githio gab es dann auch noch einen Strand-Zugang. Also klappte es mit dem Baden doch noch. Und wir verzehrten die Granatäpfel und Orangen, die wir am Straßenrand gefunden hatten.

Freitag, 16.10.15.

Heute hatten wir erstmals eine geschlossene Wolkendecke bei weiterhin warmen 24°C. In Githio gab es erst mal eine Bäckerpause mit Teilchen. Die Straße führte in der Stadt stets am Hafen bzw. Strand entlang. Dann ging es durch eine weite, fruchtbare Ebene Richtung Geraki ins Inland.

Auf dem Weg bis Skala säumten fast ausschließlich Orangen-Plantagen die Straße. Was wir da an gutem, frei zugänglichem Fallobst auflesen konnten, wuchs über den Tag zu 4 großen Tüten mit insgesamt ca. 7 kg Orangen heran. Irgendwann war dann die Grenze der Packriemen auf unseren Rädern erreicht und wir mussten weiteres Obst liegen lassen. Ab jetzt dominierte die Orange unsere Mahlzeiten.

In Skala gab es erstmals seit Kalamata wieder gut sortierte Supermärkte. Das nutzten wir zum Einkaufen von Proviant für mindestens 3 Tage, denn wir wollten ab hier über das Parnon-Gebirge an die Küste nach Leonidio und da gibt es ebenfalls keine Läden.

Ab Skala nahm der Verkehr deutlich ab; das freute uns natürlich. Und es ging mäßig steil durch eine nette Hügellandschaft. Man konnte schon von Weitem den Parnon-Gebirgszug erkennen, auf den wir zusteuerten. Mit 1150 m Höhe sollte das einer unserer härtesten Berge werden. Da teilten wir uns den Aufstieg in drei Tages-Etappen. Heute war mit 500 Höhenmetern Schluss.

Samstag, 17.10.15.

Parnon-GebirgeOrangen ohne EndeHeute Morgen war es richtig kalt und nass bis um 8 Uhr. Erst ab 9 Uhr schaffte die Sonne mit 30°C wieder T-Shirt-Wetter. Wir bauten 2 Orangenpausen mit ein, um nicht zuviel schweres Obst mit in den Berg zu schleppen. Hinter Geraki fanden wir Schatten für eine Mittagspause an einer Bar. Wir hatten hier Strom fürs Ladegerät, Wasser fürs Wäschewaschen und eine Holzpalette als Tisch für unser Menü. Nur WiFi gab es nicht. Schade.

Nach langer Pause ging es dann weiter in den Aufstieg. Die Straße wand sich durch eine malerische Fels-Kulisse mit Höhlen. Einige dieser Höhlen waren begehbar und beeindruckend groß. Wir dachten, mit 3 Litern Wasser kommen wir gut bis nach Kosmas, unserem nächsten Dorf im Berg.

Doch da hatten wir den Weg in Länge und Steilheit unterschätzt: müde von den 860 Höhenmetern heute beschlossen wir 6 km von Kosmas, das Zelt aufzuschlagen, denn in einer Stunde sollte es dunkel werden. Nur hatten wir kein Wasser mehr. Ich sah mich schon in Gedanken ohne Gepäck hochfahren nach Kosmas, um Wasser zu holen, während Annett das Zelt aufbaut. Doch zunächst fragte ich eine vorbeifahrende Autofahrerin, ob es eine Quelle oder ein Haus mit Wasserzugang in der Nähe gäbe. Nein, gab es natürlich nicht. Da nahm die Autofahrerin spontan unsere leeren Flaschen mit hoch nach Kosmas und brachte sie 10 min später wieder gefüllt zu uns. Wir waren begeistert und bedankten uns im Gegenzug mit einer Handvoll Birnen aus unserem Proviant.

Besonders angenehm heute Abend: hier gab es keine Mücken. Damit lief unser Abendprogramm deutlich entspannter ab als in den letzten Tagen. Nachts gab es dann wieder einige tierische Begegnungen: Bellende und heulende Hunde vor unserem Zelt, Rascheln im Vorzelt und angeknabberte Plastiktüten (an den Orangen in den Tüten hatten die tierischen Besucher wohl kein Interesse). Zweimal bin ich in dieser Nacht ums Zelt gelaufen, um nach dem Rechten zu sehen. Aber das nützte nichts; die Tiere waren schnell weg. Und sobald ich wieder im Schlafsack lag, waren die Besucher wieder im Vorzelt zu Gange.

Sonntag. 18.10.15.

Parnon-GebirgeWir hatten mit kalter Morgenluft hier oben auf 850 m Höhe gerechnet. Aber mit 13°C und Windstille war es hier angenehmer als gestern morgen im Tiefland. Und der Aufstieg bis Kosmas sorgte schnell wieder für schweißtreibende Temperaturen.

Kosmas ist auf ca. 1150 m in den Berg gebaut. Sogar einen Sportplatz haben sie hier in den steilen Hang integriert. Der Kirchplatz ist eine einzige Restaurant- und Bar-Terrasse. Und es war erstaunlich voll hier, obwohl man kaum Verkehr wahrnimmt bis hier oben. Beim Auffüllen unserer Wasserflaschen ernteten wir große Bewunderung für den harten Aufstieg und bekamen prompt hausgemachtes Gebäck mit auf den Weg.

Einige km hinter Kosmas ging es dann in Serpentinen talwärts. Die Abfahrt an sich war eher nebensächlich: schlechte Straßendecke mit für Radler tückischen Passagen zwangen oftmals zur Vollbremsung und die engen Serpentinen-Kurven ließen keine lange Schussfahrt zu.

Doch die Gebirgskulisse um uns herum war ein Traum. Schroffer Fels mit ausgewaschenen, riesigen Ausbuchtungen und Schlucht-artige Bergszenarien vermittelten mit jedem gefahrenen Meter immer wieder neue Eindrücke. So genossen wir die Abfahrt bis Ladivio über insgesamt 16 km trotz schlechtem Asphalt als eines der größten Highlights unserer Reise.

Alleine die Befahrung dieser Passstraße durch das Parnon-Gebirge ist die Reise nach Peloponnes in Griechenland wert. Zusätzlich hatten wir noch Glück mit dem Wetter heute: wir fuhren bei Sonnenschein ins Tal hinunter und eine Stunde später zogen Wolken auf, die den oberen Teil der Passstraße in Nebel tauchten. Da hätten wir nicht mehr viel gesehen.

Kurz vor Leonidio weitet sich das Tal und das Mündungsdelta des Flusses Dafnón zeigt sich als fruchtbare Obst- und Gemüse-Oase. Ab hier fuhren wir wieder an der Küste entlang Richtung Norden. Und weil diese Küstenstraße gleich wieder sehr gebirgig aussah, suchten wir einen Zeltplatz und hoben uns die nächsten Höhenmeter für morgen auf.

Montag, 19.10.15.

Keine Mücken abends wie morgens, warme Luft bis in die Nacht und ein trockenes Zelt heute Morgen: es war schon ein großer Unterschied zwischen einer Nacht in den Bergen und hier an der Küste. Mit 27°C war es auch gleich 9° wärmer am Vormittag im Vergleich zu gestern.

Die Küstenstraße erwies sich bis Agios als sehr anstrengend mit insgesamt 600 Höhenmetern. Landschaftlich war es ganz nett, aber nicht spektakulär. In Astros trafen wir vor einem Supermarkt dann wieder auf bettelnde Zigeuner. Sie bedrängten uns so sehr, dass wir das Gelände fluchtartig wieder verließen und einen anderen Laden aufsuchten.

Dienstag, 20.10.15.

Nach einer ruhigen Nacht zwischen Olivenbäumen fiel heute Morgen um 5 Uhr etwas Regen. „Endlich!“, könnte man sagen; so selten ist Regen hier. Aber es reduziert schlagartig die Motivation, wie üblich, um 5 Uhr aufzustehen. Und wir dachten mit Grauen an die nächste Schlamm-Sauerei an unseren Reifen auf dem Lehmweg zurück zur Straße, ähnlich wie am 26.09.. Glücklicherweise hörte der Regen schnell wieder auf und wir konnten trocken verpacken.

Der weitere Verlauf der Küstenstraße war zum Glück weniger anstrengend als gestern. In Kiveri hatten wir die Schieberei hinter uns. Das feierten wir mit einer gemütlichen Pause bei Kaffee und typisch griechischem Gebäck vor dem Bäckerladen. Unser Tisch war überdacht. Da störte uns auch der zeitweise Nieselregen nicht mehr. Dann fuhren wir am Strand entlang bis nach Náfplio: es roch ständig nach Müll oder totem Fisch und einige Industrie-Ruinen säumten den ansonsten optisch trostlosen Weg bis in die Stadt. Wir waren froh, diese 7 km schnell hinter uns gebracht zu haben. In Náfplio nutzten wir dann endlich mal wieder WiFi.

Mittwoch, 21.10.15.

Es regnete. Wenig, aber kontinuierlich. Da mussten wir das Zelt nass verpacken. Dann ging es Richtung Osten auf einer nagelneuen Schnellstraße durch das hügelige Inland an die Ostküste von Peloponnes. Anstrengend war diese Straße durch die 580 Höhenmeter auf 20 km Strecke. Um 10 Uhr hörte es auf zu regnen und es wurde schwül warm. Damit wurde die Fahrt wieder schweißtreibend. Hinter Liguido glaubten wir den weiteren Verlauf der Straße oben im Berg zu erkennen und verschoben die Weiterfahrt auf morgen. Denn ein Aufstieg in die Dämmerung war keine glückliche Alternative. Als Dinner gab es heute einen Topf Esskastanien vom Gaskocher. Die hatte Annett vor 3 Tagen im Berg aufgelesen. Nachts stürmte und gewitterte es mit viel Regen. Der Herbst war also angekommen in Griechenland.

Donnerstag, 22.10.15.

Der Tag begann nicht, wie befürchtet, mit einem Aufstieg, sondern mit einer genussvollen Abfahrt über 6 km bis nah an die Küste. Dabei erlebten wir zu beiden Seiten eine tolle Berglandschaft. Das war unser Highlight des Tages. Danach ging es wieder auf und ab mit Blick aufs Meer oder kleine Küstenorte. An einem Rastplatz mit kleiner Kapelle machten wir Pause. Und wie schon einmal überraschte uns ein Gewitter und für eine Flucht war es zu spät. Glücklicherweise war die Kapelle offen. So verschlossen wir nur schnell unsere Packtaschen, stellten uns in der 1 qm „großen“ Kapelle unter und erlebten einen kurzen, aber heftigen Prasselregen aus sicherem Unterschlupf.

Das Wetter war den ganzen Tag über sehr wechselhaft und stürmisch, aber mit 29°C immer noch sommerlich warm. Das nächste Dorf, Nea Epidavros, ist beeindruckend in den Berg gebaut. Direkt an der Dorfgrenze steigt eine senkrechte Felswand empor. Und die Straße führt an dieser Felswand entlang. Man gewinnt dadurch den Eindruck, in eine Schlucht zu fahren. Kurz dahinter fanden wir einen Zeltplatz hinter einem Café.

Freitag, 23.10.15.

PausentagRegen, Regen. Regen. Noch dazu hatte sich Annett eine Erkältung eingefangen. Das roch nach Pausentag. Und so blieben wir den Tag über im Zelt. Es regnete den gesamten Tag und die folgende Nacht durch. Annett brachte ihre Packtaschen wieder in Ordnung und ich machte mich bei der Cafe-Wirtin nützlich.

Samstag, 24.10.15.

Es war herbstlich: dicke Wolken und stürmischer, kalter Wind. Aber kein Regen mehr. Wir fuhren weiter durch eine sehr schöne, gebirgige Landschaft mit steinigen Schafsweiden nahe der Küste. Zunächst ging es nur bergauf bis auf 600 m Höhe. Mit 15°C war es heute ungewöhnlich kalt. Den ganzen Tag über hatten wir dazu noch einen kalten, scharfen Gegenwind und damit lag die gefühlte Temperatur noch tiefer. Besonders bei der Abfahrt. Nach der Abfahrt hatten wir da schon eine leichte Unterkühlung. Auch die Pausen wärmten uns trotz heißem Tee nicht auf, weil wir kein Wind-schattiges Plätzchen fanden.

Kurz vor dem Kanal von Korinth wählten wir einen schönen, abgelegenen Zeltplatz mit Blick auf die Bucht. Doch beim Zeltaufbau bemerkten wir erst, dass der Boden völlig ungeeignet für das Verankern der Zelt-Häringe war: 5 cm weiches Moosgeflecht, darunter undurchdringlicher Fels. Die leichteste Windböe würde die Häringe sofort aus dem Boden ziehen.

Für die Suche nach einem anderen Platz war es zu spät. Stattdessen suchten wir schwere Felsbrocken und legten sie als Beschwerung auf die Leinen dicht hinter die Häringe. Sehr starke Windböhen gab es dann in der Nacht. Und ständig waren wir in Sorge, dass Konstrukt mit den Felsbrocken könnte versagen.

Sonntag, 25.10.15.

ZeltverspannungDie kreative Stein-Lösung bei der Zeltverspannung hatte gehalten. Glück gehabt. Die Sonne schien. Und dazu wehte ein eisiger, stürmischer Wind. Da war erstmals lange Hose und langes Hemd angesagt. Dann fuhren wir Richtung Kanal von Korinth, unserem Tages-Highlight. Die Straße führte uns die Bucht entlang an einigen Läden vorbei. Gut, dass die meisten Supermärkte auch Sonntags geöffnet haben. Da konnten wir heute auffüllen. In den letzten 3 Tagen gab es nicht viele Läden oben in den Bergen. Dementsprechend waren wir fast leergelaufen mit unseren Grund-Nahrungsmitteln.

Kanal von KorinthKanal von KorinthDer Kanal von Korinth kündigte sich schon an durch die zunehmende Dichte an Restaurants, Hotels und Souvenir-Läden. Dann fährt man über eine kurze unscheinbare Brücke und sieht den außergewöhnlichen, von glatten, hohen Felswänden begrenzten Kanal. Er ist 6 km lang und erspart den Schiffen die Umfahrung von Peloponnes. Beeindruckend ist weniger das Bauwerk selbst, sondern eher der Eindruck bedrückender Enge beim Anblick der Schlucht-artigen Tiefe.

Weiter Richtung Athen führte die Straße hinter dem Kanal nah an der Küste entlang, an viel Industrie vorbei. Sehenswert waren dabei die vielen Hochseetanker, die an der Küste vor Anker lagen. Dazu gab es heute saftigen Gegenwind. Da bauten wir vorzeitig das Zelt auf, in der Hoffnung auf weniger Wind morgen.

Montag, 26.10.15.

vor MegaraSonne und Windstille. Bis wir zurück auf der Straße waren Richtung Megara. Da hatten wir dann urplötzlich wieder den gleichen Gegenwind wie gestern. Und der motivierte uns so sehr, dass wir mehr Pause machten als sonst. So schafften wir heute gerade 28 km. Megara hoben wir uns für morgen auf.

Dienstag, 27.10.15.

Bucht vor AthenDer Gegenwind war genau so heftig wie gestern. Aber es war nicht mehr weit bis nach Megara. Beim ersten Bäcker blieben wir dann hängen: Brot, Teilchen, WiFi und schwups, waren 3 Stunden vorbei. Wir suchten über WarmShowers, ein privates Übernachgungsnetzwerk für Reiseradler, ein Quartier in Athen. Wegen der schlechten Netzverbindung war das etwas mühsam, weil die App sich ständig verabschiedete. Dann wieder zurück in den Gegenwind. Zum Glück hatten wir wenig Verkehr, sodass wir oft genug das Panorama genießen konnten, eine nette Berglandschaft und zerklüftete Felsenküste mit kleinen Sandbuchten.

Beim nächsten Stopp hockten wir uns in die einzige Wind-schattige Ecke, die wir auf ca. 10 km finden konnten: an einer Autowerkstatt. Die Jungs in der Werkstatt spendierten uns einen Kaffee, als sie von unserer Reise erfahren hatten. Und auch heute schafften wir nur 23 km. Kurz vor Elefsina bauten wir das Zelt dann auf einem Platz mit einem herrlichen Blick über das Lichtermeer der Stadt samt Hafen auf.

Mittwoch, 28.10.15.

Heute ist in Griechenland Feiertag. Das erfuhren wir in Elefsina von einem Polizisten an einer Straßensperre. Den Umzug der Schulkinder in Landestracht, der Grund für die Straßensperre, gesehen in Elefsinaschauten wir uns dann an, bis es uns zu kalt wurde, denn der 14°C kalte Wind blies auch hier durch die Straßen.

Hinter Elefsina ging es direkt in das Einzugsgebiet von Athen, der Hauptstadt von Griechenland. Wir fuhren die Küste entlang bis nach Piraeus. Sehr bergig ist diese Stadt südwestlich von Athen. Ebene Straßenabschnitte gehen plötzlich in extrem steile Aufstiege über und direkt danach steil wieder hinunter. In Kombination mit Kurven ergab sich da manche interessante Straßenführung. Auch die beiden Häfen, Fährhafen und Jachthafen, waren sehenswert.

Viel zu spät suchten wir dann einen Zeltplatz. In einem abgelegenen Park wurden wir fündig: ein ruhiger Platz. Bis um 19:00 in unmittelbarer Nähe mehrere tausend Schlachtenbummler ihre Gesänge anstimmten: wir befanden uns also in nächster Nähe zum Stadion und heute fand ein Fußballspiel statt. Eine solche imposante Geräuschkulisse hatten wir noch nicht bisher. Das Ende dieses Spiels haben wir gar nicht mehr mitbekommen; wie Lärm-resistent wir doch mit der Zeit geworden sind.

Donnerstag, 29.10.15.

Heute stand Athen auf dem Programm. Früh los, auf den Weg ins Zentrum im Sportgeschäft Radlerkluft erstanden, Besichtigung der Akropolis, der traditionellen Wache vor dem Parlament und einiger Ruinen, die auf dem Weg lagen. Es gäbe noch so viel mehr zu besichtigen hier. Uns reichte jedoch das heutige Programm. Auf der Akropolis sind derzeit einige Gebäude eingerüstet. Das beeinträchtigte das Besichtigungserlebnis etwas. Dafür entschädigte das gute Wetter und der traumhafte Sonnenuntergang.

Für die Fahrt aus der Stadt wählten wir eine der breiten Hauptstraßen Richtung Süden. Da wurden wir im Berufsverkehr zum Spielball für die unzählig vielen Motorradfahrer: mit obligatorisch überhöhter Geschwindigkeit zischten sie extrem dicht an uns vorbei. Wir waren eine Art bewegte Schikane für sie. Aber die Autofahrer hatten auch ihre Probleme im Kampf mit den Zweirädern. Also nahmen wir das nicht persönlich. Durch den Rückenwind kamen wir recht zügig voran. Da ahnten wir noch nicht, dass uns dieser Wind in den nächsten 4 Tagen ordentlich Schwierigkeiten bereiten würde.

Freitag, 30.10.15

Ursprünglich wollten wir Richtung Süden weiter an der Küste entlang fahren. Doch nach den ersten Kilometern empfanden wir die Küstenlandschaft als nicht so lohnend und entschieden uns für eine Abkürzung Richtung Nordosten. Die Straße war zwar ohne extreme Steigungen, entpuppte sich aber als gefährlicher Flughafen-Zubringer. Der Seitenabstand der überholenden Autos war meistens unter 30 cm. Und wir schlichen bergauf im kleinsten Gang gegen den Wind im Slalom um die 5 cm tiefer gelegten Gullideckel herum. Da standen wir ganz ordentlich unter Strom. Ein Wunder, dass es kein einziges Mal zu einer Berührung mit einem überholenden Fahrzeug kam.

Zermürbt von dieser Anspannung und dem kalten Wind suchten wir einen windschattigen Pausenplatz und landeten in einem kleinen Autoteilehandel. Die Mitarbeiterin am PC lud uns sofort in die Pausenecke in der Verkaufshalle ein, weil es dort ja viel wärmer war als draußen. Wir saßen kaum, da servierte sie uns eine Runde Kaffee, Gebäck und unverpanschten Raki. Wir waren begeistert. Zur Krönung gab sie uns als Wegzehrung hausgemachte Erbsensuppe mit.

Nach der Pause mit dem Raki fuhren wir viel konzentrierter (ehrlich!). Was aber unverändert blieb, war der ständige Wechsel zwischen Frieren und Schwitzen: mal Sonne, mal Wolken, mal Aufstieg, mal Abfahrt, dazu der Gegenwind, … alle 500 m hielten wir an und wechselten zwischen Jacke, T-Shirt und Pulli. Da machten sich auch schon die ersten Erkältungssymptome bei uns bemerkbar.

Unser Zeltplatz hatte dann wieder ein Geräusch-Bonbon für uns: wir lagen in der Einflugschneise des Athener Flughafens. Beängstigend dicht schwebten die Flieger im Landeanflug übers Zelt, ca. alle 10 min ein Flieger. Ab 23 Uhr wurde es aber deutlich ruhiger.

Samstag, 31.10.15

Der Gegenwind hatte sich mittlerweile zum ausgewachsenen Herbststurm entwickelt und machte uns das Vorankommen weiterhin schwer. Die Temperatur war über die letzten Tage auf 14°C gesunken. Und die Wolken waren dunkel und sahen nach Regen aus. Da schafften wir auch heute gerade mal 25 km Strecke. Das zermürbte uns dann doch, weil wir nach Athen mal wieder einen Zahn zulegen wollten.

Landschaftlich und kulturell hatte diese Gegend nicht so viel zu bieten. Aber einige nette Begegnungen sorgten für Abwechslung: wir trafen Benoir, einen Reiseradler aus Frankreich, der auch nach Asien unterwegs war. Und in einem Delikatess-Laden in Artemi wurden wir auf eine kleine Pause bei Kaffee und Gebäck eingeladen. Zum Tagesabschluss gab es dann eine Dönertasche im Schnell-Restaurant und abends ordentlich Sturm.

Sonntag, 1.11.15.

Die ganze Nacht hatte es sehr heftig gestürmt. Am Morgen kamen dann die ersten Regenschauern dazu. Laut Wettervorhersage sollte es die nächsten 4 Tage noch stürmen. Na, das waren ja tolle Aussichten. Wir kämpften uns weiter Richtung Norden durch den Gegenwind und versuchten uns im Windschatten-fahren. In Rafina gab es Kaffee und Teilchen zur Belohnung für die ersten 3 km, danach ging es weiter Richtung Marathonas, wo aus einem spektakulären Botengang der Marathonlauf wurde.

Zum Glück regnete es nicht viel heute. Aber die gefühlte Temperatur war durch den Wind wesentlich kälter als die auf dem Thermometer angezeigten 16°C. Schaltuch, Mütze und dicke Socken gehörten seit Tagen zur Standard-Bekleidung. Hinter Marathonas ging es hoch in den Berg. Endlich mal wieder ein sehenswertes Panorama um uns herum.

Wir beschlossen, oben im Berg das Zelt aufzubauen. Der Sturm wurde spätabends wieder Orkan-artig. Die Windböen schlugen derart heftig auf die Zeltwände auf, dass es regelrecht knallte. Zum ersten Mal hatten wir Sorge um das Zelt. An einen ruhigen Schlaf war da nicht zu denken.

Montag. 2.11.15.

GegenwindDas Zelt hatte die Nacht heile überstanden. Und die Sonne schien mal wieder. Das hob natürlich die Stimmung. Und so schoben wir trotz eisigem Gegenwind gut gelaunt den Berg hoch. 680 Höhenmeter waren es diesmal. Und von oben gab es eine tolle Aussicht hinunter bis zum Meer und nach Artemi, wo wir vor 2 Tagen waren. Hinter Varnavas ging es dann wieder hinunter ins Tal. Um in den nächsten Tagen zügig voran zu kommen, fuhren wir im Tal auf einer Straße parallel zur Autobahn Richtung Thiva. Endlich, nach 4 Tagen, hatten wir wieder das Gefühl, vorwärts zu kommen. Der Sturm legte sich am Nachmittag, der Wind blieb. Und mit 13°C war es uns heute Abend viel zu kalt. Aber das ließ uns auf sonniges Wetter für morgen hoffen.

Dienstag, 3.11.15.

5 Uhr: sternenklarer Himmel, 8°C, Zelt und Schlafsäcke nass. Wenigstens war es windstill. Die Gegenwind-Phase hatten wir dann wohl hinter uns. Durch den Morgentau wurde auch dieser rote Lehmboden, auf dem unser Zelt stand, wieder klebrig weich. Mit jedem Schritt wuchs die Lehmschicht unter den Schuhen und der Zeltboden im Vorzelt färbte sich durch das Gelaufe langsam rot.

5000 kmAuf der Straße durchs Tal kamen wir zügig voran. Der heftige Gegenwind der letzten Tage war tatsächlich wie „weggeblasen“. Die Berge zu allen Seiten waren in sicherer Entfernung. Und dennoch summierten sich die leichten Hügel auf insgesamt 420 Höhenmeter. Und wir erreichten heute die 5000 km seit unserer Abfahrt in der Heimat.

In Thiva gab es wieder viele bettelnde Kinder und eine regelrechte Slums-Siedlung. Wir fuhren nach kurzer Pause weiter.

Nachts wurde ich wach und stellte fest, dass die Luft aus meiner Matte entwichen war. Nach dem dritten Wieder-Aufblasen war ich dann sicher, dass die Matte ein Leck hatte.

Mittwoch, 4.11.15.

Wir dachten, gestern morgen war es „kalt“. Weit gefehlt: heute waren es 0 °C und wir hatten Rauhreif. Das passte mir gar nicht, lag ich doch mit meiner undichten Matte auf dem kalten Boden. Beim Zelt-Abbau war dann auch die Ursache für die undichte Matte schnell gefunden: kleine Dornen steckten im Zeltboden und hatten dann natürlich auch die Matte gelöchert. Aber in weiser Voraussicht hatten wir das Therm-A-Rest-Reparaturkit dabei. Nur das Loch/die Löcher musste ich noch finden.

Die Sonne schaffte heute bis Mittag wieder 20°C. Und es war windstill. Also beste Bedingungen für die Loch-Suchaktion an meiner Schlafmatte: aus einem Block Styropor pulte ich eine Hand Die Suche nach dem Loch in der Mattevoll Styropor-Kügelchen und bastelte mir einen Loch-Schnüffler a la Globetrotter. Ich blies die Matte prall auf, legte sie in einer ruhigen Seitenstraße auf ein Garten-Geländer und suchte nach dem Leck.

Plötzlich prasselte von oben ein Haufen schwarzer, rußiger Dreck mitten auf die Matte. Da wurde zufällig gerade der Schornstein erneuert in dem Haus. Also durfte ich mir direkt eine neue Ecke suchen: die Ladekante eines unweit geparkten Pickups. Doch der Fahrer erschien nach 5 min und wollte natürlich wegfahren.

Es muss dämlich ausgesehen haben: ein Radfahrer läuft mit einer aufgepumpten Schlafmatte bei helligtem Tag in einer Straße Amok und sucht mit Styropor-Kügelchen ein Loch auf der Unterseite der Matte. Irgendwann war dann das Loch gefunden und die Reparatur konnte beginnen.

Donnerstag, 5.11.15.

Baumwoll-ErnteMeine Schlafmatte war wieder dicht. Sehr gut. Heute war unsere Nacht schon um 4:30 Uhr vorbei: ein Bauer fuhr mit seiner Baumwoll-Erntemaschine das Feld neben unserem Zelt ab. Die Maschine machte einen Höllenlärm und man glaubte, der Bauer fährt uns gleich durchs Vorzelt. Mit 4°C war es auch heute morgen wieder sehr kalt. Da erwärmten wir uns im ersten Dorf am ofenfrischen, warmen Brot vom Bäcker.

Baumwollernte

Seit 2 Tagen fuhren wir nun schon durch eine weite Ebene mit wenig Besiedlung an der Straße, umgeben von Bergen zu beiden Straßenseiten: Parnassos mit 2500 m Höhe im Westen, Eliko mit 1500 m Höhe im Süden, Hlomo Oros mit 1500 m Höhe und Kallidromo mit 1400 m Höhe im Norden. Die gesamte Szenerie erweckt schon einen alpinen Eindruck. Dabei hielten sich die Anstiege auf unserer Straße in Grenzen. So konnten wir endlich mal wieder Strecke machen.

Zur Tagesmitte wurde es wieder richtig heiß bei Wolken-freiem Himmel. Das nutzten wir für einen großen Waschtag. Zum Ende unserer Pause nach 2 Stunden war die gesamte Wäsche schon wieder trocken.

Abends wird es immer früher dunkel und nass-kalt. Wir suchen jetzt schon um 17 Uhr einen Zeltplatz. Ab 18:00 Uhr läuft alles nur noch mit Lampe.

Freitag, 6.11.15.

Das Zelt gleicht in den letzten Tagen früh morgens einer Tropfsteinhöhle. Jeder unachtsame Schlag gegen die Zeltwand löst einen flächendeckenden Prasselregen auf die Schlafsäcke aus. Wir verpacken die Schlafsäcke mittlerweile nass und legen sie in der Mittagssonne zum Trocken aus.

Heute hatten wir die Berge Ori Vardoussia, 2400 m und Oros Iti, 2200 m im Westen vor Augen. Ab Bralos ging es hoch über einen kleinen Bergkamm. Was dann folgte, war unbeschreiblich: 19 km schönste Abfahrt auf bestem Asphalt, das Gefälle ideal, um mit mäßiger Geschwindigkeit ohne Bremsen in Ruhe die vorbei rauschende Landschaft genießen zu können. Eines unserer Griechenland-Highlights.

Direkt nach der Abfahrt holte uns dann ein Plattfuß an meinem Hinterrad schnell aus unserer Hochstimmung. Der Schlauch war an der Naht aufgerissen. Langsam war ich etwas angesäuert: bei 5 Plattfüßen schon der dritte ohne äußere Fremdeinwirkung.

Nach der Reparatur fuhren wir weiter Richtung Lamia. Unser Zeitplan für heute war durch den Plattfuß etwas eng geworden. Da verschoben wir die Stadt auf morgen. Beim Kochen abends im Zelt brach mir dann der zweite unserer 3 Löffel ab. Das bereicherte unsere Einkaufsliste für morgen direkt um den Punkt „Besteck kaufen“.

Samstag, 7.11.15.

In Lamia standen einige Besorgungen an: Fleece-Mütze für Annett, Besteck und Fahrradketten. Im Bikeshop lieh ich mir Werkzeug aus und wechselte vor dem Laden meine Kette. Sie hatte beachtliche 5100 km gehalten. Die Stadtbesichtigung hielten wir sehr kurz, weil wir die Verkehrsführung, die steilen Straßen und den dichten Verkehr in allen Straßen sehr belastend fanden. Auch das Castle of Lamia ließen wir aus; es war oben in den Berg gebaut und der Aufstieg dorthin war uns zu anstrengend. Hinter Lamia ging es wieder hoch in den Berg. Bis auf 830 m sollte der Pass führen. Da bauten wir auf halber Höhe das Zelt auf.

Sonntag, 8.11.15.

Weiter ging es mit dem Aufstieg. Von der Straße aus konnte man 300 m oberhalb von unserem Zeltplatz eine Slums-Siedlung im Berghang erkennen. Da hatten wir wohl Glück gehabt, dass wir nicht bemerkt wurden von den Bewohnern. Denn dann wäre es bestimmt keine ruhige Nacht für uns geworden.

Wir schoben bei Windstille und ungewöhnlich warmer Luft unsere Räder die vielen Serpentinen hoch. Ab der Passhöhe blies uns dann ein eisiger Gegenwind ins Gesicht. Da standen uns bei der Abfahrt von der Kälte die Tränen in den Augen. Im Tal erstanden wir Tomaten an einem Obst-und Gemüse-Verkauf an der Straße und bekamen eine Tüte Äpfel dazu geschenkt. In der Mittagspause nutzen wir die warme Sonne und den Wind zum Trocknen unserer Schlafsäcke und der frisch gewaschenen Wäsche. Annett bekam die Haare geschnitten. Die Zeit verging wie im Flug und ruck-zuck war es Zeit für die Zeltplatzsuche. Diesmal nächtigten wir oben im Berghang mit Blick auf den gebauten Hügel in Domokos.

Montag, 9.11.15.

BaumwollernteHeute früh war es ausgesprochen mild und das Zelt war trocken. Dazu schaffte die Sonne schnell T-Shirt-Temperatur. Ab Domokos ging es zunächst einmal abwärts: wieder eine tolle Abfahrt über 10 km mit weiten S-Kurven. Im Tal führte die Straße durch eine weite Ebene Richtung Norden. Wir hatten Rückenwind; also beste Bedingungen, um „Strecke“ zu machen. In Sofades nutzten wir die Pause zum Wäsche waschen, Batterien laden und Haare schneiden bei mir. Während dem Essen hatten wir dann Besuch: drei äußerst dreiste Katzen bettelten und stöberten ständig in unseren Sachen herum. Schade, das wir nicht gerade am Meer entlang fuhren. Da hätten wir heute schwimmen können bei den 26°C. Und auch heute war nach der Pause schon Zeltplatzsuche angesagt. Die Tage sind einfach zu kurz: gerade mal 10 Stunden mit Tageslicht.

Dienstag, 10.11.15.

Der Wind hatte gedreht und blies uns heute frontal ins Gesicht. Da kamen wir trotz Windschatten-Fahren leider nur mühsam voran. Dafür blieb mehr Zelt, die Berge im Westen zu genießen: von 1000 bis 2200 Meter Höhe war alles vertreten; und durch die gute Sicht erschienen die Silhouetten der hintereinander liegenden Bergketten gestochen scharf.

In Karditsa Einkauf und 2. Frühstück, in Trikala unter anderem Besichtigung einer osmanischen Moschee aus dem 16. JH und des darin beherbergten Museums über antike griechische Technologie. Auf dem weiteren Weg Richtung Meteora fuhren wir in die abendliche Dunkelheit, um morgen mehr Zeit für die Besichtigung der Klöster in den Bergen zu haben. Da musste für die Zeltplatzsuche die Stirnlampe herhalten. Und den Zeltaufbau bei Dunkelheit hatten wir ja schon mehrfach geübt.

Mittwoch, 11.11.15.

Ein warmer, trockener Morgen, Wolken-freier Himmel und klare Sicht: das waren die besten Voraussetzungen für die heutige Besichtigung der Klöster von Meteora. Auf dem Weg bis dorthin kämpften wir uns aber zunächst durch sehr heftigen Gegenwind. Da war nur noch der kleinste Berggang auf ebener Straße machbar, so stark war der Wind. Auf dem Weg nach Meteora landet man zunächst in Kalambaka. Es liegt am Fuß einer gigantischen Felswand.

Nördlich davon windet sich eine Straße kontinuierlich hoch nach Meteora, wo die 6 noch erhaltenen Klöster (24 waren es mal) oben in die Felsen bewundert werden können. Auf dem Weg dorthin sprach uns ein Grieche an, der vor 50 Jahren in Deutschland gearbeitet hatte. Bei ihm konnten wir unser Gepäck für einige Stunden unterstellen. Somit war der Aufstieg und die Besichtigung der Klöster für uns deutlich leichter.

Und es wurde ein traumhaftes Erlebnis: Sonnenschein, 26°C, klare Sicht, herbstliche Laubfärbung, kein Verkehr; und mit jedem Meter erschlossen sich neue Blickwinkel zu den Klöstern, den Felsformationen, den Felshöhlen oder dem Blick ins Tal. Durch die Befahrung per Fahrrad genossen wir den Vorteil, an jeder beliebigen Stelle anhalten und staunen zu können. Dieser Tag war eines unserer Reise-Highlights hier in Griechenland.

Donnerstag, 12.11.15.

bei TrikalaUm nicht wieder mühsame Höhenmeter absolvieren zu müssen, fuhren wir zurück nach Trikala im Süden. Hier setzten wir unsere Besichtigungstour von vorgestern fort. Dann ging es auf gut ausgebauter Schnellstraße durchs Tal weiter Richtung Larisa.

Freitag, 13.11.15.

Pfirsisch-PlantagenWir hatten heute erstmals Bodennebel und es war nass-kalt. Also wieder alles nass verpackt und ab auf die Schnellstraße. Erst ab 10 Uhr schaffte die Sonne wieder angenehme Wärme. In Pinias fragten wir nach dem Weg und der Grieche lud uns zu Kaffee und Gebäck ein. Wir wollten Lasisa umfahren und wählten eine ruhige Nebenstrecke ohne große Steigungen.

Beim Kleidungswechsel wurde Annett dann von einem Hund derart belästigt, dass sie Kratzspuren an den Beinen davontrug. Das Gemenge bremste sogar einen großen LKW aus, der gerade überholen wollte. Ich war schon weiter vorgefahren, bekam die Ereignisse aus der Ferne mit und eilte schnell zurück, um Annett zu helfen. Selbst mit Drohung per Stock war dieses Exemplar von Hund dann nicht zu verjagen. Im Gegenteil: er verfolgte uns noch über 2 km, bis er endlich von uns abließ.

Danach wurde es ruhiger und wir genossen die sanfte Hügellandschaft und die bunte Laubfärbung um uns herum. Viele Pfirsich-Plantagen säumten den Weg.

Samstag, 14.11.15.

Eine dicke Nebelschicht machte es der Sonne schwer heute morgen. Dementsprechend war es nass-kalt bis um 9 Uhr. Es wurde langsam Zeit, auf die dicken Wintersocken zu wechseln.

Wir fuhren weiter die Nebenstrecke Richtung Valley of Tembi und konnten in der Ferne die beiden Gebirgszüge (Kato Olimbos und Ossa) sehen, zwischen denen dieses Valley of Tembi verlief. Die Mittagspause nutzen wir zum Trocken all unserer Ausrüstung: das Zelt wurde ausgebreitet, Schlafsäcke, Matten und die Faltsitze legten wir auf eine Parkbank. Bei 26 °C in der Mittagssonne trocknete alles im Nu.

Ab Evangelismo gab es nur noch eine Autobahn-ähnliche Schnellstraße. Und nach 3 km wurden wir prompt heraus gewunken: diese Straße ist für Radfahrer verboten. Wir wurden gebeten, die Straße an der nächsten Ausfahrt zu verlassen; angeblich zu unserer eigenen Sicherheit. Wirkliche Alternativen gab es aber für uns nicht: über die Berge hätte Tage gekostet. Zurück bis Tyrnavos ebenfalls. Also dachten wir an einen Shuttle-Transport per Anhalter und beschrieben an der Tankstelle ein Pappschild mit unserem Zielort Katerini.

Doch das Daumen-Raushalten blieb ohne Erfolg. Nach 1 Stunde beschlossen wir, auf der Schnellstraße weitergefahren in der Hoffnung, nicht erwischt zu werden. Nach 10 km nutzen wir eine Ausfahrt, um kurz in unserer Karte nach möglichen Alternativstraßen zu suchen. Genau in diesem Moment kam ein Polizei-Fahrzeug an uns vorbei. Da wir gerade zufällig nicht auf der verbotenen Straße waren, gab es keine Beanstandung. Da hatten wir mal Glück gehabt.

Nach weiteren 3 km verließen wir die Schnellstraße direkt vor der Maut-Schranke und fragten uns ab hier durch das Gewirr der kleinen Nebenstraßen.

Bis wir dann einen brauchbaren Zeltplatz gefunden hatten, war es schon fast dunkel. Aber das nahmen wir gelassen hin in dem Bewußtsein, heute einen mehrtägigen Umweg eingespart zu haben.

Sonntag, 15.11.15.

An kalte Füße und nasse Schlafsäcke am Morgen haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Aber daß uns das Wasser auf den Schlafsack tropft und sich Pfützen im Innenzelt bildeten, das war doch etwas ungewöhnlich. Da wuchs die Befürchtung, das wir das winterliche Klima hier unten möglicherweise unterschätzt haben bei unserer Streckenplanung. Und weil es heute bewölkt war, fiel das nachträgliche Schlafsack-Trocknen natürlich auch aus.

Auch kündigte sich eine neue Baustelle an: so langsam gab der Reißverschluss-Schieber vom Innenzelt seinen Geist auf. Die passenden Ersatzschieber hatten wir in weiser Vorahnung mitgenommen. Die werden wir wohl bald einsetzen müssen.

Platamon-CastleUnsere erste Station heute war Platamon-Castle, eine mittelalterliche Burgruine. Nach Besichtigung und Pause mit Panoramablick ging es durch flaches Land Richtung Katerini. Dabei hatten wir den ganzen Tag über den Blick frei auf das Gebirgsmassiv Olimbos mit seinen bis zu 2911 m hohen Gipfeln. Eine imposante Kulisse, die ungewöhnlich steil aus der Ebene in die Höhe über 2000 m aufsteigt.

Wegen fehlender Beschilderung landeten wir dann schon wieder auf dieser Autobahn. Um keinen Ärger zu bekommen, nutzen wir an einer Tankstelle direkt vor einer weiteren Maut-Station per Sprung über die Leitplanke (also Gepäck ab, Rad und Packtaschen übersetzen, Gepäck wieder aufladen) den Wechsel auf eine Nebenstraße, die uns wieder auf den rechten Weg führte.

Montag, 16.11.15.

Auf dem Weg nach Katerini trafen wurde Louis, einen Reiseradler aus Stuttgart. Er war seit September unterwegs.

Nach Einkauf und Stadtbesichtigung in Katerini ging es durch hügelige Landschaft Richtung Alexandria ständig auf und ab. Das war wieder einmal recht mühsam und wir machten dabei nicht viel Strecke. Hier dominierte übrigens die Kiwi auf den Feldern.

Die warme Mittagssonne nutzten wir heute wieder zum nachträglichen Schlafsäcke-Trocknen. Das hätten wir uns heute jedoch sparen können, denn am Abend blieb es ungewöhnlich warm und trocken. Da wären die Schlafsäcke ruck-zuck trocken gewesen. Und die Mücken waren wieder sehr aktiv heute. Da wurde eine kurze Verschnaufpause nach einer Schiebepassage schon zur Tortur, weil sie in Scharen über uns herfielen. Abends läutete der Reißverschluss-Schieber dann sein Ende ein. Dass es so schnell ging, hatten wir nicht erwartet. Damit stand für morgen die Reißverschluss-Reparatur auf dem Plan.

Dienstag, 17.11.15.

Trockenes Zelt und nicht zu kalt: das waren günstige Bedingungen für den Austausch des Reißverschluss-Schiebers. Also Nähzeug raus und los ging es. Nach 1 Stunde war alles erfolgreich erledigt.

Risse im SchlauchHeute waren die Hügel flacher und das bedeutete weniger Höhenmeter. Nach 5 km meldete Annett dann einen Plattfuß. Natürlich wieder am Hinterrad. Und schon wieder ein Riss ohne Einwirkung von außen. Jetzt reicht es! Beim nächsten Plattfuß wird der Schlauch ausgetauscht; soviel stand fest.

Nach soviel Reparatur-Arbeit freute uns der Rückenwind und die Höhenmeter-freie Straße. Das brachte uns heute weiter, als wir geplant hatten.

Mittwoch, 18.11.15.

Mit Rückenwind und Vollgas ging es nach Thessaloniki. Im Bikeshop wurden Schlauch und Flickzeug gekauft und nach einer kurzen Innenstadt- Besichtigung ging es auf der sehenswerten Uferpromenade über mehrere Kilometer wieder aus der Stadt heraus. Die Zeltplatzsuche wurde unerwartet schwierig, weil wir erst das kilometerlange Flughafengelände hinter uns bringen und dann in der Dunkelheit einen passenden Platz finden mussten.

Donnerstag, 19.11.15.

dichter NebelUm 5 Uhr noch sternenklarer Himmel, ab 6 Uhr dann dickster Nebel; so präsentierte sich der Morgen heute. Und so fuhren wir die ersten km heute durch Nebel. Bis es auf der Straße nach Epanomi mächtig hoch ging. Unser nächstes Ziel: der mittlere Finger von Chalkidiki: Sithonia. Der Weg dorthin war anstrengend: steile Anstiege, fehlende Beschilderung und ständig die Befürchtung im Nacken, den falschen Abzweig zu nehmen.

Freitag, 20.11.15.

Nass-kalt und bewölkt begann der Tag. Die Schlafsäcke waren so nass, dass wir vor dem Aufstehen schon gefroren hatten. Und für kalte Füße sorgte bei mir dann das pitsch-nasse, hohe Gras. Beim Packen kamen dann aus allen Ecken unzählig viele Kellerasseln zum Vorschein. Es war uns ein Rätsel, wie die alle ins Innenzelt gelangt waren.

Unser Weg führte auf einer viel befahrenen Schnellstraße durch landschaftlich eher reizlose Ebene mit leichten Hügeln. Als wir dann die ruhigere, alte parallel verlaufende Straße sahen, wechselten wir an der nächsten Ausfahrt, um entspannter fahren zu können. Doch das sollte sich als Fehler erweisen: diese Straße führte plötzlich über eine Unmenge steiler Hügel und einige Wasser-gefüllte Senken. Ein Wasserloch war so tief, dass wir umkehren mussten und auf den Ackerweg auf der anderen Straßenseite auswichen. Das alles bremste uns nahezu aus. Ziemlich zermürbt wechselten wir dann nach 4 km durch einen schmalen Versorgungstunnel die Straßenseite und nutzen eine Lücke in der Leitplanke, um endlich wieder auf die Schnellstraße zu gelangen.

Ab Mittag kam wieder die Sonne zum Vorschein. Da hatte das Schlafsäcke-Trocknen oberste Priorität. Das ist uns seit einigen Tagen wichtiger als WiFi. Abends zogen dann Wolken auf und es wurde ein unerwartet schwül-warmer Abend mit vielen aggressiven Mücken. Diese Mücken brachten mich beim Zeltaufbau in tiefer Dämmerung dann so aus dem Konzept, dass ich aus Versehen auf den Hammer trat und der Stiel brach. Ohne Hammer ist das Einschlagen der Zelt-Häringe in diese steinigen Böden oft unmöglich. Also werden wir uns da schnell um Ersatz oder Reparatur kümmern müssen in den nächsten Tagen.

Annett hatte seit einigen Tagen Schmerzen in der Fingergelenken der rechten Hand. Sie vermutet die Kälte als Ursache. Das macht uns etwas Sorgen.

Samstag, 21.11.15.

BlendungDie Mücken machten uns auch heute morgen zu schaffen wie selten zuvor: sie flogen Attacken hinter die Brille direkt in die Augen oder sonst wo ins Gesicht. Als wenn wir mit nassem Schlafsack und pitschnassem Zelt nicht schon genug gestraft waren. Jedenfalls beeilten wir uns beim Packen, um diesen Plagegeistern schnell zu entgehen und waren um 8 Uhr auf der Straße. Wir fuhren nach Südosten, genau in Richtung der noch sehr tief stehenden Sonne. Durch die vom Morgentau nasse Straße blendete uns das Licht do stark, wie wir es noch nie erlebt hatten. Obwohl es uns beim Fahren etwas störte, war es ein unvergessliches Erlebnis.

Die bergige Halbinsel Sithonia stand für die nächsten Tage auf dem Programm. Wir wollten die küstennahe Ringstraße abfahren. Doch bevor wir Sithonia erreichten, bemerkte Annett ein ungewöhnliches Spiel beim Pedalieren und das bedeutete: Werkzeug raus und nachsehen, was da lose ist. Während Annett einkaufen war, machte ich aus den Vorplatz am Supermarkt eine Fahrradwerkstatt: alle Taschen ab, Rad umdrehen, Hinterrad ausbauen, Werkzeug ausbreiten und feststellen, dass sich der Kassetten-Abschlussring wieder gelöst hatte. Dann alles wieder festschrauben und zusammenbauen. Für die neugierigen Kinder war es eine spannende Abwechslung. Sie verfolgten alles sehr genau.

Trocknung der Schlafsäcke Hinter Nikitas ging es dann gleich über Berg und Tal zur Sache. Viele Höhenmeter waren zu bewältigen, aber eine tolle Mischung aus Felswänden, Hügeln mit Olivenbäumen und Sandbuchten mit Badestränden entschädigten dafür. Hätte die Sonne geschienen, wären wir noch einmal im Meer schwimmen gegangen. Stattdessen versuchten wir wieder, die Schlafsäcke im Wind zu trocknen; diesmal mit mäßigem Erfolg.

Im Laufe des Tages schlug das Wetter um und es sah zunehmend nach Regen aus. Abends wehte ein stürmischer Wind. Sicherheitshalber kamen da auch wieder einmal die Seitenabspannungen am Zelt zum Einsatz. Und die brauchte es auch: nachts fegte ein ausgewachsener Orkansturm über uns hinweg.

Sonntag, 22.11.15.

Der Sturm erreichte in den Morgenstunden seinen Höhepunkt. Zur gleichen Zeit saß ich mit dem Kocher im Vorzelt und versuchte bei jeder Böe, das Außenzelt per Ellbogen auf Distanz zur Kocherflamme zu halten. Unsere Räder hatte der Sturm auch umgerissen, obwohl ich sie stabil gegeneinander verkeilt und längs zur Haupt-Windrichtung gestellt hatte. Der Aufprall war so heftig, dass mein linker Bremsgriff verbogen wurde. Als wir dann auf der Straße unsere Reise fortsetzten, sahen wir die Spuren der Verwüstung, die auf das Konto des Sturmes gingen: umgekippte Müllcontainer, abgeknickte Sonnenschirm-Stangen, umgeworfene Gartenmöbel und dicke Äste auf der Straße.

Mit 800 Höhenmetern wurde dieser Tag sehr anstrengend und bis zum südlichen Ende der Halbinsel hatten wir auch noch kräftigen Gegenwind. Aber wir genossen bei schönstem Sonnenschein und warmen 22°C eine tolle, unberührte Landschaft. Highlight waren dabei die Erdpyramiden im südlichen Teil von Sithonia, die durch Erosion im Laufe der Zeit entstanden waren. Sehr angenehm auch: kaum Verkehr auf dieser einzigen Straße. Die Saison ist vorbei, die Orte wie Geisterstädte menschenleer.

Auf dem Rückweg an der Ostküste wurde es sehr anstrengend: ein ständiger Wechsel zwischen steil bergauf und steil bergab. Auch der Spielraum für einen geeigneten Zeltplatz wurde sehr klein. Gut, dass wir rechtzeitig all unsere Wasserflaschen aufgefüllt hatten; hier oben im Berg gab es kein Haus und kein Wasser. Und dann fanden wir in tiefer Dämmerung (17:30!) einen wunderschönen Platz: eben, windgeschützt, ohne Mücken und mir Blick aufs Meer. Sogar den Segen der Polizei hatten wir, nachdem sie gesehen hatten, dass wir per Fahrrad unterwegs waren.

Montag, 23.11.15.

Der Wecker klingelte und es fielen die ersten Regentropfen. Das lähmte mich sofort in meinem morgendlichen Tatendrang. Assoziiert es doch fette Regenwolken, die sich über den ganzen Tag entladen werden. Doch es blieb bei einigen Tropfen. Zumindest bis Mittag. Das reichte, um sich gut gelaunt wieder voll auf die anstrengende Küstenstraße zu konzentrieren. Ständig auf und ab, alles sehr steil, hoch schiebend, runter bremsend. Die Berge sind nicht hoch, aber es sind viele. Da waren wir sichtlich erleichtert, Sithonia mittags hinter uns zu haben. Insgesamt kamen wir auf Sithonia auf über 2000 Höhenmeter! bei 100 km gefahrener Strecke. Aber wir genossen eine wunderschöne, urwüchsige Landschaft und den Blick auf Agion Oros, die markante Klöster-Halbinsel, deren Besichtigung nur männlichen Personen erlaubt ist.

Und seit unserem Start im Juli haben wir bis heute satte 50.000 Höhenmeter! hinter uns gebracht. Das feierten wir mit einer Runde Schokokeksen.

In der Pause wurde Annett dann von einer Wespe gestochen. Natürlich in den Fuß. Der Fuß war so stark geschwollen, dass sie den Schuh kaum anziehen konnte. Auch das Pedalieren schmerzte. Also ging es piano weiter und wir bauten viele Pausen ein heute.

Als es im späten Nachmittag stärker regnete, suchten wir uns zügig einen Zeltplatz, denn bei Regen wollten wir an diesem anstrengenden Tag nicht mehr fahren.

Dienstag, 24.11.15.

Zu unserem Erstaunen hatte es seit gestern Abend nicht mehr geregnet und ab 10 Uhr schien sogar wieder die Sonne bei 21°C. Die Wetter-Prognose hatte sich da ganz anders angehört für die kommenden Tage. Aber uns war es natürlich recht.

Die weitere Strecke führte heute noch steiler als in den letzten Tagen über die Berge. Unterwegs bot sich ein Holz-Pavillion nahe der Straße hervorragend zum Trocknen des Tarps an. Aufgespannt zwischen den Säulen wie ein Segel war es in Windeseile trocken.

Herbst in GriechenlandAb Pirgadika verließen wir die Küste und es folgte ein scheinbar endloser Aufstieg mit 700 Höhenmetern in die Berge im Inland von Chalkidiki. Dafür entschädigte das Panorama. Und durch die herbstlich bunte Laubfärbung strahlte die bergige Kulisse im abendlichen Sonnenlicht mit einem faszinierenden Farbenspiel.

In den Straßen der Ortschaften wurde schon die Weihnachtsbeleuchtung montiert. Das erinnerte uns daran, dass in einem Monat Heiligabend ist.

Mittwoch, 25.11.15.

Wie gestern gab es in den ersten Tagesstunden Regen und später schien wieder die Sonne. Erste ArneaStation heute: Arnea. Wunderschönes Städtchen: Natursteinstraßen, verwinkelte Gassen, alte Häuser und viele Rastplätze mit Bänken. Wir klärten noch ab, welcher Weg nach Norden weniger anstrengend ist und dann fuhren wir über Stanos weiter Richtung Norden. Bis Stanos ging es wieder schiebend hoch, dann folgten 15 km Abfahrt. Auf der ersten Hälfte forderten tückische Löcher und Risse im Asphalt mehrmals eine Vollbremsung und in einer Kurve wurde aus der Asphaltstraße plötzlich eine Schotterstraße mit Waschbrettprofil. Die zweite Hälfte der Abfahrt wurde dann doch noch entspannend. Aber generell ist jetzt im Herbst mehr Vorsicht angesagt auf den Straßen: nasser Belag und Laub machen die Abfahrt schnell zur Rutschpartie.

Während unserer Mittagspause brachte uns eine Anwohnerin selbst gebackene Spinattaschen. Das nachträgliche Trocknen unserer Schlafsäcke hatte vermutlich ihr Mitgefühl geweckt. Wir waren begeistert.

Ab Apolonia ging es durch Flachland weiter am Limni Volvi See entlang Richtung Kavala. Im späten Nachmittag zogen dicke Wolken auf und es sah nach Regen aus. Da waren wir nicht wählerisch und suchten uns den nächstbesten Zeltplatz an der Straße hinter einer hohen Bambushecke. Wir schafften es gerade so mit unserem Gepäck ins Zelt, da kam der Regen mit Blitz und Donner daher. Es regnete heftig bis 22 Uhr. Dann wurde es ruhiger. Auch der Verkehr auf der Straße ließ nachts deutlich nach. Plötzlich, so gegen 2 Uhr, riss uns ein lauter Knall aus dem Schlaf. Autos hielten an, aufgeregtes Stimmengewirr, … uns war schnell klar: es gab einen Verkehrsunfall genau neben uns auf der Straße. Und es muss heftig gewesen sein, denn die Aufräumarbeiten dauerten ca. 3 Stunden. In dieser Zeit war an Schlaf nicht zu denken.

Donnerstag, 26.11.15.

Morgens sahen wir dann die Verwüstungen an der Unfallstelle: die Leitplanke auf 10 m plattgedrückt, Trümmerteile und 20 m weiter das zertrümmerte Fahrzeug. Ein mittelgroßer LKW war von der Straße abgekommen und in die Leitplanke gerast. Ursache war vermutlich Sekundenschlaf. Wäre er zur anderen Seite von der Straße abgekommen, hätte er uns samt Räder und Zelt unter sich begraben. Da hatten wir wohl gewaltig Glück gehabt.

Auf diesen Schreck sorgte die Fahrt durch ein wunderschönes Tal für Ablenkung: Ab Rentina führte die Straße zwischen 2 mittelhohen Gebirgen hindurch. Ein Wildbach und Urwald-ähnlicher Baumbestand ergänzten das Landschaftsbild auf ca. 5 km Strecke zu einem echten Highlight; einem Nationalpark gleich.

In Vrasna Beach machten wir Pause im Windschatten einer Metzgerei und kamen mit dem Metzger ins Gespräch. Er war begeistert von unserer Langzeitreise und gab uns eine seiner Fleisch-Spezialitäten mit auf den Weg.

Im weiteren Verlauf der Straße trafen wir heute auf 3 weitere Reiseradler, allesamt über mehrere Monate durch Europa unterwegs. Da gab es viele Erlebnisse und Tipps auszutauschen.

Als Zeltplatz wählten wir heute eine Wiese dicht beim Strand. Die stürmische Brandung wurde in der Nacht dann so heftig, dass man glaubte, die Wellen schlagen bis ins Vorzelt.

Freitag, 27.11.15.

HerbstSeit 4 Uhr gewitterte und regnete es. Bis um 7 Uhr. Und es blieb den ganzen Tag stürmisch mit grandiosem Wolken-Schauspiel. Ein Herbsttag wie aus dem Bilderbuch. Dass wir heftigen Gegenwind hatten, störte uns heute kaum; wir waren froh, dass es die meiste Zeit nicht regnete. So genossen wir die raue Luft und die Wolkenszenarien bei warmen 18°C entlang der Küste. Menschen trafen wir nur selten; alles ist wie ausgestorben. Die Saison ist zu Ende. Alle Ferienwohnungen stehen leer.

Heute hatten wir übrigens die 6000 km gefahrene Strecke erreicht.

die heißen Quellen von EleftheresNachmittags machten wir einen Abstecher zu den heißen Quellen von Eleftheres. Das heiße Bad im Quellbecken war nicht nur unser Tages-Highlight, sondern auch das erste heiße Bad seit Albanien. Es war unbeschreiblich wohltuend und entspannend, bei leichtem Regen und Donnergrollen aus der Ferne im Pool zu liegen und die Wärme aufzunehmen. Und weil sich eine Übernachtung in einem der umliegenden leerstehenden Gebäude anbot, blieben wir hier über Nacht. Das ersparte uns den Zelt-Auf- und -Abbau in diesem Regen-trächtigen Wetter. Und es regnete und gewitterte tatsächlich noch bis in die Nacht.

Samstag, 28.11.15.

Dank des Zimmers störte uns der morgendliche Regen heute nicht beim Packen. Und vor der Abfahrt sprangen wir noch einmal in den heißen Pool. Dann ging es weiter die Küstenstraße entlang. Es gab kaum Steigungen und stets hatten wir dabei die felsige Bergkulisse zur Linken, das Meer mit Sandbuchten und Felsklippen zur Rechten vor Augen. Sehr angenehm auch der Rückenwind. Im Gegensatz zu gestern. Kurz vor Kavala fanden wir dann einen Zeltplatz nah an der Straße mit viel Licht durch die Straßenbeleuchtung. Das ersparte uns die batteriebetriebene Zeltbeleuchtung.

Sonntag, 29.11.15.

KavalaDer Tag begann mit fast Wolken-freiem Himmel und einem traumhaften Sonnenaufgang bei 14°C. In Kavala steuerten wir zunächst das Krankenhaus an, weil für Annett die jährliche Blutuntersuchung für die Schilddrüsen-Medikation anstand. Das Krankenhaus befindet sich auf dem Berg, ca. 150 Meter über der Stadt, erreichbar ausschließlich über derart steile Straßen, dass wir komplett hochschieben mussten. Leider fand Sonntags keine Blutabnahme statt und sowieso müssten wir einen Termin vereinbaren. Und das Labor-Ergebnis würde dann an unseren Arzt in Deutschland übermittelt und nicht an uns. Das ging also voll daneben heute mit der Blutuntersuchung. Na jedenfalls hatten wir einen tollen Ausblick auf Kavala von hier oben. Wir beschlossen, für die Blutuntersuchung in den nächsten Tagen in einer Stadt eine Arztpraxis aufzusuchen, in der Hoffnung auf eine einfachere Abwicklung.

Unser nächstes Ziel war Philippi. Die Überreste der antiken Stadt samt Amphitheater wollten wir uns ansehen. Man erreicht den Ort über eine Straße, die durch ein weites offenes Tal führt. Und stets hatten wir den Blick frei auf die umliegenden Berge. Auf den 2000ern lag schon Schnee.

Allzu lange hielten wir es in Philippi aber nicht aus: der eisige Wind und die 12°C machten uns den Tag trotz Sonnenschein etwas ungemütlich. Aber sehenswert waren die Ruinen auf jeden Fall.

In Lydia suchten wir nach der heißen Quelle in der Hoffnung auf ein heißes Bad wie vor 2 Tagen. Leider war der Zutritt geschlossen.

Kurz vor Drama nahmen wir Kurs Richtung Osten. Wir wollten bis Xanthi durch die Berge fahren. Das ersparte uns den Rückweg bis Kavala und versprach schönere Landschaft als die südliche Route.

Montag, 30.11.15.

frostig kaltIn der Nacht hatten wir erstmalig Frost. Um 5 Uhr waren es 3°C im Innenzelt. Das Außenzelt war steif wie ein Brett durch eine Eisschicht. Als wir dann bei 8°C warm eingepackt unseren Zeltplatz verlassen wollten, meldete Annett einen Plattfuß am Hinterrad. Also das Gepäck wieder ab, Rad umdrehen, Werkzeug raus und mit eiskalten Fingern an die Arbeit. Zum Glück wehte kein heftiger Wind; da wäre ich schnell unterkühlt gewesen.

Wie geplant, wurde jetzt der Schlauch erneuert. Mit dem Austausch haben wir jetzt hoffentlich Ruhe. Als ich aufgepumpt hatte, prüfte ich, wie immer, kurz auch am Vorderrad den Luftdruck und da traf mich fast der Schlag: noch ein Plattfuß! Jetzt platzte ich fast vor Wut.

Also das selbe Spiel auch am Vorderrad. Ein kleines Loch, seitlich, ohne jeden Hinweis auf die Ursache. Egal; Flickzeug raus und hoffen, dass die angebrochene Gummilösung noch brauchbar ist für diese Reparatur. Annett sammelte in der Zwischenzeit fleißig Oliven, die bei der Ernte hängen gelassen wurden. Um 10:30 waren wir dann endlich startklar. So hatten wir uns den Start in den Tag nicht vorgestellt.

Ab 11 Uhr hatten wir Sonne und der leichte Rückenwind verhalf uns zu angenehmer Temperatur beim Fahren durch die malerische Bergwelt. Zu beiden Seiten säumten Gebirge mit bis zu 2300 Meter Höhe unsere Strecke. Das bunte Herbstlaub schimmerte im Sonnenlicht und bescherte uns ein tolles Panorama durch den ganzen Tag. Der Baustil verriet die Nähe zur bulgarischen Grenze; von hier waren es keine 100 km. Für die Pause nutzten wir ein gemauertes Wartehäuschen an einer Bushaltestelle, dessen Sitzbank gerade im Sonnenlicht stand. Somit war es angenehm warm und windstill für die Pause. Der neugierige, streunende Hund war uns egal; bis er in einem unbeobachteten Moment den Milchbecher von Annett stibitzte. Aber wir kamen zu spät. Der Becher war leer und lag am Boden. Und der Hund wusste, was ihm blüht und war schneller weg, als wir reagieren konnten.

Nach einigen tatsächlich schweißtreibenden Anstiegen und den unangenehm kalten Abfahrten erreichten wir Paranesti, das erste nennenswerte Dorf seit 30 km Strecke. Und nach einer Pause dort war der Tag auch schon zu Ende. Die Dämmerung zwang zur Zeltplatzsuche. Erstmalig hatten wir jetzt auch schon abends Frost und eine Eisschicht auf dem Zelt. Das versprach eine kalte Nacht. Da holten wir sicherheitshalber alle Wasserflaschen über Nacht ins Zelt.

Dienstag, 1.12.15.

Frost ın GriechenlandNachts um 3 Uhr zeigte das Thermometer -3°C an. Um 5 Uhr aufzustehen war bei solchen Temperaturen keine glückliche Lösung. Also blieben wir im Schlafsack, bis es um 7 Uhr 1,5°C „warm“ war. Beim Packen der Räder schielte ich immer wieder mit einem Auge auf die Reifen unserer Räder, um sicherzugehen, dass wir heute keinen Plattfuß zu flicken haben.

Unsere erste Station heute war das Gesundheitszentrum in Paranesti. Es ging erneut um die Blutuntersuchung für die Schilddrüsenmedikation von Annett. Hier hatten wir mehr Glück als in Kavala: der Arzt organisierte einen Termin für Annett bei einem Facharzt in Xanthi für Mittwoch früh, nannte uns die Kosten der Behandlung, erläuterte den Ablauf und notierte uns Namen und Adresse des Arztes. Das war echter Service.

Dann machten wir uns zügig auf den Weg Richtung Xanthi. Es waren nur 50 km, die es aber in sich hatten. Viele Höhenmeter und die ungewöhnlich kalte Luft machten ein Tag-füllendes Programm daraus. Die Straße ging im steten Wechsel rauf und runter. Entweder wir schwitzten oder wir froren. Und das ging einher mit ständigem Kleidungswechsel: beim Anstieg nacheinander Jacke, Pulli und Hemd aus, für die Abfahrt alles wieder anziehen, und beim nächsten Anstieg alles wieder von vorne. Aber weiterhin genossen wir diese fantastische Gebirgslandschaft rings um uns herum. Und immer wieder überquerten wir Wildbäche. Unsere Straße war dabei sehr verkehrsarm. Das gesamte Gebiet kam wieder einem Nationalpark gleich.

Mittwoch, 2.12.15.

Heute stand Xanthi auf dem Plan. Die Stadt liegt direkt am Auslauf einer sehenswerten Schlucht, die wir während einer langen Abfahrt genießen durften. Die arrangierte Blut-Analyse bei Annett klappte plangemäß und völlig reibungslos und war mit 15€ gar nicht mal teuer.

Dann suchten wir einen Bikeshop und landeten im Radlerzentrum Ost-Griechenlands: ein Xanthi Radsport-Profi mit eigenem Friseursalon, ein hilfsbereiter Bikeshop-Inhaber, ein deutsch-griechischer Radsportler, … wir waren mitten in der Radsport-Szene. Einige Stunden später trafen wir die Radsportler mit ihren Bikes dann zufällig nochmals im Stadtzentrum. Da gab es dann Begrüßungsszenen, als wenn wir schon langjährige Freunde wären.

Dann Besichtigung der Old Town und der orthodoxen Kirche Hagia Sophia (Namens-gleich mit der Moschee in Konstantinopel). Auf dem Weg aus der Stadt dann noch Shopping: warme Kleidung kaufen für die kommenden frostigen Tage und Nächte.

Verlässt man die Stadt Richtung Süden, dann erkennt man erst den abrupten Übergang von Hochgebirge zu bebautem Flachland: ein beeindruckender Anblick. Als Abschluss gab es dann noch einen traumhaften Sonnenuntergang. Erstaunlich mild wurde das Klima, je weiter wir uns von Xanthi entfernten. Wir steuerten wieder auf die milde Küste zu.

Donnerstag, 3.12.15

Endlich mal wieder eine Tages -Etappe ohne Höhenmeter. Es war bewölkt und mit 13°C nicht zu kalt.

Richtung Komotini führte die Straße durch eine weite Ebene. Dabei hat man nach Norden immer den Blick frei auf die bis zu 2300 m hohen Berge. Nach einem Bad in der heißen Quelle von Potamia ging es durch ein Lagunen-artiges Sumpfgebiet mit zahlreichen Wasservögeln. Unterwegs trafen wir Charles, einen Reiseradler aus Frankreich. Er hatte in der Türkei einen Biker aus Estonia getroffen, den wir hier in Griechenland auch schon gesehen hatten vor einigen Tagen. So klein ist die Welt.

Die knapp 2 Stunden warme, teilweise sonnige Mittagszeit nutzen wir zum Wäsche waschen und Schlafsäcke-Trocknen.

Freitag, 4.12.15.

In Komotini steuerten wir einige Läden für Besorgungen an. Im ersten Bike-Shop trafen wir einen Biker, der uns gestern überholt hatte und mit dem wir kurz geplaudert hatten. Dann beschafften wir uns Ersatz für das ramponierte Besteck: 2 der drei Kunststoff-Löffel hatten wir schon gehimmelt bisher.

Als wir kurz hinter Komotini dann große Pause mit Essen, Wäsche waschen, WiFi im Cafe nebenan und Schlafsack-trocknen machen wollten, lud uns der Pfarrer des Dorfes zu sich zum Kaffee in sein Haus ein. Wir legten dazu unser Gebäck auf den Tisch. Als wir uns danach dankend verabschiedeten, dämmerte es schon und die Zeltplatzsuche stand an. Kein Mittagessen, keine Wäsche gewaschen, kein WiFi genutzt. Aber die nette Stunde beim Pfarrer war es wert.

Samstag, 5.12.15.

Seit einigen Tagen kriechen wir erst auf dem Schlafsack, wenn die Luft sich nicht mehr frostig anfühlt. Heute war das erst um 7 Uhr der Fall. Dafür war uns strahlender Sonnenschein sicher. Und durch die Ebene rollten wir zügig weiter über Sapes Richtung Alexandroupolis, unsere letzte größere Stadt vor der türkischen Grenze. In den Dörfern mischen sich auch schon die ersten Moscheen unter die orthodoxen Ekliseias.

Als die Sonne mittags richtig warm war, suchten wir einen passenden Ort für eine Pause. Es ist nicht immer einfach, eine geeignete Pausenstelle zu finden. Wir benötigen Schatten für die Räder, Zugang zu Wasser fürs Wäsche waschen und eine Bank in der Sonne fürs Schlafsäcke trocknen. Ideal ist dann zusätzlich Strom-Zugang fürs Laden unserer Akkus. Hinter Sares war dann ein Platz gefunden und alle Jobs wurden abgearbeitet. Bis die Wäsche auf der Leine hängt und die Schlafsäcke wieder trocken im Packsack verstaut sind, vergeht schon eine Zeit. Und das Essen wird fast zur Nebensache. In kleineren Dörfern spricht sich dann auch schnell herum, das 2 außergewöhnliche Radler hier rasten. Dann kommt jeder, der Zeit hat, einmal vorbei, grüßt und man plaudert einige Minuten. Und auch heute wurden wir vor der Weiterreise noch auf einen Kaffee eingeladen.

Nach der Pause ging es so gegen 15 Uhr weiter. Die Straße zog sich nun allmählich mit leichter Steigung hoch in die Berge parallel zur Via Egnatia, der alten Straße aus der Antike. Mit zunehmender Höhe wurde es kälter. Wir beschlossen, auf jeden Fall erst wieder nach der Abfahrt ins Tal einen Zeltplatz zu suchen, weil es im Tal wärmer war. Doch daraus wurde leider nichts: Annett hatte schon wieder einen Plattfuß am Hinterrad. Es dämmerte schon, also war es für eine Reparatur heute schon zu spät. Und zur Zeltplatzsuche waren wir jetzt ziemlich bewegungsunfähig. Da half nur noch schnell im näheren Umkreis nach einem passenden Platz zu suchen. Was wir vorfanden, war dann ganz schön schräg und versprach wieder eine Rutschpartie beim Schlafen.

Sonntag, 6.12.15.

Zum Nikolaus gab es für mich natürlich erstmal den Plattfuß von Annett Rad. Diesmal war es eindeutig die Antiplatt-Pannenschutzeinlage. Eigentlich soll sie den Schlauch schützen. Durch feine Risse auf der Mittellinie hat sie nun den nagelneuen Schlauch fast auf dem gesamten Umfang perforiert. Also flog heute der verfluchte Pannenschutz raus, denn er war eindeutig die Ursache von mehreren Plattfüßen in den vergangenen Wochen. In Anbetracht der Ereignisse klingt der Name „Pannenschutz“ schon grotesk.

gesehen in AlexandroupolisUm 11 Uhr waren wir dann endlich startklar und genossen wieder diese tolle Berglandschaft auf dem Weg bis herunter ans Meer. 10 km später erreichten wir Alexandroupolis. Wir mischten uns unter das sonntägliches Treiben auf Uferpromenade und Weihnachtsmarkt. Zur Feier des Tages gingen wir hier griechisch essen. Dass die bestellten Gerichte nicht auf dem Teller, sondern auf einem Blatt Papier serviert wurden, fanden wir dabei sehr originell und praktisch.

perforierter SchlauchAuf dem Weg aus der Stadt verlor Annett am Hinterrad schon wieder geringfügig Luft. Wahrscheinlich öffnet sich jetzt nach und nach ein Loch nach dem anderen an der perforierten Linie im Schlauch. Da hilft nur: erneut einen Schlauch kaufen und austauschen (unsere eiserne Reserve von 2 Ersatzschläuchen wollten wir nicht anbrechen, die sind für wirkliche Notfälle). Das tut weh.

Und weil Sonntags die Geschäfte geschlossen sind und hinter Alexandroupolis so schnell kein Bike-Shop zu finden sein würde, stand fest: wir hängen bis morgen hier fest. Heute half zunächst Aufpumpen und weiterfahren, denn der Luft-Verlust war schleichend. Wir suchten nah bei der Stadt einen Zeltplatz, um uns den Rückweg morgen kurz zu halten.

Es wurde wieder schnell kalt, sobald die Sonne tief stand. Als es dunkel war, lag schon eine leichte Eisschicht auf dem Zelt. Das versprach wieder eine kalte Nacht. Wir haben den Wecker mittlerweile von 5 auf 6 Uhr gestellt, weil die eisige Kälte dann nicht mehr ganz so eisig ist. Nachts gab es endloses Hundegebell und mehrfach Hunde am Zelt.

Montag, 7.12.15.

Um 6 Uhr krochen wir, leicht verfroren, aus dem Schlafsack. Eine dicke Eisschicht machte das Zelt steif die ein Brett. Auch der Reißverschluss vom Außenzelt ging erst auf, nachdem ich ihn mit den Fingern etwas aufgewärmt hatte. Dummerweise stand das Zelt auch im Schatten der hohen Binsen. Somit nutzte uns die Sonne wenig und die Eisschicht hielt sich bis zum Zeltabbau.

In die Stadt zurück, Schlauch kaufen und einbauen, Schlafsäcke und Matten trocknen, Winterkleidung nachkaufen, Batterien laden, Mittagspause machen und da war es auch schon wieder 15:30 Uhr, als wir Alexandroupolis verließen. Da blieb uns noch eine Stunde zum Radeln.

Seit einigen Tagen wird das Fahren fast zur Nebensache; zu sehr sind wir beschäftigt mit Reparaturen und Trocknung der Ausrüstung. Und die 9 Stunden Tageslicht können wir nicht voll nutzen, weil es morgens um 7 Uhr noch viel zu kalt ist. Aber der tägliche Sonnenschein ist uns da ein kleiner Trost. Viel schlimmer wäre tagelanger Regen.

Dienstag, 8.12.15.

Ausnahmsweise hatten wir heute mal kein Eis auf dem Zelt. Nasskalt bei leicht bewölktem Himmel reichte aber für kalte Füße bis zum Aufbruch. Eigentlich wollten wir heute mal wieder Strecke machen. Doch über die Ebene zog ein kalter Gegenwind. So kamen wir kaum voran und mussten sogar bei der Abfahrt noch strampeln, um vorwärts zu kommen.

Wir hofften auf ein heißes Bad in der Thermalquelle von Traianoupoli. Doch außer einem Rohr-Ablass war leider alles verriegelt. Lediglich ein warmes Fuß-Bad war da möglich. Unsere nächste Stadt war Feres. Sehenswert waren hier eine kleine Felsenschlucht, die Innenstadt und die Kirche Hagia Sophia. Abends zogen dicke Wolken auf, aber es blieb trocken.

Am Mittwoch, 9.12.15. erreichten wir die Grenze zur Türkei, unserem nächsten Reiseland.

Resume Griechenland

Insgesamt waren wir 79 Tage in Griechenland unterwegs und haben dabei 2750 km abgeradelt. Traumhafte Landschaft, rustikale Sitten im Straßenverkehr (Fahren ohne Gurt, Telefonieren beim Autofahren, maßlos überladene Fahrzeuge, Personentransport auf der Pickup-Ladefläche, Motorradfahren ohne Helm), heiße Quellen, die Ruinen aus vergangenen Epochen, byzantinische Kapellen, traumhaftes Wetter bis Ende November, exotische Vegetation (Bananenstauden, Kakteenfeigen, Orangen, Mandarinen, Zitronen, Pampelmusen), reife Zitrusfrüchte am Straßenrand, Olivenbäume bis hoch in den Berg, zeitweise viel Müll, giftige Spinnen und Schlangen, unzählig viele wilde Hunde; all das ist Griechenland. Auf der Straße sieht man sehr oft die Gottesanbeterin, ein bis zu 10 cm großes Heuschrecken-ähnliches Insekt. Das Leben findet auf der Straße und in den Cafés statt. Von 12 bis 15 Uhr ist Siesta; dann sind die Läden geschlossen, es ist alles still und wie ausgestorben. Gute Trinkwasserqualität ist nicht im ganzen Land gewährleistet.

Einige Dinge waren nervig: das ständige Gebell der Hunde (mancherorts die ganze Nacht hindurch), die unterschiedlich breiten und tiefen Querrillen auf den Straßen (Schlitze im Asphalt für irgendwelche Versorgungsleitungen), aggressive Mückenschwärme abends wie morgens, ungewöhnlich dreiste Fliegen und aggressive Hunde sowie die bettelnden Zigeuner an fast allen Supermärkten.

Weiter geht es im Artikel „Türkei 2015 / 2016

9 Kommentare:

  1. Hallo!
    Habe heute bereits ein paar Stunden in Eurer sehr interessanten Website gelesen. Seit Ende der 80er-Jahre war ich mehr als 55.000 km mit dem Auto/Wohnwagen, Motorrad/Roller in Griechenland unterwegs. Ich kann mich nicht erinnern, dass es da jemals so viel Regen gab. Höchstens ein heftiges Gewitter und spätestens 30 Min. danach war es wieder trocken. In war immer zwischen Anfang April und Ende Mai unterwegs. Als Motorradfahrer achtet man auch sehr auf das Wetter. Anscheinend ist das Frühjahr die ideale Reisezeit für GR.
    Mit den Motorrädern waren wir immer Gruppen von 8 bis 19 Personen. Als „Camper“ war ich auch dann auch als Biker (Zweirad) mit Zelt unterwegs – aber NUR einmal! In Mistras übernachteten wir am Campingplatz und alle mit Zelt bezahlten mehr, als jene, die die bequemen Zimmer nutzten. Von da weg war ich nie mehr in GR auf einem Campingplatz und kenne ich an jeder Ecke tolle Privatqartiere. Es gibt keinen Ort, an dem nicht nette Zimmer vermietet werden, die auch preiswerter als der Campingplatz sind. Am Campingplatz bezahlt man nämlich pro Person, pro fahrzeug und pro zelt, was in Summe mehr ausmacht als das netteste Apartement. Von 1998 bis 2005 war ich „Tourguide“ bei privaten Motorradtouren und würde nie mehr woanders als bei diesen Privatpensionen übernachten. Selbst teure Hotel bieten nicht immer mehr. Dort ist man auch spätestens beim zweiten Aufenthalt als gerne gesehener Gast und Freund herzlich willkommen und muss nicht am Boden im Freiem Zelt aufstellen/abbauen/packen…

    Ich beabsichtige den Kauf eines Reise-Fahrrades, finde aber kein passendes. Zur Zeit sind anscheinend alle guten Marken ausverkauft… Welches habt Ihr benutzt (bisher konnte ich nichts darüber lesen)?

    LG und weiterhin alles Gute
    Bernhard E.

    • Radreise Nerd

      Hallo Bernhard, vielen Dank für Deinen Kommentar. Zu unseren Fahrrädern findest Du unter dem folgenden Link einen Artikel auf unserer Website: http://www.fahrrad-abenteuer-reisen.de/unsere-fahrraeder/
      Allerdings sind wir mit der Rahmen-Lackierung überhaupt nicht zufrieden. Die Lackhaftung ist mieserabel, auf größeren Flächen existiert schon Rost. Insofern kann ich unsere Lieferquelle nicht wirklich empfehlen.
      L.G.

      • Bernhard Egger

        Danke! Ich war von Euren hochinteressanten Berichten begeistert und in diese so vertieft, dass ich dann erst ganz zum Schluß die Beschreibung der benutzten Räder gefunden/gelesen habe… 🙂

        Ich habe mich für das KTM Life LONTANO XT entschieden, musste aber feststellen, dass dieses wirklich brauchbare Reisefahrrad leider ausverkauft ist und von KTM nicht mehr produziert wird.

        Nur mehr Damenrahmen und die kleinste Größe stehen als Reststücke bei einem Händler. 🙁 Dieses Lontano entstammt den Erfahrungen des KTM-Entwicklungchefs Pressl aus Salzburg… Top-Qualität von Leuten, die genau die Zielgruppe abdeckte. Es wurde bereits bei Weltreisen verwendet. Produktionsjahre: 2014-2015

        LG Bernhard, Ösistan

  2. Moin aus Herford,
    gibt es jemand der mir Adressen von passionierten visionierten Fahrradschraubern in Griechenland geben kann?
    Thanks

  3. Guten Morgen aus der Türkei. Habe euch beide ja vorhin ca 26 km östlich von Alanya mit meinen beiden Hunden auf der Strasse bei Keşefli getroffen… Hoffe, ihr findet meinen Beitrag, da ja für die Türkei noch keine direkte Möglichkeit hier ist..

    Habe auch schon das Bild und eure Webpage veröffentlicht…

    Gute Fahrt weiterhin und ich verfolge euch weiter…. Alles Liebe Eure Bea mit Bella und Moritz…. wuffwuff…

  4. Alles Liebe für 2016 wünscht euch Regina aus Neviges. Eure Berichte sind super und lassen erahnen, wie anstrengend aber auch interessant diese Tour ist.
    Aber ganz sicher nichts für mich als Couchpupser.
    Weiterhin alles Gute für euch.

  5. Danke für diesen interessanten Bericht, den ich gerne gelesen habe – immer hin- und hergerissen zwischen Neid und Bedauern 😉

    Weiterhin gute Fahrt durch die Türkei!
    Anne

  6. Lese eure Berichte als wäre ich dabei… wie war es Weihnachten nicht Zuhause zu verbringen. Wir haben an euch gedacht.
    Liebe Grüße
    Andi

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