Der Pamir-Highway in Tadschikistan

Der Pamir-Highway

Es gibt 2 spektakuläre Hochgebirgsstraßen auf unserem Planeten: den Karakorum-Highway und den Pamir-Highway. Der Karakorum-Highway führt über pakistanisches Territorium und ist damit viel zu gefährlich für eine Urlaubsreise. Bleibt also der Pamir-Highway.

Wir sind den Pamir-Highway 2016 mit unseren Reiserädern gefahren und beschreiben hier die Beschaffenheit der Straßen und der Landschaft.

Dushanbe bis Khorog (Nordroute)

Die gesamte Strecke von Fajzobod bis Dashtak besteht hauptsächlich aus grobem Schotter, stellenweise sogar aus losem Geröll. Jedes Fahrzeug hinterlässt dicke Staubwolken, das Atmen fällt da zeitweise schwer. Dazu sind die Steigungen meist sehr steil und die Abfahrten sehr gefährlich wegen der Unberechenbarkeit der Straßendecke. Nur selten fährt man über Asphalt; und wenn, dann hat er oft Waschbrett-Profil oder es sind nur noch Trümmerfelder.

In Summe sind es bis Khorog 570 km schwierigste Straßendecke mit insgesamt 8000 Höhenmetern. Besonders anspruchsvoll ist der Saghirdasht-Pass mit 3252 m Höhe. Es geht 35 km nur bergauf; über endlose Schotter- und Geröll-Pisten.

Manche Schlucht-Abschnitte sind über viele km nicht bewohnt und es findet sich kein Fleckchen zum Übernachten. Auch die Versorgung mit Wasser war zum Abend hin nicht immer einfach. Reist man mit dem Fahrrad, so wie wir es getan haben, dann erfordern diese Umstände gute Vorbereitung. Ist man motorisiert unterwegs, fällt das nicht so stark ins Gewicht.

Landschaftlich steigert sich das Hügelland ab Dushanbe schnell bis zu einer grandiosen Gebirgskulisse. Man fährt entlang der Flussläufe Surhob, Obihingab, Khingob, Khumbow und Panj. Dabei führt jeder Hügel am Uferhang zu einem steilen Anstieg. Daher die vielen Höhenmeter. Die bis zu 4500 m hohen Berge zu beiden Seiten des Ufers bilden gewaltige Schluchten mit in Summe 500 km Länge.

Schotterpiste vor Khorog:   Clip

Wilde Flüsse und schroffe Berge:   Clip

Panj-Tal vor Khorog:   Clip

Butter Handmade in den Bergen:   Clip

Khorog bis zur Grenze nach Kirgistan

Ab Khorog geht es hoch in die Berge. Die Steigung ist sehr moderat, der Asphalt ausgesprochen gut. Man durchfährt ein langes, weites Tal zwischen 2 Gebirgszügen mit Bergen im Bereich um die 5000 m Höhe. Eine tolle Kulisse.

Dann kommt der Koitezek-Pass mit 4271 m. 20 km hinter dem Pass erreicht man eine Talsenke mit Fluss auf 3928 m Höhe. Dann befährt man ein Hochplateau immer auf Höhe zwischen 3700 und 4000 m Höhe. Zu beiden Seiten der Ebene ragten die 5- bis 6-Tausender in die Höhe. Sie wirken wie sanfte Hügel und nicht wie die schroffen steilen Bergmassive, wie wir sie zwischen Dushanbe und Khorog vorfinden. Dann erreicht man Alichur.

Die Strasse führt dann weiter nahezu ohne Steigungen auf 3800 m Höhe. Zu beiden Seiten säumen Berge den Weg. Erst nach 30 km geht es stetig bergauf bis zum Neizatash-Pass auf 4137 m. Dann folgt der Akbaital-Pass mit 4655 m Höhe. Das ist der höchste Punkt auf dem Highway. Hinter dem Scheitelpunkt geht es zwar bergab, aber da erwarteten einen 20 km übelster Schotter mit Waschbrettprofil auf der gesamten Breite. Dahinter liegt der Karakul-See auf 3932 m Höhe. Es folgen der Uy Buloq Pass mit 4323 m und der Kizil Art Pass mit 4336 m. Danach erreicht man die Grenze zu Kirgistan.

Der gesamte Weg von Khorog über Alichur, Murghab und Karakul nahe der Grenze zu Kirgistan enthält nur selten anstrengende Aufstiege. Allerdings bewegt man sich fast ausschließlich auf 3700 – 4200 m Höhe. Da ticken die Uhren im Körper anders: der Sauerstoff fehlt, man muss sich langsam und kontrolliert an die Höhe gewöhnen, alles wird anstrengender und läuft langsamer ab. Fuer uns Radler war dieses Thema besonders wichtig und die Planung der Übernachtungsplätze hat daher einige Mühe gekostet. Aber man fährt auf der zweit-höchsten Straße der Welt durch traumhafte Berglandschaft. In unserer Fahrtrichtung hatten wir an einigen Tagen einen so heftigen Gegenwind, dass wir die Weiterfahrt auf den nächsten Tag verschieben mussten.

Pamir-Highway hinter Khorog:   Clip

Jurte auf dem Pamir-Highway:   Clip

Panorama auf dem Pamir-Highway:   Clip

Panorama auf dem Pamir-Highway:   Clip

Pamir-Highway:   Clip

Hinter Murghab:   Clip

Sturm auf dem Pamir-Highway:   Clip

Schneefall auf dem Pamir-Highway:   Clip

Die Höhenanpassung

Ab einer Höhe von 2000 m ist die Höhenanpassung ein ganz wichtiges Thema. Beachtet man die Akklimatisations-Regeln nicht, drohen gesundheitliche Schäden.

Wir haben auf unserer Radreise unsere Tagesstrecken sowie insbesondere die Übernachtungsplätze so weit wie möglich im Einklang mit diesen Regeln abgestimmt. Weil wir den Highway ohne „größere“ gesundheitliche Beeinträchtigungen bewältigt haben, listen wir im Folgenden unsere Übernachtungsplätze samt Höhe als Orientierungshilfe auf.

Khorog liegt auf 2070 m. Verlässt man die Stadt, geht es direkt hoch. Nach 4 km auf ca. 2200 m Höhe haben wir übernachtet.

Die nächste Übernachtung war nach 50 km in Vuzh auf ca. 2700 m Höhe. Bis hier geht es mit moderater Steigung stetig bergauf.

Unsere nächste Übernachtung war dann nach 56 km in Murj auf ca. 3300 m Höhe. Auch diese Passage war ohne steile Anstiege. Kurz vor Murj ging es in einem längeren Anstieg um ca. 200 m hoch. Ich hatte abends leichte Gleichgewichts-Probleme. Ich denke, da hatten wir die Grenze schon überschritten.

Morgens waren die Symptome verschwunden. Nächste Übernachtung war 5 km hinter Jelondy auf 3628 m Höhe nach 28 km Tagestrecke. Annett hatte Schmerzen im rechten Lungenflügel und ich hatte leichten Schwindel. Die Schmerzen waren am nächsten Morgen abgeklungen.

Nächste Übernachtung war hinter dem Koitezek-Pass (4271 m) und einer kleinen Abfahrt auf 3932 m Höhe in einer Talsenke nach 36 km Tagestrecke. Annett hatte leichte Kopfschmerzen, sonst war alles ok.

Nächste Übernachtung war nach 42 km in Alichur auf 3863 m. Ich hatte abends leichten Schwindel, sonst ging es uns gut.

Nächste Übernachtung war nach 61 km hinter dem Neizatash-Pass auf 4020 m Höhe. Annett hatte am nächsten Morgen mit Übelkeit zu kämpfen; mir ging es dagegen gut.

Die nächsten Übernachtungen waren in Murghab auf 3570 m Höhe und dann hinter Murghab auf ca. 3900 m Höhe. Die bisherigen Symptome traten ab jetzt immer seltener und schwächer in Erscheinung.

Fazit: unsere Höhenanpassung war wohl ganz gut abgelaufen. Wir waren über 9 Tage kontinuierlich von 1050 m auf 3900 m Höhe aufgestiegen und hatten ab 2500 m Höhe nicht mehr als 300 m höher geschlafen gegenüber dem Vortag. Die Symptome hielten sich in Grenzen. Manchmal war es nicht einfach zu beurteilen, ob ein zu schneller Aufstieg oder verseuchte Lebensmittel die Ursache unserer gesundheitlichen Probleme waren.

Ansonsten fordert die dünne Luft dort oben ihren Tribut: die Nasenschleimhäute leiden, die Lippe wird rissig, es bilden sich Krusten auf den Wangen, wenn man sich nicht regelmäßig eincremt (so wie ich). Wir hatten die Wunden mit Weleda-Heilcreme behandelt; aber das blieb fast wirkungslos, solange wir uns auf 4000 m aufhielten. Sonnen-verbrannte Wangen sahen wir auch erschreckend oft bei vielen Kleinkindern in den Bergen; keiner benutzt hier Sonnenschutz-Creme.

Unsere Radreise

Wir haben den Pamir-Highway auf unserer Radreise durch Tadschikistan in 2016 besichtigt. Und unser Reisebericht über Tadschikistan enthält noch viele andere Tipps und Erlebnisse.

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